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Katastrophe - Hochwasser in Calcar


Ausschnitt aus Calcars letzter Vergangenheit, 

mitgeteilt von Franz Kühnen
Die schrecklichste aller Überschwemmungen in der hiesigen Gegend war im Jahre 1809. Am 28. Dezember 1808 war der Rhein zugefroren. Am 11. Januar 1809 trat Tauwetter und am 13. desselben Monats eine ebenso schnelle als furchtbare Ueberschwemmung ein, nachdem die Deiche zu Vynen, Obermörmter, Hönnepel, Till, Kellen und Griethausen durchbrochen worden waren. Am 14. Januar setzte plötzlich wieder Frost ein, der so stark war, daß der Rhein am 20. Januar wieder zufror und die weit überschwemmte Gegend mit einer dicken Eisdecke überzogen wurde.
Am 25 Januar trat wieder Tauwetter ein und  die Ueberschwemmung wurde noch schrecklicher als das erste Mal. Das Eis drohte alles zu zerstören und zerstörte auch wirklich alles, was sich seinem Laufe widersetzte. Viele Häuser wurden durch den Strom und das Eis fortgerissen und sehr viele stürzten ein. Eine ganz bedeutende Anzahl Vieh kam in den Fluten um. Das Wasser stieg  so hoch, daß es ungefähr die vierte Stufe der  i n n e r e n Treppe des Rathauses erreichte. Der Strom war selbst in der hiesigen Stadt so stark, daß man z.B. in der Altcalcarstraße Nachen nur mittels Taue, die man an den Häusern befestigt hatte, in die Stadt hineinziehen konnte. Steine wurden aus der Straße fortgerissen und Löcher darin getrieben.
In Hanselaer waren de Gehm, de Gort, de Waye sowie die Gortsche Scheune eingestürzt und zum Teil samt Inhalt fortgerissen; alles Vieh war ertrunken. Auf der Waye hatten sich die Hofbewohner aufs Dach geflüchtet und hier eine ganze Nacht und den folgenden Tag um Hilfe gerufen, ohne daß man ihnen wegen des starken Stromes und Eises zu Hilfe kommen konnte. Endlich gelang es nicht ohne Gefahr, sie zu retten, wobei sich der Müller Gerhard van der Grinten vorzüglich auszeichnete. Der Schaden in der Stadt Calcar, welche wegen ihrer Lage im Vergleich zu anderen Gemeinden verhältnismäßig wenig gelitten hatte, wurde auf 49466 Franken berechnet. Die ganze Deichlinie am Rhein war gewaltig beschädigt, der Patersdeich ganz vernichtet.
Mehrere sehr bedeutende Durchbrüche entstanden in den Deichen zu Vynen, Obermörmter, am Bolk zu Till und am Erfken, zu Kellen bei Schmitthausen und an der Spoy unweit Griethausen.  Hier wollte Johanna Sebus, die Tochter eines armen Tagelöhners aus Brienen, 17 Jahre alt, nachdem sie ihre alte Mutter  unter Lebensgefahr gerettet hatte, zum zweiten male durch die Fluten waten, um einer armen Witwe und ihren drei Kindern zu Hilfe zu eilen. Bei diesem heldenmütigen Unternehmen ertrank sie aber mit ihren unglücklichen Gefährtinnen in den Fluten. Auf Veranlassung des damaligen Unterpräfekten  von Kleverberg wurde ihr dort ein Denkmal errichtet. 
Hier am Monretor ertrank eine Frau aus Hanselaer mit ihrer Tochter, welche eine Kuh übers Eis auf den Berg zu treiben wollten; ferner ertrank ein Mann aus Calcar, der einen Botengang über das Eis nach Appeldorn machen wollte. Es ist wirklich ein Wunder zu nennen, daß bei einem solchen außerordentlichen Naturereignisse nicht mehr Menschen umkamen. 
Am 27. Januar des Abend begann das Wasser zu fallen. Am 30. des selben Monats gegen Abend erhob sich ein starker Orkan, der zwar die ganze Nacht hindurch mehr oder weniger stark wütete, aber gegen 10 Uhr am stärksten war und der alles, was das Wasser verschont hatte, zu verwüsten drohte. Besonders fürchterlich war derselbe für diejenigen, welche vom Wasser noch nicht frei waren. Bemerkenswert ist es, daß nach der Kölner Zeitung „Der Beobachter“ vom 7. Januar der Astronom Lamarque vorhersagte, daß  der Vollmond am 31. Januar „einen drohenden Umstand darbieten werde“.
Da die Deiche nicht so schnell wieder hergestellt werden konnten, wurde die Gegend am 14. September von neuem überschwemmt, wodurch  das Maß des Unglücks voll wurde. Die noch auf den Feldern wachsenden Früchte wie Kartoffeln usw. gingen fast ganz verloren, die gemähten wie Buchweizen, Hafer usw. wurden größtenteils durch den Strom fortgerissen. Selbst in den Häusern ward vieles von den eingeernteten Früchten beschädigt. Der Kaiser gab zur Unterstützung der von dieser schrecklichen Ueberschwemmung Betroffenen 500 000 Franken, wovon auf Calcar 14088 Franken 90 Centimen entfielen; außerdem waren durch Kollekten ungefähr 200 000 Franken eingekommen, welche größtenteils zum Ankauf von Baumaterialien für die bedürftigen Einwohner sowie zur Behebung sonstiger Wasserschäden verwandt wurden. 
Zum Glück für die Deichschauen hatte damals der Staat die Unterhaltung der Deiche übernommen und so wurden diese 1810 und 1811 wieder gut instand gesetzt. Die desfallsigen Kosten wurden aus dem Ertrage der zusätzlichen Centimen, die der Grundsteuer beigeschlagen, und über das ganze Departement verteilt wurden, bestritten. Wäre dieses nicht der Fall gewesen, so würden die Deichschauen schwerlich imstande gewesen sein, soviele Durchbrüche und Deichbeschädigungen auszubessern. Durch die Erfahrung und besonders durch die Ueberschwemmung von September 1809 darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig es sei, die unterhalb Calcars liegenden Schauen durch einen Querdamm von den oberhalb liegenden Deichschauen zu trennen, kam man im selben Jahre auf den Gedanken, einen Querdamm hier bei Calcar vom Patersdeich bis auf die Anhöhe am Fuße des Berges anzulegen, um gegen Ueberschwemmungen, welche durch Durchbrüche in den oberhalb Calcars liegenden Deichen verursacht würden, geschützt zu sein. Calcar und sämtliche oberhalb liegenden Gemeinden protestierten gegen diese Anlage, weil dadurch der Abfluß  des Wassers gehindert werde, sie mithin bei Ueberschwemmungen desto größeren Gefahren ausgesetzt seien. Andererseits wurde geltend gemacht, daß zur Zeit noch nichts zur Ausbesserung der Durchbrüche in den Deichen oberhalb Calcars geschehen sei und es deshalb leicht geschehen könnte, daß wieder mitten im Sommer Ueberschwemmungen dort eintreten könnten, wogegen die unterhalb Calcars liegenden Gemeinden durch die Anlage des Querdammes geschützt seien. Die zuerst bezeichneten Gemeinden trugen deshalb darauf an, daß wenigstens vorher die Deiche oberhalb Calcar wiederhergestellt würden, alsdann möge die Anlage des Querdammes gestattet werden. Die Arbeiten hierfür wurden am 24 Oktober 1809 verdungen. Die unterhalb Calcars liegenden Deichschauen übernahmen die Kosten dieser Anlage. Später hat jedoch auch der Staat aus einem Fonds, aus dem auch die übrigen Deiche wiederhergestellt worden sind, einen Zuschuß geleistet. Im Laufe der Zeit ist die Beibehaltung dieses Querdammes dekretiert worden.