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 775 Jahre Stadtrechte <-> Calcar <->  Die lebendige Stadt 

Abschrift aus Calcarer Volkszeitung, Calcar

Aus Calcars letzter Vergangenheit

 

Vorwort

Ein guter Gedanke war es, als ein fr├╝heres Oberhaupt unseres St├Ądtchens es anfangs des vorigen Jahrhunderts unternahm, alle wichtigeren Ereignisse in Calcar und seiner Nachbarschaft zusammenzustellen und sie in einem Buche, der ÔÇ×Chronik der B├╝rgermeisterei Calcar“ niederzuschreiben, um so der Nachwelt erhalten und ├╝berliefert zu werden. Wann ist unser Marktplatz gepflastert worden? Seit wann besteht die Stadtwaage? Seit wann die j├╝dische Synagoge in der Hanselaerstra├če? Wer war der letzte Pfarrer von Hanselaer? Diese Fragen kann nicht jeder Calcarer ohne weiteres beantworten und ich glaube deshalb meinen Mitb├╝rgern wohl  einen Dienst damit zu tun, wenn ich den Chronisten hier├╝ber erz├Ąhlen lasse, nicht aus dem Mittelalter, der Zeit, als unsere prachtvolle St. Nicolai-Pfarrkirche und unser herrliches Rathaus erstanden, sondern beginnen mit  einer Zeit, die der unsrigen in mancher Hinsicht sehr ├Ąhnlich ist und aus der die ├Ąltesten Calcarer B├╝rger aus den Erz├Ąhlungen ihrer Eltern oder Gro├čeltern vielleicht noch etwas in die heutigen Tage hin├╝bergerettet haben.

Die Chronik  beginnt mit dem Jahre 1794, dem 2. Jahre der franz├Âsischen Republik und f├╝hrt, besonders in ihrem ersten Teile, vieles an, was nicht unmittelbar mit dem Namen Calcar zusammenh├Ąngt und nicht Geschehnisse auf Calcarer Boden find. Immerhin glaubte ich aber auch dieses, weil es viel des Interessanten bietet, mitaufnehmen zu sollen.
 

Aus Calcars letzter Vergangenheit. Mitgeteilt von Fr. K├╝hnen

1794, den 19. Oktober zogen die Franzosen hier in Calcar ein. Es war eine Abteilung Kavallerie von 100 bis 150 Mann, wovon der nachher so ber├╝hmte General und Marschall  Ren damals Eskadronschef, der Kommandant war.  Dieser wurde hier im Hause der Witwe Werning am Kesseltor Nr. 72 (jetziger Besitzer Herr Friedrich Neuhaus) einquartiert. Im Monat November wurde von den Franzosen die Festung  Nymegen eingenommen.   W├Ąhrend der Belagerung dieser Stadt fielen die ├ľsterreicher bei B├╝derich  ├╝ber den Rhein um Nymegen, Venlo und die Grave zu entsetzen, wurden aber zur├╝ckgeschlagen.  Das Gefecht war hitzig. Der Winter von 1794/95 war ├Ąu├čerst kalt. Schon fr├╝h trat Frost und Schnee ein. Der Frost war anhaltend Stark und im Dezember waren bereits alle B├Ąche, Fl├╝sse und Str├Âme zugefroren. Hierdurch wurde das Elend des Krieges bedeutend verschlimmert. Durch  den Einzug der Franzosen, welche das linke Rheinufer besetzten, w├Ąhrend die Alliierten das rechte Ufer inne hielten, war die Schiffahrt auf dem Rheine schon anfangs Oktober gehemmt worden. Es hatte also keine hinl├Ąngliche Zufuhr von Kohlen erfolgen k├Ânnen, weshalb hieran gro├čer Mangel war. Holz und Waldungen wurden ohne Schonung von den Einwohnern und Soldaten angegriffen und zu Teile verw├╝stet. Auch musste die sch├Âne Allee von Eichen und Buchen, die die alte Landstra├če Cleve nach Xanten zierte, fallen.

Das Jahr 1794 war sehr gesegnet und es war ├ťberflu├č an allen Arten von Fr├╝chten; allein durch die ├╝berstarke anhaltende Einquartierung und die Lieferungen aller Art, von Oktober bis ins Fr├╝hjahr, war der Vorrat ganz verzehrt und der Mangel
 (6)an Lebensmitteln wurde sehr gro├č und fast allgemein. Ein Berliner Malter Roggen z.B. kostete im Fr├╝hjahr 20 und ein Malter Weizen 40 Reichstaler.  Winkelwaren (jetzt gew├Âhnlich Kolonialwaren genannt) konnte man im ganzen Winter fast gar nicht mehr haben, weil alle L├Ąden geleert und fast gepl├╝ndert waren, was indessen seinen Grund haupts├Ąchlich darin hatte, da├č die  Neufranken kein bares sondern Papiergeld waren, bekannt unter dem Namen Assignaten . Es durfte sich niemand unter  Todesstrafe weigern, sie in Zahlung zu nehmen, sie hatten aber nicht den mindesten Wert, so da├č  Gegenst├Ąnde im Werte von einem Livre mit  100 Livres und mehr bezahlt wurden. So wie es indessen oft bei den gr├Â├čten Drangsalen nicht an Anekdoten fehlt so auch hier. Man erz├Ąhlte sich, da├č jemand eine Assignate von 1000 Livres aus seiner Brieftasche hervorgezogen, sie aber ungl├╝cklicherweise in einen Topf habe fallen lassen, woraus gerade der  Hund des Hauses fra├č. Bei der gro├čen Gefr├Ą├čigkeit desselben hatte der Ungl├╝ckliche nicht mehr Zeit, den Geldschein wieder an sich zu nehmen, der und hatte ihn im Nur erhascht und mit verschlungen; er hatte also eine Mahlzeit gehabt, die 1000 Livres kostete. 

Der Frost war den franz├Âsischen Heeren besonders bei der Eroberung von Holland sehr von Vorteil, weil alle Gew├Ąsser zugefroren waren, so da├č ihr Zug durch die vielen dort befindlichen Fl├╝sse und Kan├Ąle gar nicht aufgehalten wurde. Um Neujahr  1795 gingen die Franzosen ├╝ber den Rhein und die Waal und in 8 Tagen war ganz Holland erobert. Am rechten Rheinufer drangen die Franzosen nur bis oberhalb Emmerich vor. Unterdessen wurde zwischen Preu├čen und Frankreich Waffenstillstand und demn├Ąchst im April 1795 zu  Basel der Friede geschlossen. Nach Abschlu├č des Friedens r├Ąumten die Franzosen das rechte Rheinufer, hielten aber Holland und das linke Rheinufer milit├Ąrisch besetzt bis 1801, wo durch den Luneviller Frieden das linke Rheinufer nebst anderen L├Ąndern an Frankreich abgetreten wurde. Als das franz├Âsische Heer, welches Holland nun gr├Â├čtenteils verlie├č, zur├╝ckkehrte, um nach dem Rhein zu marschieren, sah es ganz anders aus als bei dem Einmarsch hierselbst. Das selbe war nun pr├Ąchtig equigiert (ausger├╝stet) und armiert (bewaffnet) und die Soldaten hatten statt Papier bares Geld, wohingegen sie beim Einmarsch sehr schlecht uniformiert waren, z.B. trug der eine
(7) einen Hut, der andere eine M├╝tze, der dritte hatte Stiefel, andere Schuhe und Holzschuhe. Ebenso verschiedenartig waren ihre ├╝brigen Kleidungsst├╝cke, welche zudem im denkbar schlechtesten Zustande waren, so da├č fast das ganze Heer ebenso bunt als zerlumpt aussah. Selbst die Manneszucht schien verloren gegangen zu sein, denn man  sah oft Soldaten in Reih und Glied mit der rauchenden Tabakspfeife im Munde. Es gab Offiziere, die nicht einmal ihren Namen schreiben konnten. Man mu├čte sich dar├╝ber wundern, wie eine solche Armee ├╝ber die geregelten Heere der Alliierten hatte siegen k├Ânnen. Was aber dem ├äu├čern fehlte, ersetzte der Mut der Soldaten. Das Motto der Armee war: ÔÇ×Freiheit, Gleichheit, Br├╝derlichkeit!“  Es befand sich am Kopfe aller Verhandlungen, die von den franz├Âsischen Beh├Ârden ausgingen. Keiner durfte sich ÔÇ×Herr“ nennen lassen. Das Wort ÔÇ×B├╝rger“ war der Ehrenname aller, vom Bettler bis zur ersten Magistratsperson, vom geringsten Tambour bis zum General. Hierdurch war die Einbildungskraft aller sehr angeregt, jeder Soldat glaubte sich zum Offizier, zum General berufen, wenn er sich nur durch Mut und Tapferkeit auszeichnete. Und wirklich hat es viele Offiziere und viele der besten Generale gegeben, die sich vom gemeinen Soldaten zu dieser H├Âhe emporgeschwungen haben.

Durch die schnelle Eroberung Hollands wurde den hiesigen Einwohnern Luft gemacht indem sie von der starken Einquartierung und von den dr├╝ckendsten  Requisitionen und Lieferungen in etwa befreit wurden. Da├č die Opfer, welche das Land hatte bringen m├╝ssen, sehr gro├č gewesen, l├Ą├čt sich leicht begreifen, wenn man bedenkt, da├č die zahlreichen franz├Âsischen Heere, von allem entbl├Â├čt , von Oktober bis ins Fr├╝hjahr am linken Rheinufer einquartiert waren und da├č das Land alles, was der Soldat n├Âtig hatte, herbeischaffen mu├čte.

Die Eroberung Holland hatte noch eine andere wichtige Folge, n├Ąmlich da├č die Assignaten verschwanden und bares Geld in Umlauf kam, wodurch Handel und Verkehr wieder belebt wurden. Indessen waren manche Familien, besonders handeltreibende, welche die Waren nicht zeitig genug hatten verbergen k├Ânnen und sie also gegen Assignate hatten hergeben m├╝ssen, sehr benachteiligt, wenn nicht zu Grunde gerichtet worden, w├Ąhrend andere und vorz├╝glich diejenigen, welche bei den Steuer und Dom├Ąnenkassen Schuld hatten, Vorteil daraus
 (8) gezogen, indem sie ihre R├╝ckst├Ąnde mit Assignaten welche sie f├╝r wenig bares Geld so vie
l haben konnten, wie sie wollten, tilgten(Anmerkung: War es 1923 nicht genau so?)

Im Oktober 1795 ging das franz├Âsische Heer in der Gegend von Kaiserswerth, D├╝sseldorf und weiter aufw├Ąrts ├╝ber den Rhein, wodurch die hiesige Gegend fast ganz von Truppen befreit wurde, allein es hatten noch immer Lieferungen, wenn auch weniger stark, stattgehabt; auch hatte das Land noch mehrere Jahre lang infolge des Durchmarsches der Truppen, welche aus Holland kamen oder dorthin marschierten, zu leiden.

Durch Beschlu├č des Regierungskommiss├Ąrs Kudler de dato Mainz, den 14. Brumaire Jahr 6 der Republik (4. November 1798) wurden die eroberten L├Ąnder am linken Rheinufer in 4 Departemente (Bezirke) eingeteilt. Calcar und Umgegend kam zum Roer- Department, wovon die Stadt Aachen der Hauptort wurde. Durch Beschlu├č desselben  Kommiss├Ąrs  vom 1. Pluviose Jahr 6 (20. Januar 1798) wurde das Roerdepartment in 42  Kantone eingeteilt und Calcar wurde der Hauptort des Kantons Calcar wozu die Gemeinden Calcar, Altcalcar, Tiel, Moyland, Schneppenbaum, Hasselt, Qualburg, Riswyck, Keppeln,  Uedemerbruch, Uedem, Uedemerfeld, Steinbergen, Appeldorn, Hanselaer, Hoennepel, Niederm├Ârmter, Grieth, Wissel, Wisselward, Bylerward, Huisberden und Emmericher Eyland geh├Ârten. An der Spitze des Departments stand eine Zentralverwaltung, welche aus  5 Gliedern bestand und zu Aachen ihren Sitz hatte. Jede Gemeinde hatte einen Agent, welcher die Polizei und Gemeindeverwaltung f├╝hrte. S├Ąmtliche Agenten eines Kantons machten die Municipalit├Ąt desselben aus und versammelten sich alle 10 Tage im Hauptorte des Kantons, um ├╝ber gemeinsame Interessen beraten.  Bei jeder Municipalit├Ąt war ein Kommissar der Regierung angestellt. In Hinsicht der Justizpflege wurde das Departement in 4 Bezirke eingeteilt. Der Kanton Calcar geh├Ârte zu dem Bezirke von Cleve. In jedem Bezirke war ein Tribunal oder Gericht erster Instanz und im Hauptorte eines jeden Kantons ein Friedens- und Polizeigericht.- Die franz├Âsische Douane- oder Zolllinie wurde an den Rhein verlegt, der neue oder Republikanische Kalender, sowie Gesetze ├╝ber den Personenstand eingef├╝hrt, wonach alle Akten (Urkunden) ├╝ber Geburten, Heiraten und Sterbef├Ąlle

(9) und zwar vom 1. Fructidor Jahr 6 (18. August 1798) angerechnet, von der Zivilbeh├Ârde aufgenommen werden mu├čten und so nach und nach die franz├Âsische Gesetzgebung eingef├╝hrt.

Die neue Zeitrechnung fing  mit dem Jahre 1792 zum Andenken an die Errichtung der franz├Âsischen Republik an. Der Anfang des Jahres war mit dem Tage, wo das Herbst-Aequinoctium anf├Ąngt und wurde f├╝r das erste Jahr auf den 22. September 1792 gesetzt. Das Jahr hatte zwar auch 12 Monate allein die Namen  waren ganz neu und hie├čen:  Vendemiaire (Weinlesemonat, 22./24. Sept. bis  21./23 Okt.) Brumaire (Nebelmonat, 22./24. Okt. bis 20./22. Nov.) Frimaire (Reifmonat, 21./23. Nov. Bis 20./22. Dez.),  Nivose (Schneemonat, 21./23. Dez. bis 19./20. Jan.), Pluviose  (Regenmonat, 20./22. Jan. bis 18./20. Febr.), Ventose ( Windmonat, 19./21. Febr. Bis 20./21. M├Ąrz), Germinal (Spro├čmonat, 21./22. M├Ąrz bis 19./20. April), Floreal (Bl├╝tenmonat, 20./21. April bis 19./20. Mai), Prairial (Wiesenmonat, 20./21. Mai bis 18./19.  Juni), Messidor ( Erntemonat, 19./20. Juni bis 18./19. Juli), Thermidor (Hitzemonat, 19./20. Juli bis 17./18. Aug.), Fructidor (Fruchtmonat, 18./19. Aug. bis 21./23. Sept.)

Jeder Monat hatte nur 30 Tage; nach dem Monat Fructidor wurden 5 und in einem Schaltjahr 6 Erg├Ąnzungstage, wie man sie nannte, gez├Ąhlt. Jeder zehnte Tag im Monat welcher Decadi hie├č, war Ruhetag, an welchem alle ├Âffentliche Arbeiten strenge Verboten waren. Auf die durch das Christentum eingef├╝hrten Sonn-und Feiertage  sollte gar keine R├╝cksicht mehr genommen werden, weil man dasselbe zu verdr├Ąngen sollte und eine auf die blo├če Vernunft sich gr├╝ndende Religion eingef├╝hrt werden sollte. Der Gottesdienst au├čerhalb der Kirche wurde g├Ąnzlich verboten, alle Bilder und Kennzeichen der Religion, welche sich au├čerhalb derselben vorfanden mu├čten verschwinden. Dieses war denn auch die Veranlassung, da├č der hier auf dem Kirchhofe an der S├╝dseite stehende Kalvarienberg abgebrochen werden mu├čte. Beim abbrechen zerbrach das steinerne Kreuz und das Christusbild, so da├č es auch sp├Ąter dort nicht wieder aufgestellt werden k├Ânnen.

Indessen wurde durch die neue Gesetzgebung fast alles ganz anders gestattet. Die Ungleichheit der Grundsteuer, vormals Schatzung genannt, wonach einige Gr├╝nde von dieser Steuer ganz frei waren,
(10) andere hingegen mehr zahlen sollten, als sie an Pacht aufbringen konnten, h├Ârte auf. Die Gemeinde, worin solche gelegen, mu├čte diese Grundst├╝cke in Eigentum ├╝bernehmen und das, was sie weniger aufbrachten, als die Steuern waren, ersetzten. Auf diese Art ist der Sattelhof und der Goddenhof zu Hanselaer an die Gemeinde gekommen. Ein jeder erhielt die Befugnis, frei ├╝ber sein Eigentum zu verf├╝gen, was fr├╝her, wo z.B. ein Bauernhof nicht zerst├╝ckelt werden durfte, nicht der Fall war. Dieses Zwanggemahl wurde aufgehoben und jeder konnte zur M├╝hle gehen, wo es ihm beliebte und er am besten bedient wurde. Wie l├Ąstig dieser Zwang gewesen sein mu├č, l├Ą├čt sich daraus ersehen da├č z.B. Marienbaum und Vynen gezwungen waren, nach Calcar zur M├╝hle zu kommen. Das Zehntenrecht, wonach fast von allen L├Ąndereien die zehnte Garbe der Fr├╝chte an den Zehntherren abgegeben werden mu├čte, wurde abgeschafft. Es war dies, wie leicht zu begreifen, eine ebenso l├Ąstige, wie b├╝rdende Last f├╝r den Landmann. Der Adel und die Geistigkeit waren meistens im Besitz solcher Zehnten. Ein jeder hatte von nun an die Freiheit, einen solchen Handel oder ein solches Gewerbe zu betreiben, als er nach seinem Verm├Âgen f├╝r gut fand, was nach der vorigen Verfassung nicht gestattet war, da handeln und Gewerbe auf dem Lande sehr beschr├Ąnkt und diese meistens ein Vorrecht der St├Ądte waren. In den St├Ądten war aber fast alles in Z├╝nfte und K├Ârperschaften eingeteilt, wodurch auch hier der Handel und die Gewerbe sehr beschr├Ąnkt wurden. Wer z.B. ein Handwerk betreiben wollte, mu├čte erst das B├╝rgerrecht kaufen, dann eine Pr├╝fung bestehen, und wenn er f├╝r f├Ąhig gehalten worden, zuvor noch eine Gewisse Summe an die Zunft erlegen, ehe er in dieselbe aufgenommen wurde und er sein Handwerk betreiben konnte. Die Pr├╝fung w├Ąre wohl nicht zu tadeln, vielleicht eher zu empfehlen gewesen, allein da die Z├╝nfte selbst diese Pr├╝fung abhielten, hatte der, welchen man nicht gerne aufnehmen wollte, oft mit vielen Schwierigkeiten zu k├Ąmpfen. Es war dieses, wie leicht zu denken, nicht selten der Fall, weil dabei gew├Âhnlich Brotneid mit spielte. Alle Frohndienste und abgaben, die Jagd und sonstige besondere Rechte und Privilegien wurden s├Ąmtlich mit einem Schlage abgeschafft. Da├č durch solche totale Umw├Ąlzungen mancher verlor, viele aber auch dabei gewonnen, brauch kaum erw├Ąhnt werden. Es war daher wichtig, diesen Zeitpunkt
(11) etwas n├Ąher zu ber├╝hren und zu erl├Ąutern, weil die damaligen Ver├Ąnderungen auch f├╝r die Folge so sehr auf die Staats-und B├╝rgerlichen Verh├Ąltnisse eingewirkt haben, da├č dadurch in mancher Beziehung eine neue Ordnung der Dinge entstanden ist.

Sofort beim Einzug der Franzosen mu├čte in allen Gemeinden Freiheitsb├Ąume zum Zeichen der errungen Freiheit gepflanzt werden. Bei der ersten Organisation im Jahre 6 mu├čte diese Festlichkeit erneuert werden und so wurde hier am 26 Me├čidor desselben Jahres (14. Juli 1798) zum zweitenmal ein Freiheitsbaum gepflanzt. Das dar├╝ber vorgefundene Programm beweist, mit welcher Feierlichkeit dieses Fest gefeiert werden sollte. Indessen hat der zweite so wenig als der erste Baum Wurzel gefa├čt.

Der Winter 1798/99 war sehr kalt. Schon anfangs Dezember war der Rhein an mehreren Stellen zugefroren und blieb bis in den Februar hinein mit Eis bedeckt. Beim Auftauen entstand eine fast allgemeine ├ťberschwemmung sowohl in hiesiger  Gegend als auch in Holland. Im Entenbusch und am Erfken zu Till wurden die Deiche durchbrochen. Schrecklich aber waren die Verw├╝stungen unterhalb Cleves, besonders zum Mehr, wurden mehrere H├Ąuser durch den Strom und das Eis fortgerissen und viele Menschen sowie eine Menge Vieh in den Fluten umkamen.

Am neunten November 1799, nach seiner R├╝ckkehr aus Aegypten, st├╝rzte der General Bonaparte das Direktorium zu Paris und f├╝hrte die Konsolarregierung ein. Er selbst wurde erster Konsul auf zehn Jahre und hatte die ausf├╝hrende Gewalt. Im Jahre 1800 eroberte er ganz Italien wieder, welches w├Ąhrend seines Zuges nach Aegypten unter dem Direktorium verloren gegangen war; auch schlugen die Franzosen die Oesterreicher und Reichstruppen in mehreren Schlachten in Deutschland, worauf am 9. Februar 1801 der Friede zu Luneville geschlossen wurde, traf dessen das linke Rheinufer und Belgien an Frankreich f├Ârmlich abgetreten und in Folge Gesetzes vom 18. Bentose Jahr neu (9. M├Ąrz 1801) promulgiert (ver├Âffentlicht) am 28. desselben Monats, der Franz├Âsischen Republik einverleibt wurden. Durch Beschluss der Konsuln vom 17. Bentose Jahr 8 (8. M├Ąrz 1800) wurden die Zentral-und Kantonal-Verwaltungen aufgehoben. Jedes Departement erhielt einen Pr├Ąfekten nebst Pr├Ąfekturrat  und
 (12) jeder Bezirk einen Unterpr├Ąfekten. Cleve wurde der Sitz  eines Unterpr├Ąfekten. Die Gemeinden wurden zu Mairien  zusammengefa├čt und so entstanden hier im Kanton 6 Mairien, n├Ąmlich Calcar, Appeldorn, Grieth, Keppeln, Till und Uedem.  Die Mairien Calcar ward aus der Stadt Calcar und dem Dorfe Altcalcar gebildet. Jede Mairie erhielt einen Maire (B├╝rgermeister) und einen Adjunkt (Amtsgehilfen, Sekret├Ąr) und die Polizei-und Gemeindeangelegenheiten zu verwalten und einen Munizipal- oder Gemeinderat, um ├╝ber Gemeindeangelegenheiten zu beraten. Der erste Maire war Herr Gerhard Theodor Robbers.

Am 9. November 1800, an einem  Sonntagnachmittage, erhob sich ein schrecklicher Orkan, der bis sp├Ąt abends andauerte und gro├čen Schaden anrichtete. Geb├Ąude wurden entdacht, Schornsteine st├╝rzten ein usw. Besonders stark litten die Holzungen und unter diesen vor allem die Tannen, wovon ganze B├╝sche entwurzelt und umgeworfen wurden. Auch die hiesige Kirche litt bedeutend. Ein Teil des Daches vom hohen Thore wurde abgeworfen, das vierte Glasfenster an der S├╝dseite st├╝rzte ganz ein usw.

Zufolge Beschlusses der Konsuln vom 13. Brumaire  Jahr 9 (4. November 1800) sollten die neuen Ma├če und Gewichte vom 1. Vendemiaire Jahr 10 (23. Sept. 1801) f├╝r die ganze Republik bindend sein. Es waren diese neuen Ma├če und Gewichte nicht blo├č durch ihre Benennung, sondern haupts├Ąchlich dadurch von den alten unterschieden, da├č sie ganz auf die Dezimalrechnung gegr├╝ndet sind. Ma├čeinheit ist  der metre (Meter) welcher der zehnmillionste Teil des Erdmeridian-Quadranten vom Nordpol zum Aequator ist. In diesem neuen System hei├čt 10 deca, 100 hecta, 1000 kilo, 10000 myria; dagegen ein Zehntel deci, ein hundertstel  centi, ein Tausendstel milli, mithin ist ein Decameter 10, 1 Hectometre 100, 1 Kilometer 1000, 1 Myriametre 10000 Metre; hingegen ist ein Decimetre der 10te, ein Centimetre der 100ste, ein Millimetre der 1000ste Teil eines Metres. Ein Quadratmetre hei├čt  ar (Anmerkung: hiermacht der Chronist einen Schnitzer, denn bekanntlich ist nicht 1 sondern 1000 Quadratmeter ein ar.) 100 ar machen einen hectar; ein Cubicmetre hei├čt Stere. Ein Gef├Ą├č, welches inwendig einen Decimetre cubic ausmacht, hei├čt Litre oder Kanne; 100Litre machen einen hectolitres. Man hat ein solches Gef├Ą├č, welches die Fa├čbarkeit
 (13) eines cubischen Decimetres hat, mit reinem destillierten Wasser gef├╝llt und das Wasser gewogen;  das Gewicht desselben hat man Kilogramm genannt, welch letzteres 1000 gramme enth├Ąlt und das Pfund vertritt.

Alle diese Benennungen von Are, Stere, Litre, gramme lassen sich durch Zusatz von deca, hecta, kilo, myria vergr├Â├čern und durch Hinzuf├╝gung von deci, centi, milli verkleinern, wie vorstehend bei Metre gezeigt ist.

Auch auf das Geld, wovon der Franken die Einheit ist, hat man das n├Ąmliche System angewandt. Der Franken wird in Zehntel oder Decimen und in Hundertstel oder Centimen eingeteilt. Ein Centime in Kupfer wiegt 2 gramme, ein St├╝ck von 5 Centimen 10 gramme; 500 Centimen wiegen also gerade 1 Kilogramm. Ein Franken wiegt 5 gramm, ein St├╝ck von 5 Franken 25 gramm und 40 5 Frankenst├╝cke 1 Kilogramm. Ein Franken ist etwas mehr als 20 St├╝ber und macht nach dem jetzigen Kurs 7 Silbergroschen 10 Pfg.

Am 16. Me├čidor Jahr 9, (15. Juli 1801) wurde zwischen dem Papste und der franz├Âsischen Regierung ein Konkordat geschlossen, wodurch die katholische Religion in Frankreich wieder hergestellt wurde. Durch das darauf folgende Gesetz vom 18. Germinal Jahr 10 (8. April 1802) wurden die kirchlichen Angelegenheiten der christlichen Konfessionen organisiert. Frankreich wurde von neuem in Erzbist├╝mer, Bist├╝mer, Pfarren und Hilfspfarren eingeteilt. Aachen wurde der Sitz eines Bischofs. Calcar wurde eine Kantonalpfarre, alle ├╝brigen Pfarren im hiesigen Kanton wurden mit wenigen Ab├Ąnderungen beibehalten. Nur Bedburg, das fr├╝her zur Pfarre Qualburg geh├Ârte, wurde bei der ersten Circumscription (Umschreibung) vom 26. Thermidor Jahr 13 (14 August 1805) Profect. Act. de 13 Pag: 527 zu einer eigenen Pfarre erhoben, dagegen wurde Hanselaer, welcher bei der ersten Organisation beibehalten worden war, bei der zweiten Circumscription vom 28 August 1808 supprimiert (aufgehoben) und Altcalcar, das bei der ersten supprimiert war, wurde wieder zur Pfarre erhoben. Zur Pfarre Altcalcar kamen nun alle an der Westseite der alten Landstra├če  zwischen dieser und dem Walde liegenden Wohnungen, welche fr├╝her zur Pfarre Keppeln geh├Ârten. Die supprimierte Kirche von Hanselaer wurde zur Pfarre Calcar gelegt und macht also seit 1808 einen Teil derselben aus. Indessen
 (14) wurde, um ihn nicht zu kr├Ąnken, der alte, ehrw├╝rdige Pfarrer Theodor van Heek im Amte gelassen, bis er schlie├člich von selbst wegen Alters abdankte. Der erste Kantonalpfarrer war der damalige Pfarrer zu Calcar Herr Gerard van Rossum.

In gleichere Weise wurde auch die Konsistorial- und Lokalkirche der evangelischen Konfessionen circumscriliert  und zu Calcar blieb, wie zuvor, eine Pfarre. Seit dem 4. Juli 1802, wo Herr Prediger van de Werth nach Rees berufen worden war, war hier kein Prediger; die Pfarre wurde durch den Prediger von Uedem bis zum 6. November 1808 mitversehen und alsdann   vom Herrn Prediger van Spankeren wieder besetzt.

Am 9. Vendemiaire Jahr 10 (1.Oktober 1801) wurden die Friedens-Pr├Ąliminarien zu London zwischen Frankreich und England geschlossen und so war nun nach einem Kriege von beinahe 10 Jahren, woran fast alle M├Ąchte Europas beteiligt gewesen waren, der allgemeine Frieden hergestellt, allein er war nur von kurzer Dauer denn schon 1803 brachen die Feindseligkeiten zwischen beiden M├Ąchten wieder aus. Erst 1814 endigten sie mit dem Sturze Napoleons.

Im Monat Praireal Jahr 10 (Mai 1802) wurde in ganz Frankreich dar├╝ber abgestimmt, ob Napoleon Bonaparte lebensl├Ąnglicher Konsul sein solle. Hier in Calcar waren 291 Stimmen f├╝r und keine gegen ihn.

Durch Beschlu├č der Konsuln vom 20. Praireal Jahr 10 (9. Juni 1802) wurden alle Kapitel, Kl├Âster, geistliche Korporationen und Stiftungen aufgehoben. Selbst die G├╝ter der Pfarrkirchen und der dabei vorhandenen Stiftungen waren in der Suppression begriffen, wurden aber bald nachher wieder freigegeben. Demnach wurden auch die drei hier bestehenden Kl├Âster, n├Ąmlich das Dominikaner-Brigittiner- und Augustiner-Kloster aufgehoben. Um August 1802 erhielten die Religi├Âsen hierselbst den Befehl, ihre Kl├Âster innerhalb 10 Tagen zu verlassen, worauf sie sodann das C├Ącilien- und Brigittinerkloster teils am 30. August abends 10 Uhr, teils am 2. September morgens ger├Ąumt haben. Die Dominikaner zogen einige Tage sp├Ąter aus. Da├č die Suppression einige Sensation bei den Katholischen verursachte, wird leicht einleuchten, indessen war die allgemeine Stimmung nicht so sehr dagegen, als man h├Ątte glauben sollen. Jeder Supprimierte, ohne Unterschied, Geistliche oder Laien, M├Ąnner
 (15) oder Frauen, erhielten eine lebensl├Ąngliche Pension von 500 Franken j├Ąhrlich. Die Geistlichen wurden nach und nach bei den Pfarrkirchen als Kapl├Ąne und Pfarrer angestellt. Das Mobiliarverm├Âgen der supprimierten Kirchen wurde den Bisch├Âfen zur Verf├╝gung ├╝bergeben; diese verteilten es unter die Pfarrkirchen. So find  aus der Dominikanerkirche drei Alt├Ąre nach Keppeln und einer nach Goch gekommen, die Orgel aber nach Benray, die drei Alt├Ąre nebst der kleinen Orgel aus der Kirche der  Augustinessen kamen an die Kirche zu Altcalcar. Der hiesigen Pfarrkirchen ist wenig zugeteilt worden. Sie hat nur die Kanzel aus der Dominikanerkirche und das Gest├╝hl, welches jetzt auf dem St. Johannischor steht nebst einigen alten B├Ąnken, die an den Seitenmauern der Kirche stehen, aus den genannten Kl├Âstern erhalten, ferner ein Gem├Ąlde, die Kreuzigung Christi darstellend,  welches auf dem genannten Chor dem Beichtstuhl gegen├╝ber h├Ąngt sowie zwei Gem├Ąlde, die ├╝ber den Kircht├╝ren der beiden Hallen h├Ąngen. Die alte Kanzel aus der hiesigen Pfarrkirche ist in die Kirche zu Bedburg gekommen, wogegen sie wie gesagt, die Kanzel aus der Dominikanerkirche erhielt. Indessen ist dieser Tausch vielfach getadelt worden, weil die fr├╝here Kanzel im alten Stil gearbeitet war und  besser zu den in der Kirche befindlichen Alt├Ąren und Schnitzereien pa├čte.

Das Dominikaner- sowie das Brigittinerkloster  sind am 27. Dezember 1803 verkauft und in den Jahren 1805-1808  abgebrochen. Das Augustinerinnenkloster ist am 5. Oktober 1810 verkauft und in den Jahren 1811 und 1812 abgebrochen. Die Dominikaner und Brigittiner hatten eine sehr pr├Ąchtige Bibliothek. Diese sowie alles andere Verm├Âgen, mit Ausnahme des Mobilars der Kirche, ist vom Staate eingezogen. Schade, da├č von all dem Verm├Âgen, das  von unseren Voreltern zu frommen Zwecken gestiftet war, nicht das Mindeste f├╝r den Unterricht oder sonstige gemeinn├╝tzige Zwecke erhalten worden ist.

Im Monat M├Ąrz 1803 wurde die Gegend um Calcar durch ├ťberlaufen des Wassers ├╝ber die Deiche bei Wissel ├╝berschwemmt.

Infolge Beschlusses der Konsuln vom 18. Thermidor Jahr 11 (6. August 1803) wurde im Sp├Ątherbst desselben Jahres die Milit├Ąr-Konskription (Aushebung) eingef├╝hrt. Kurz darauf fand die erste Aushebung f├╝r das franz├Âsische Heer statt. Es war dieses
 (16) wohl das unangenehmste, was den Einwohnern dieses Landes widerfahren konnte, denn sie waren unter der preu├čischen Regierung ganz frei davon gewesen, also gar nicht daran gewohnt. Indessen tr├Âsteten sich die  Wohlhabenderen damit, da├č sie f├╝r 80 bis 100 Kronentaler einen Remplacant oder Ersatzmann haben konnten. In der Folge kostete aber ein solcher bei den anhaltenden Kriegen 3-6000 Franken und dar├╝ber. Manche Familie hat sich durch das Kaufen von Stellvertretern ruiniert. Im Dezember 1803 starb der Schullehrer Hansen. Er war zugleich Kirchenmeister und hat sich als solcher um die Kirche  besonders dadurch verdient gemacht, da├č er die Besch├Ądigungen, welche dieselbe bei dem Orkan am 9. November 1800 erlitten hatte, wieder ausbesserte. An seine Stelle kam C. H. Scholte, welcher im Juli 1804 installiert wurde.

Fr├╝her waren hier zwei katholische Schulen n├Ąmlich eine gr├Â├čere, die Knabenschule und eine kleiner oder zweite Schule, worin auch die M├Ądchen unterrichtet wurden. Die gr├Â├čere oder Knabenschule war in dem hinter der Kirche liegenden Hause Nr. 272 (jetzt 292); in ihr befand sich auch die Wohnung des ersten Lehrers. Die zweite oder kleinere Schule war in dem neben der jetzigen Schule liegenden Hause Nr. 291, jetzt 315; hier wohnte auch der zweite Lehrer.

Seit 1791, wo der Schullehrer Hansen hier angestellt wurde, wurden Knaben und M├Ądchen in die gr├Â├čere Schule aufgenommen. Dem Lehrer Hansen wurde das Haus, in dem bis dahin die kleinere und zweite Schule gewesen war, als Wohnung angewiesen. Diese Schule wurde daraus in ein hinter der Gasthauskirche gelegenes Haus verlegt. Sie hat dort bis 1818, wo eine Klassenschule mit zwei Lehrern errichtet wurde, bestanden. Die gr├Â├čere Schule war bis 1813 in dem vorbezeichneten Hause.

Dieselbe war indessen bauf├Ąllig und f├╝r die stets wachsende Anzahl Kinder zu klein geworden. Da aber zu ihrer Erweiterung sein Raum vorhanden war, so gab die Kirche das neben der jetzigen Kaplanei liegende Haus unentgeltlich her, um als Schule  eingerichtet zu werden. Die Kosten dieser Einrichtung hat die Stadt bestritten. Der Bau der neuen Schule war im September vollendet. Am 5. September 1813 wurde sie er├Âffnet und am 7. September zuerst darin unterrichtet. Das alte
 (17) Schulgeb├Ąude wurde zum Vorteil der Kirche in demselben Jahre verkauft.

Au├čer den beiden vorgenannten  Volksschulen bestand bei der hiesigen Kirche noch eine Rektoratschule, worin u.a.  auch die lateinische Sprache bis Syntaris gelehrt wurde. Dieselbe hat bis 1798 bestanden. Der Rektor war immer ein Geistlicher, dieser wohnte in dem vorbezeichneten neben der Kaplanei liegenden Hause, in dem bis 1791 auch die Rektoratschule  gehalten wurde. Seitdem war sie in einem hinter der vorgenannten gr├Â├čeren Schule befindlichen St├╝bchen. Der letzte Rektor war Wolff, sp├Ąter Pfarrer zu Altcalcar, jetzt Officiant  der Stiftung Willemsen.

Im Monat Praireae Jahr 12, (Mai 1804) wurden in ganz Frankreich und auch hier in Calcar Stimmregister er├Âffnet, ob die Kaiserw├╝rde an die Familie Napoleon Bonaparte ├╝bertragen und dieser demn├Ąchst als Kaiser der Franzosen ausgerufen werden sollte. Es waren hier 416 Stimmen f├╝r und keine gegen ihn.

Der Winter 1804/05 war sehr streng. Beim Auftauen des Eises am 7. Februar 1805 entstanden Durchbr├╝che in der oberhalb liegenden Deichlinie, wodurch die ganze Gegend ├╝berschwemmt wurde. Am 2. M├Ąrz desselben Jahres wurde die hiesige Gegend von neuem ├╝berschwemmt. Im Patersdeich  entstanden sechs Durchbr├╝che, wovon der bedeutendste nicht weit von der Grenze des Till-Moylandschen Deiches war. Auch entstand eine kleine Waye  in dem Ackerlande der katholischen Armen, der Windm├╝hle gegen├╝ber.

Durch das Gesetz vom 22. Fructidor 13  (9. Sept. 1805) wurde der republikanische Kalender abgeschafft und vom 1. Januar 1806 an wieder der Gregorianische Kalender eingef├╝hrt.

 

Schon im Jahre 1803 wurde infolge des Gesetzes vom 15. und 16. Floreal Jahr 10 (5. und 6. Mai 1802)

der Anfang mit dem Verkauf der Dom├Ąnen und geistlichen G├╝ter gemacht. Der Verkauf geschah zu Aachen in zwei Terminen. Die Kaufgelder mu├čten in 5 gleichen Raten gezahlt werden. Die erste Rate war nach 3 Monaten f├Ąllig; die vier anderen waren ├╝ber die n├Ąchsten 4 Jahre verteilt. Anf├Ąnglich brauchten keine, sp├Ąter aber mu├čten 5 Prozent Zinsen gezahlt werden. Durch die ratenweise Zahlung wurde der Ankauf sehr erleichtert. Der holl├Ąndische Morgen besten Weidelandes wurde anfangs f├╝r 5-600 Franken verkauft, denn die Kauflust
 (18) war nicht sehr rege. Einige glaubten, es k├Ânnte wieder eine Staatsver├Ąnderung eintreten und die Ank├Ąufer von Dom├Ąnen ihres Rechtes f├╝r verlustig erkl├Ąrt werden, andere machten sich ein Gewissen daraus, geistliche G├╝ter zu kaufen, wieder andere meinten, es k├Ąmen so viele G├╝ter zum Verkauf, da├č die Preise eher fallen als steigen w├╝rden. Allein es trat gerade das Gegenteil ein, denn zuletzt stieg der holl├Ąndische Morgen guten Weidlandes bis ├╝ber 2000 Franken. Mancher hat gro├čen Vorteil aus diesen Verk├Ąufen gezogen.

Im Februar 1807 wurden die Stadt Calcar und deren Umgegend durch Hochwasser, das bei Wesel ├╝ber die Deiche lief, ├╝berschwemmt.

Am 8. Oktober 1807 hat Seine Hochw├╝rden Herr Marens Antonius Bardolet, Bischof von Aachen, die heilige Firmung in der hiesigen Pfarrkirche erteilt.

 Im Jahre 1808 wurde das Schieferdach, das ganz und gar verschlissen war, so da├č eine Ausbesserung nicht mehr m├Âglich war, vom Rathause abgenommen und dasselbe statt mit Schiefer mit blauen Ziegeln gedeckt. Diese Arbeit hat 1925 Franken gekostet. Die Dachrinne, welche bis dahin rund um das Rathaus ging, wurde bei dieser Gelegenheit an der Ostseite abgenommen und das Mauerwerk bis unter dem Dach abgebrochen, weil die Rinne verschlissen war und keine Mittel vorhanden waren, sie zu erneuern.

Im Jahre 1808 wurde die Einimpfung der Kuh-oder Schutzpocken hier zuerst eingef├╝hrt. Der damalige Kantonspfarrer van Rossum erhielt von der Regierung eine Medaille, weil er sich so gro├če M├╝he gegeben hatte, die Vorurteile, die sich gegen die Impfung fast allgemein erhoben hatten, auszur├Ąumen. Seit der Einf├╝hrung der Impfung haben sich zwar von Zeit zu Zeit noch mal die nat├╝rlichen Blattern hier gezeigt, allein sie waren nicht so b├Âsartig als sonst; auch wurden nur einzelne Personen davon befallen.

Die schrecklichste aller Ueberschwemmungen in der hiesigen Gegend war im Jahre 1809. Am 28. Dezember 1808 war der Rhein zugefroren. Am 11. Januar 1809 trat Tauwetter und am 13. Desselben Monats eine ebenso schnelle als furchtbare Ueberschwemmung ein, nachdem die Deiche zu Vynen, Oberm├Ârmter, H├Ânnepel, Till, Kellen und Griethausen durchbrochen worden waren. Am 14. Januar setzte pl├Âtzlich wieder Frost ein, der so stark war, da├č der Rhein am 20. Januar wieder zufror und die
(19) weit ├╝berschwemmte Gegend mit einer dicken Eisdecke ├╝berzogen wurde. Am 25 Januar trat wieder Tauwetter ein und die Ueberschwemmung wurde noch schrecklicher als das erste Mal. Das Eis drohte alles zu zerst├Âren und zerst├Ârte auch wirklich alles, was sich seinem Laufe widersetzte. Viele H├Ąuser wurden durch den Strom und das Eis fortgerissen und sehr viele st├╝rzten ein. Eine ganz bedeutende Anzahl Vieh kam in den Fluten um. Das Wasser stieg  so hoch, da├č es ungef├Ąhr die vierte Stufe der  i n n e r e n Treppe des Rathauses erreichte. Der Strom war selbst in der hiesigen Stadt so stark, da├č man z.B. in der Altcalcarstra├če Nachen nur mittels Taue, die man an den H├Ąusern befestigt hatte, in die Stadt hineinziehen konnte. Steine wurden aus der Stra├če fortgerissen und L├Âcher darin getrieben. In Hanselaer waren de Gehm, de Gort, de Maye sowie die Gortsche Scheune eingest├╝rzt und zum Teil samt Inhalt fortgerissen; alles Vieh war ertrunken. Auf der Waye hatten sich die Hofbewohner aufs Dach gefl├╝chtet und hier eine ganze Nacht und den folgenden Tag um Hilfe gerufen, ohne da├č   man ihnen wegen des starken Stromes und Eises zu Hilfe kommen konnte. Endlich gelang es nicht ohne Gefahr, sie zu retten, wobei sich der M├╝ller Gerhard van der Grinten vorz├╝glich auszeichnete. Der Schaden in der Stadt Calcar, welche wegen ihrer Lage im Vergleich zu anderen Gemeinden verh├Ąltnism├Ą├čig wenig gelitten hatte, wurde auf 49466 Franken berechnet. Die ganze Deichlinie am Rhein war gewaltig besch├Ądigt, der Paterdeich ganz vernichtet.

Mehrere sehr bedeutende Durchbr├╝che entstanden in den Deichen zu Vynen, Oberm├Ârmter, am Bolk zu Till und am Erfken, zu Kellen bei Schmitthausen und an der Spoy unweit Griethausen.  Hier wollte Johanna Sebus, die Tochter eines armen Tagel├Âhners aus Brienen, 17 Jahre alt, nachdem sie ihre alte Mutter  unter Lebensgefahr gerettet hatte, zum zweitenmale durch die Fluten waten, um einer armen Witwe und ihren drei Kindern zu Hilfe zu eilen. Bei diesem heldenm├╝tigen Unternehmen

Ertrank sie aber mit ihren ungl├╝cklichen Gef├Ąhrtinnen in den Fluten. Auf Veranlassung des damaligen Unterpr├Ąfekten  von Keverberg wurde ihr dort ein Denkmal errichtet. Hier am Monretor ertrank eine Frau aus Hanselaer mit ihrer Tochter, welche eine Kuh ├╝bers Eis auf den Berg zu treiben wollten; ferner ertrank ein Mann aus Calcar, der einen Botengang ├╝ber das Eis nach Appeldorn machen
(20) wollte. Es ist wirklich ein Wunder zu nennen, da├č bei einem solchen au├čerordentlichen Naturereignisse nicht mehr Menschen umkamen. Am 27. Januar des Abend begann das Wasser zu fallen. Am 30. des selben Monats gegen Abend erhob sich ein starker Orkan, der zwar die ganze Nacht hindurch mehr oder weniger stark w├╝tete, aber gegen 10 Uhr am st├Ąrksten war und der alles, was das Wasser verschont hatte, zu verw├╝sten drohte. Besonders f├╝rchterlich war derselbe f├╝r diejenigen, welche vom Wasser noch nicht frei waren.  Bemerkenswert ist es, da├č nach der K├Âlner Zeitung ÔÇ×Der Beobachter“ vom 7. Januar der Astronom Lamarque vorhersagte, da├č  der Vollmond am 31. Januar ÔÇ×einen drohenden Umstand darbieten werde“.

Da die Deiche nicht so schnell wieder hergestellt werden konnten, wurde die Gegend am 14. September von neuem ├╝berschwemmt, wodurch  das Ma├č des Ungl├╝cks voll wurde. Die noch auf den Feldern wachsenden Fr├╝chte wie Kartoffeln usw. gingen fast ganz verloren, die gem├Ąhten wie Buchweizen, Hafer usw. wurden gr├Â├čtenteils durch den Strom fortgerissen. Selbst in den H├Ąusern ward vieles von den eingeernteten Fr├╝chten besch├Ądigt. Der Kaiser gab zur Unterst├╝tzung der von dieser schrecklichen Ueberschwemmung Betroffenen 500 000 Franken, wovon auf Calcar 14088 Franken 90 Centimen entfielen; au├čerdem waren durch Kollekten ungef├Ąhr 200 000 Franken eingekommen, welche gr├Â├čtenteils zum Ankauf von Baumaterialien f├╝r die bed├╝rftigen Einwohner sowie zur Behebung sonstiger Wassersch├Ąden verwandt wurden. Zum Gl├╝ck f├╝r die Deichschauen hatte damals der Staat die Unterhaltung der Deiche ├╝bernommen und so wurden diese 1810 und 1811 wieder gut instand gesetzt. Die desfallsigen Kosten wurden aus dem Ertrage der zus├Ątzlichen Centimen, die der Grundsteuer beigeschlagen, und ├╝ber das ganze Departement verteilt wurden, bestritten. W├Ąre dieses nicht der Fall gewesen, so w├╝rden die Deichschauen schwerlich imstande gewesen sein, soviele Durchbr├╝che und Deichbesch├Ądigungen auszubessern. Durch die Erfahrung und besonders durch die Ueberschwemmung von September 1809 darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig es sei, die unterhalb Calcars liegenden Schauen durch einen Querdamm von den oberhalb liegenden Deichschauen zu trennen, kam man im selben Jahre auf den Gedanken, einen Querdamm hier bei Calcar vom Patersdeich bis auf die Anh├Âhe am Fu├če des Berges
(21) anzulegen, um gegen Ueberschwemmungen, welche durch Durchbr├╝che in den oberhalb Calcars liegenden Deichen verursacht w├╝rden, gesch├╝tzt zu sein. Calcar und s├Ąmtliche oberhalb liegenden Gemeinden protestierten gegen diese Anlage, weil dadurch der Abflu├č  des Wassers gehindert werde, sie mithin bei Ueberschwemmungen desto gr├Â├čeren Gefahren ausgesetzt seien. Andererseits wurde geltend gemacht, da├č zur Zeit noch nichts zur Ausbesserung der Durchbr├╝che in den Deichen oberhalb Calcars geschehen sei und es deshalb leicht geschehen k├Ânnte, da├č wieder mitten im Sommer Ueberschwemmungen dort eintreten k├Ânnten, wogegen die unterhalb Calcars liegenden Gemeinden durch die Anlage des Querdammes gesch├╝tzt seien. Die zuerst bezeichneten Gemeinden trugen deshalb darauf an, da├č wenigstens vorher die Deiche oberhalb Calcar wiederhergestellt w├╝rden, alsdann m├Âge die Anlage des Querdammes gestattet werden. Die Arbeiten hierf├╝r wurden am 24 Oktober 1809 verdungen. Die unterhalb Calcars liegenden Deichschauen ├╝bernahmen die Kosten dieser Anlage. Sp├Ąter hat jedoch auch der Staat aus einem Fonds, aus dem auch die ├╝brigen Deiche wiederhergestellt worden sind, einen Zuschu├č geleistet. Im Laufe der Zeit ist die Beibehaltung dieses Querdammes dekretiert worden.

Am 6. Mai 1810 heiratete Napoleon die Erzherzogin Maria Louise von Oesterreich, nachdem er sich zuvor von seiner ersten Gemahlin Josefine hatte scheiden lassen. Es wurde aus diesem Anla├č am gleichen Tage in Calcar als Hauptort des Kantons ein verabschiedeter Milit├Ąr namens Johann Theodor Linsen mit Katharina Verhaalen aus der Maire Till verheiratet. Derselbe erhielt vom Kaiser eine Heiratsgabe von 600 Franken. Es wurden deren 6000 in ganz Frankreich verheiratet.

Am 14. Januar starb Johann Theodor Berkemener, Lehrer an der hiesigen evangelischen Schule. Wegen k├Ârperlicher Schw├Ąche und Altersbeschwerden hatte er aber schon seit 1804 sein Amt nicht mehr versehen k├Ânnen.

Durch Kaiserliches Dekret vom 19. Juli 1810 wurde die Stadt Calcar erm├Ąchtigt, zwei zu Altcalcar nahe bei der Kirche gelegene Ackergrundst├╝cke von der evangelischen Gemeinde Calcar f├╝r 589 Franken 75 Cent anzukaufen. Der Kauf kam auch wirklich zustande und der Kaufpreis in der vorgenannten H├Âhe wurde aus st├Ądtischen Mitteln bezahlt. Das eine Grundst├╝ck, welches in
(22) der neuen Karte Flur 4 Art. 156 und 157 verzeichnet und 169 Ruten 50 Fu├č gro├č ist, sollte teils als Garten, teils als Bauplatz f├╝r das Haus des Pfarrers von Altcalcar dienen. Das andere Grundst├╝ck war f├╝r einen neuen Kirchhof bestimmt. Da es aber zu weit von der Stadt und dazu au├čerhalb der Pfarre Calcar lag, ist das Projekt nicht zur Ausf├╝hrung gekommen. Die Stadt hat daher das ganze Grundst├╝ck zu zwei G├Ąrten eingerichtet und verpachtet. Im Jahre 1824 wurde ein Garten katholischen Schule zur Anlage einer Baumschule ├╝berwiesen, der andere aber nach wie vor verpachtet.

Am 20. M├Ąrz 1811 wurde dem Kaiser Napoleon ein Sohn geboren, der die Namen Napoleon Franz Josef und den Titel ÔÇ×K├Ânig von Rom“ erhielt.

Der Sommer des Jahres 1811 war ├Ąu├čerst angenehm und so fruchtbar, als man sich nur w├╝nschen konnte. Alle Staaten standen ├╝ppig und versprachen au├čerordentlich guten Ertrag; an Gem├╝se war Ueberflu├č. Indessen war die K├Ârnerfrucht ganz mi├čraten. Der Wein dieses Jahres aber war so vorz├╝glich, da├č er noch lange Jahre nachher ger├╝hmt wurde. Am 31. Oktober 1811 passierten der Kaiser Napoleon und die Kaiserin Maria Louise unser Gebiet. Die Majest├Ąten kamen aus Holland und nahmen ihren Weg ├╝ber die alte Landstra├če. Da sie aus dieser Reise von fast s├Ąmtlichen Ministern begleitet wurden, war das kaiserliche Gefolge sehr gro├č. Dieses geht daraus hervor, da├č auf dem Calcarerberg, wo am alten Posthause ein Relais angeordnete war, 500 Vorspannpferde aus den benachbarten Gemeinden in Bereitschaft standen und dennoch fehlte es an Pferden, als abends die letzten Wagen eingetroffen waren. Der Zug dauerte aber auch von 3 Uhr nachmittags, als der Kaiser ankam, bis Abend sp├Ąt. Er sa├č mit dem Marschall Berthier in einem besonderen Wagen und unterhielt sich, w├Ąhrend dem due Pferde gewechselt wurden, mit dem Maire der Stadt, von dem er bewillkommnet  worden war, ├╝ber die Zahl und den Gewerbeflei├č der Einwohner usw. Als der kaiserliche Wagen die unweit des alten Posthauses befindlichen Anh├Âhe hinauffahren wollte, zerrissen mehrere Male die Pferdestr├Ąnge, wodurch ein Aufenthalt von mehr als einer Viertelstunde entstand. Die Kaiserin, die mit der Gemahlin des Marschalls  Lanaes in einem Wagen sa├č, wurde bei ihrer Ankunft ebenfalls von dem
(23) Maire bewillkommnet und die T├Âchter des Friedensrichters Raab ├╝berreichten ihr einen Blumenstrau├č. Es wurde ihnen ein Geschenk zum Andenken versprochen, das jedoch nie hier angekommen ist. Der Kaiser fuhr noch am selben Tage bis Wesel, die Kaiserin bis Rheinberg.

Am 2. Dezember 1811 starb Herr Christian Cornudus. Er war der erste fundierte Kaplan an der hiesigen Kirche und ein sehr eifriger Herr in Erf├╝llung seiner Amtspflichten.

Der Winter 1811/12 war sehr gelinde und die Vegetation w├Ąhrte ununterbrochen fort.

In diesem Winter war in unserer Gegend ein Regiment Carbiniers einquartiert; auch in Calcar lag eine Abteilung. Von diesen Regimentern z├Ąhlte die franz├Âsische Armee nur zwei. Die Franzosen nannten diese sch├Ânen Regimenter  ÔÇ×Ies Regiments favorits d l`Empereur“ Im M├Ąrz 1812 marschierte das hier einquartierte Regiment nach Polen, um gegen Ru├čland zu Felde zu ziehen. Die meisten Soldaten, von denen viele Polen aus den Jahren 1805/06 kannten und es das ÔÇ×L├Ąuseland“ nannten, hatten einen Abscheu  gegen den Marsch nach Polen. Es war, als h├Ątten sie schon ein Vorgef├╝hl von dem Ungl├╝ck gehabt, das ihnen bevorstand.

Die Treppe vor dem Eingang des Rathauses war vorher so gebaut, da├č der Ausgang an beiden Seiten derselbe war. Im Jahre 1812 wurde diese alte Treppe abgebrochen und eine neue gebaut, die nur einen Aufgang hat. (Es ist dies die jetzige Treppe).

Im Juni 1812 brachen die Feindseligkeiten zwischen Frankreich und Ru├čland aus. Die gro├če Armee der Franzosen, eine, wie man sagte, der zahlreichsten und sch├Ânsten, welche Europa bis dahin gesehen hatte, brach aus dem Gro├čherzogtum Warschau, wo sich die Truppe gesammelt hatten, hervor. Oesterreich, Preu├čen und die deutschen Staaten waren Alliierte Frankreichs und hatten Hilfstruppen zu stellen. Nach vielen Gefechten und Schlachten drangen die Franzosen bis Moskau vor und wollten hier die Winterquartierte beziehen. Allein die Russen, die bei ihrem R├╝ckzuge  alles fortgeschafft oder zerst├Ârt hatten, um den Franzosen nichts zu lassen, z├╝ndeten Moskau an. Die gro├če Stadt wurde ganz einge├Ąschert und die Franzosen sahen sich zum R├╝ckzug gezwungen. Der Winter stellte sich sehr fr├╝h ein und die K├Ąlte war au├čerordentlich gro├č. Auf dem R├╝ckzug litt die Armee entsetzlich durch K├Ąlte,
 (24) Schnee und Mangel an Lebensmitteln. Beim Uebergang ├╝ber die Beresina im Monat November erlitt die Armee eine g├Ąnzliche Niederlage  und von der gro├čen, sch├Ânen Armee waren nur wenige, die Polen wieder erreichten. Preu├čen, Oesterreich und die deutschen Staaten r├╝ckten nach und nach von Frankreich ab und die Franzosen hatten sich allm├Ąhlich bis hinter die Elbe zur├╝ckgezogen. Die fr├╝heren Alliierten Frankreichs wurden nun Alliierte Ru├člands. Im Sommer 1813 fanden noch mehrere Schlachten und Gefechte zwischen den Franzosen und den Alliierten mit abwechselndem Gl├╝cke statt, bis die ersten in der Schlacht bei Leipzig am 18. Oktober v├Âllig geschlagen und zum R├╝ckzuge ├╝ber den Rhein gezwungen wurden. So kamen im November  1813 die Tr├╝mmer der franz├Âsischen Armee nach hier zur├╝ck.

Von Mitte November bis zum Abzug der Franzosen war Calcar anhaltend mit Truppen belegt. Der kommandierende General der franz├Âsischen Truppen der hiesigen Gegend war der Marschall Macdonald, Herzog von Tarente. Er hatte sein Hauptquartier zu Cleve. Am zweiten Weihnachtstag des Jahres 1813 fielen die Kosaken bei Grieth und Rees ├╝ber den Rhein, zogen sich aber am gleichen Tage wieder zur├╝ck. Ein Kommandant und ein Wachtmeister der hier liegenden Lanzenreiter, die zum Rekognoszieren ausgeritten waren, sich aber zu weit gewagt hatten, wurden bei dieser Gelegenheit im M├╝hlenfelde bei Niederm├Ârmter nach einem Gefechte, worin beide verwundet worden waren, von den Kosaken gefangen genommen.

Am 5. Januar 1814 morgens gegen 7 Uhr zogen die letzten Franzosen hier ab. Es war eine Abteilung Lanzenreiter. Sie wollten durch das Altcalcartor auf dem gew├Âhnlichen Wege nach Uedem reiten. Als sie aber am Tore anlangten, war dasselbe noch verschlossen und die Schl├╝ssel, die jeden Abend zur Wache gebracht werden mu├čten verlegt. Sie ritten schleunigst auf dem k├╝rzesten Wege an der Kirche vorbei ├╝ber die Herrenstra├če  zum Monretor  und verlie├čen durch dieses die Stadt. Das Hauptquartier der Franzosen wurde um die n├Ąmliche Zeit von Cleve nach Geldern verlegt. Die Franzosen lagerten noch einige Tage an der Niers, zogen dann aber nach Venlo und weiter nach Frankreich zur├╝ck, ohne da├č in der hiesigen Gegend das kleinste Gefecht gewesen ist.

(25) Am 6. Januar 1814 kamen die ersten Kosaken hier an. Es war ein Trupp von etwa 100 Mann. Sie kamen von Rees und ritten nach Cleve, kehrten aber gegen Abend wieder nach Rees zur├╝ck. Bis dahin war immer noch eine Herbstwitterung. Sonderbarerweise stellte sich an diesem Tage aber die K├Ąlte ein, soda├č man zu sagen pflegte, die Kosaken h├Ątten den Winter mitgebracht. Am 7. Januar traf wieder eine Abteilung Kosaken in St├Ąrke von etwa 400 Mann, von Rees kommend, hier ein. Sie blieben den ganzen Tag ├╝ber hier und schickten Patrouillen nach Uedem, wo sich von Zeit zu Zeit noch Franzosen sehen lie├čen. Sie hatten sich auf dem Markte gelagert und ihre Pferde angebunden. Auf dem Rathause wurde eingeheizt und ihnen zu essen und zu trinken gegeben. Jeder Einwohner beeilte sich, etwas dorthinzubringen, weil niemand die Kosaken, vor denen jeder Angst hatte, gern im Hause haben wollte. Indessen  hatten sie sich doch in mehreren H├Ąusern am Markt einquartiert; die ├╝brigen H├Ąuser in der Stadt blieben aber fast alle verschont. Die Kosaken zogen Abends gegen 6 Uhr nach Xanten ab. Sie waren sehr unm├Ą├čig im essen und trinken, haben hier aber nicht die geringsten  Erpresse gemacht. Einige Tage sp├Ąter kamen des Abends einige hundert Kosaken, von Rees kommend, hier durch die Stadt; sie zogen nach Cleve, wo sie lange einquartiert gewesen sind.

 

Gegen Mitte Januar erhielt der Maire von Calcar die amtliche Mitteilung aus Rees, da├č in wenigen Tagen 6000 Kosaken bei Rees ├╝ber den Rhein gehen und ├╝ber Calcar weiter nach Frankreich marschieren w├╝rden.

Bis daher waren alle Gew├Ąsser noch offen. Mit dem 6. Januar hatte aber die K├Ąlte eingesetzt und diese stieg in solchem Grade, da├č der Rhein in sehr kurzer Zeit voller Eis war. Am 16. oder 17. Januar stellte sich das Eis im Rheine an mehreren Stellen und das Wasser stieg dabei dergestalt, da├č es ├╝ber alle Sommerdeiche am Kalflak lief und die Kronen der Banndeiche erreichte. Zu Niederm├Ârmter bei Loeraas entstand ein bedeutender Durchbruch. Die Gegend zwischen Calcar und Rees wurde ganz ├╝berschwemmt. Der Querdamm bei Calcar, wo das Wasser oben auf dem Deiche stand, hielt zwar noch, aber weil der Durchla├č fehlerhaft war, wurde er zum Teil fortgerissen und ein Durchbruch w├╝rde sicher entstanden sein, wenn er durch die ge├Âffneten Verteidigungsarbeiten
 (26) nicht verhindert worden w├Ąre. Als die ganze Gegend um Calcar tief und bis an die Krone der Deiche unter Wasser stand, fror alles zu, so da├č die ganze Gegend eine einzige Eisdecke war. Alle erinnerten sich noch an schrecken der Verw├╝stungen von 1809, denn man bef├╝rchtete nicht ohne Grund, da├č beim Losbrechen des Rheines Eis und Strom wieder alles verw├╝sten w├╝rde. Doch tr├Âstete man sich damit, da├č man von den  Kosaken, vor denen alle einen gro├čen Schrecken hatten, befreit w├╝rde. Indessen hatte die Vorsehung es anders und besser beschlossen. Das Wasser fiel unter dem Eis weg, der Rhein blieb bis gegen den 20. M├Ąrz stehen und das durch die Kraft der Sonne morsch gewordene Eis sank und verschwand, ohne da├č der Rein aus den Ufern trat. Das Eis lag hier so hoch, das man sich Ende M├Ąrz mit Aexten den Weg in der Viehstege unweit des ÔÇ×Ritters“ bahnen mu├čte, um  mit einem Fuhrwerk durchzukommen und an manchen Stellen, wo es der Sonne nicht zu sehr ausgesetzt war, blieb es weit bis in den Monat April hinein liegen.

Im Januar 1814 kam von Nymegen der K├Ânigl. Preu├č. Major von Reiche Kommandeur eines freiwilligen J├Ągerbataillons in Cleve an, der mittels Proklamation vom 19. desselben Monats im Namen der Alliierten Besitz vom Lande nahm. Er schrieb sofort eine schwere Requisition zur Bekleidung seines Bataillons aus, auch erreichte er ein kleines Korps Infanterie und Kavallerie, wozu jede B├╝rgermeisterei  16 Mann f├╝r die erst- und 6 Mann f├╝r die letztgenannte Waffengattung samt Pferden, Montierungs-und Armierungsst├╝cken liefern mu├čten. Durch diese Requisition wurden manche Familien wegen der zu stellenden Mannschaften in gro├če Verlegenheit gebracht und den Gemeinden gro├če Kosten verursacht. Es kam in manchen Gemeinden zu unangenehmen Austritten, weil vorzugsweise alle jene Leute eingestellt werden sollten, welche aus den franz├Âsischen Diensten zur├╝ckgekehrt waren. Sie hielten diese Verordnung aber f├╝r unrecht und an manchen Orten widersetzten sie sich. Diese Korps hatte die Belagerung von Venlo mitgemacht; es war nur mit Picken und Lanzen bewaffnet. Sp├Ąter wurde es aufgel├Âst.

Unterdessen waren die Siegreichen Heere bis Paris vorgedrungen und am 1. M├Ąrz 1814 ergab sich diese Stadt. Napoleon wurde entthront und nach der
(27)  Insel Elba verbannt. Infolge des Pariser Friedens vom 30. Mai 1814 mu├čte Frankreich auf alle fr├╝heren Eroberungen verzichten. Zu Aachen wurde ein Generalgouverneur in der Person des Herrn Sack, eines geborenen Clevers, eingesetzt, der die L├Ąnder am linken Rheinufer unter dem Namen eines Gouvernements vom Niederrhein f├╝r Rechnung der Alliierten  verwaltete. Anstelle der Pr├Ąfekten wurden Gouvernementskommissare und anstelle des Unterpr├Ąfekten Kreisdirektoren eingesetzt. Jedes Kanton erhielt einen Kantonskommissar, die Gemeindeeinteilung blieb aber wie sie war, nur erhielten die Maire die Bezeichnung “B├╝rgermeister“ und die Mairien die Bezeichnung ÔÇ×B├╝rgermeistereien“. Nach dem Pariser Frieden blieben die L├Ąnder diesseits des Rheins stark mit Truppen belegt, wahrscheinlich deshalb, weil man den Franzosen nicht traute. Hier im Kanton war das Elberegiment, von dem der Stab in Calcar lag, von Juli bis Dezember einquartiert, alsdann wurde es nach Emmerich und Umgebung verlegt. Die Einwohner haben durch diese Einquartierung sehr gelitten und die Quartiergeber konnten auch die zehn St├╝ber nicht tr├Âsten, die sie f├╝r jeden Soldaten erhielten, weil der Unterhalt der Truppen viel kostspieliger war und sie vielen Unannehmlichkeiten durch die Soldaten ausgesetzt waren. Im M├Ąrz 1815 landete Napoleon von Elba zur├╝ckkehrend, wieder in Frankreich und vertrieb den K├Ânig Ludwig XVIII. Die Alliierten r├╝ckten wieder gegen die Grenzen Frankreichs vor und am 18. Juni kam es bei Waterloo zur Schlacht worin Napoleon g├Ąnzlich und endg├╝ltig ├╝berwunden wurde. Die Alliierten besetzten Paris zum zweiten Male, Napoleon wollte nach England fl├╝chten wurde aber angehalten und als Gefangener nach der Insel Helena abgef├╝hrt. Nach der Landung Napoleons wurde hier die Landwehr zum ersten Male aufgerufen; sie war im Nu organisiert und setzte sich in Frankreich in Marsch. In Folge der im Fr├╝hjahr gepflogenen Verhandlungen des Wiener Kongresses sind die hiesigen L├Ąnder der Krone Preu├čens anheimgefallen. Nach dem Allerh├Âchsten Patent d. d. Wien, den 5. April 1815 hat S. M. Friedrich Wilhelm III., K├Ânig von Preu├čen, Besitz der hiesigen Provinzen genommen und am 15. Mai desselben Jahres fand die feierliche Huldigung statt.

Im April 1815 wurde der Kantonalpfarrer Gerhard van Rossum von Calcar nach Cleve versetzt.
(28)  An seine Stelle kam Herr Philipp Jakob Josef Deboeur; er wurde am 5. April eingef├╝hrt, hatte aber schon einige Wochen vorher Dienst getan.

Im M├Ąrz 1816 wurde das General-Gouvernement, welches seit dem 1. M├Ąrz 1814 bestanden hatte, aufgehoben und die Provinz J├╝lich, Cleve und Berg errichtet. Sie wurde in drei Regierungsbezirke n├Ąmlich K├Âln, D├╝sseldorf und Cleve geteilt. Die Bezirke zerfielen wieder in Kreise und Calcar kam zu Kreise Cleve. Die B├╝rgermeistereien aber blieben, wie sie gewesen waren.

Das Jahr 1816 war eines der ungl├╝cklichsten f├╝r die hiesige Gegend. Die Monate April und Mai waren sehr unfreundlich und kalt. Vom Anfang des Monats Juni bis in den Dezember hinein war das Wetter kalt und na├č und ein fast anhaltender Regen schien alles verderben zu wollen; selbst bei hellem Wetter, wo man es nicht erwarten sollte, viel Staubregen. Der Regen ergoss sich oft tagelang in solch starken G├╝ssen, da├č man h├Ątte glauben sollen, es st├Ąnde ein neue S├╝ndflut bevor. Am st├Ąrksten war er in der Nacht vom 5. zum 6. August wo er einen wahren Wolkenbruch glich. Die ganze Zeit hindurch sah man die Sonne nie oder doch nur selten; dabei war es so kalt, das die Oefen geheizt werden mu├čten. Durch den anhaltenden Regen waren alle Gew├Ąsser so angeschwollen, das nicht nur die niedrig liegenden Gr├╝nde ├╝berschwemmt wurden, sondern selbst die Sommerpolder in Gefahr waren ├╝berschwemmt zu werden. Das Wasser stieg am 7. Juli am h├Âchsten, es zeigte hier am alten Pegel  17 Fu├č 2 Zoll. Es blieb zwar nicht immer gleich hoch, doch hatte es fortw├Ąhrend eine bedeutende H├Âhe und stieg bis die Zeit des Neumondes immer am h├Âchsten. Die Weiden um Calcar standen den ganzen Sommer hindurch tief unter Wasser. Der Reeserweg am Hanselaertor war damals noch sehr niedrig und es mu├čte st├Ąndig mit einem Nachen ├╝bergesetzt werden. Als im Monat Juni die Weiden zum ersten Male ├╝berstr├Âmt wurden, entstand in wenigen Tagen-man meinte durch F├Ąulnis des Grases- ein sehr ├╝bler Geruch, das Wasser war wie verfault, die Fische krepierten darin und lagen in Menge auf der Oberfl├Ąche. Im Juli, wo das Wasser, wie oben gesagt, seinen h├Âchsten Stand hatte, war der Bovenholt in Gefahr, einzulaufen. Das Ueberlaufen des Wassers wurde zwar noch mit vieler M├╝he verhindert,
(29) allein durch das Quell-und Regenwasser wurde der Polder doch fast ganz ├╝berschwemmt wie dies bei allen Sommerpoldern der Fall war, weil die Schlusen meist verschlossen waren und das Quell-und Regenwasser keinen Abfluss hatte. Not und Elend stiegen f├╝r Menschen und Vieh aufs h├Âchste, denn es war ein allgemeiner Mi├čwachs. Das Korn in den Aehren, der Klee, das Stroh auf den Feldern, das Gras in den Weiden, kurz alle Fr├╝chte waren wie verfault und nichts kam zur v├Âlligen Reife. Weizen, Roggen, Gerste usw. waren fast wie Krins und ohne Substanz. An manchen Orten a├čen weniger bemittelte Leute das, was sonst gew├Âhnlich als Viehfutter diente und das Vieh wurde in Mengen aus den Niederungen auf die Anh├Âhe getrieben, um dort in den W├Ąldern Nahrung zu suchen.  Alles stieg im Preise,  ein Pfund Butter z.B. kostete ungef├Ąhr 30 St├╝ber, das Schweinefleisch wurde in der Schlachtzeit mit 10 bis 12 St├╝ber pro Pfund und dar├╝ber bezahlt, die Kornfr├╝chte hielten sich noch einigerma├čen in Preise, weil noch Vorrat aus den vorhergehenden Jahren vorhanden waren und stiegen erst im Jahre 1917 bedeutend. Doch waren auch schon 1816 die Preise nicht gering. Es kostete in clevischem Gelde

 ein Berliner Malter Weizen  25 Reichstaler
 ein Berliner Malter Roggen  20 Reichstaler

 ein Berliner Malter Gerste  12 Reichstaler

 ein Berliner Malter Buchweizen  19 Reichstaler

 ein Berliner Malter Hafer  7 ┬Ż Reichstaler

Im Sommer 1816 wurde mit dem Bau der neuen Kaplanei bei der hiesigen katholischen Kirche begonnen und 1817 vollendet. Die Baukosten sind ganz aus Kirchenmitteln bestritten worden. Es standen an deren Stelle fr├╝her zwei H├Ąuser, die zu den Kirchenstiftungen geh├Ârten. Das eine war von dem Organisten Bo├čmann gemietet, das andere seit einigen Jahren eingest├╝rzt.

Im Jahr 1816 wurde in Altcalcar ein neues Pfarrhaus gebaut. Es war dort bisher noch keine Wohnung f├╝r den Pfarrer vorhanden. Die Baukosten wurden teils durch freiwillige Spenden der Pfarreingesessenen, teils durch Kollekten aufgebracht. Trotz aller Spenden usw. blieben aber noch 240 Taler Schulden; sie wurden sp├Ąter durch die Gemeindekassen in sechs Raten, also mit 40 Taler j├Ąhrlich getilgt. Das Grundst├╝ck, auf dem das Pfarrhaus gebaut worden ist sowie der zugeh├Ârige Garten, wurden, wie schon vorher erw├Ąhnt, durch die
(30) Stadt von der evangelischen Gemeinde abgekauft und die Kaufsumme aus der Gemeindekasse bezahlt. 

Im Jahre 1817 stiegen die Preise f├╝r Kornfr├╝chte aufs h├Âchste, denn die Ernte im Jahre 1816 war ganz mi├čraten  und es war kein Vorrat vorhanden. Als die Preise am h├Âchsten waren, kostete im clevischem  Gelde ein Berliner Malter Weizen 37 Reichstaler, Roggen 28, Gerste 20 ┬Ż , Buchweizen 27 und Hafer 12 Reichstaler.

Der hiesige Notverein kaufe u.a. aus den erhaltenen Unterst├╝tzungsgeldern f├╝r die Notleidenden der Stadt bei dem Landwirten Lambert Willemsen hierselbst. 100 Sack Kartoffeln und zahlte daf├╝r etwas 600 Reichstaler clevisch, also ungef├Ąhr 6 Reichstaler pro Sack. Es war dies aber noch ein Vorzugspreis, denn die Kartoffeln standen zu der Zeit wesentlich h├Âher im Preise. Es l├Ą├čt sich denken, wie gro├č die Not war und ohne Zufuhr von fremden, besonders  ostm├Ąrkischen Roggen, welcher  in gro├čen Mengen, teils durch Kaufleute, teils durch die F├╝rsorge der Regierung ├╝ber Holland eingef├╝hrt wurde, w├Ąre kein Getreide mehr f├╝r Geld zu haben und das Elend unbeschreiblich gewesen. Es zeigte sich bei dieser Teuerung, welchen Wert die Kartoffel als Volksnahrungsmittel besitzt. Sie half viel aus in der Ern├Ąhrung der Bev├Âlkerung und ohne sie w├Ąre es trotz der Getreidezufuhr zu einer ausgesprochenen Hungersnot gekommen. Das Brot war so selten, da├č die B├Ąckereien schon von einer Menge Menschen belagert war, ehe es gar war und man dr├Ąngte sich, um etwas zu erhalten. Die K├Ânigliche Regierung zu Cleve tat in diesen Zeiten der allgemeinen Not sehr viel f├╝r die Notleidenden und unterst├╝tzte sie nach Kr├Ąften aus den anderen Gegenden, besonders aus den ├Âstlichen Provinzen der Monarchie, die von den Ungl├╝cken des Jahre 1816 verschont geblieben waren, eingegangenen Unterst├╝tzungsgelder. Die Unterst├╝tzungen, welche unsere B├╝rgermeisterei erhielt, waren bedeutend. Mit gr├Â├čtem Dank mu├č man der bedeutenden Sendungen  von Roggen aus dem Osten gedenken, die durch die v├Ąterliche F├╝rsorge Sr. Majest├Ąt des K├Ânigs hierhin bef├Ârdert wurden und in den Monaten Mai und Juni hier eintrafen, zu einer Zeit, als die Not am gr├Â├čten war. Dieser Roggen wurde zwar nicht unentgeltlich verteilt, allein jeder Notleidende konnte zu einem billigen Preise davon kaufen. Auch war es den in jeder B├╝rgermeisterei gebildeten Hilfsvereinen gestattet, so viel von diesem Roggen zu einem bestimmten
 (31) Preise einzukaufen, als nach der Kopfzahl der Bev├Âlkerung erforderlich war.

Am 30. Oktober 1816 wurde auf Anstehen der Armenverwaltung die Gasthaus-Kirche an Peter Langen f├╝r 2140 Franken ├Âffentlich verkauft und zugeschlagen.

Am 16. M├Ąrz 1817 stieg das Wasser, welches seit dem 1. desselben Monats im Wachsen begriffen war, hier am Pegel bis 19 ┬Ż, so da├č dasselbe ├╝ber die Deiche lief, wodurch Calcar und Umgegend ├╝berschwemmt wurden.

Im Jahre 1817 wurde die St. Nikolai-Pfarrkirche gewei├čt. Dies war seit 1743 nicht mehr geschehen und daher ein dringendes Bed├╝rfnis.

In demselben Jahre wurden die B├Âgen ├╝ber den Mittelgraben an der Fattjesbleiche, an beiden Seiten des Rathauses, und an der Klostersteege von Grund aus repariert und fast ganz erneuert. Die ├╝brigen beiden wurden einige Jahre sp├Ąter in derselben Weise ausgebessert. 1817 wurde Herr Kaplan Aretz als Pfarrer nach Qualburg versetzt. An seine Stelle kam Herr Bernard Coenders als Kaplan nach Calcar.

Die Lehrerstelle an der hiesigen evangelischen Schule, die seit dem Tode des Herrn Berkemeyer unbesetzt war, wurde in diesem Jahre dem Herrn Martin ├╝bertragen.

Im Jahre 1818 wurde die hiesige katholische Schule zu einer Klassenschule eingerichtet und ein zweiter Lehrer angestellt, weil die Zahl der die Schule besuchenden Kinder immer gr├Â├čer wurde. Mit dieser zweiten Lehrerstelle wurde die Organistenstelle verbunden. Die damalige, im Jahre 1813 erbaute Schule wurde als Wohnung f├╝r den ersten Lehrer eingerichtet und die danebenliegende Wohnung, welche bis dahin der erste Lehrer gehabt, wurde die Wohnung des zweiten Lehrers. Die Kirche gab nun das zwischen dieser Wohnung und dem Garten des Herrn Schniewind----jetzt Pastorat----liegende Haus, das der Kirchenmagd als Wohnung diente, zum Bau einer neuen Schule mit zwei Schulzimmern unentgeltlich her. Die Kosten sowohl der Einrichtung der Wohnung des ersten Lehrers als des Baues der Schule wurden aus Kirchenmitteln bestritten. Die Mauer, welche an der S├╝dseite des Kirchhofs stand, wurde abgebrochen und die Steine zum Bau der neuen Schule gebraucht. Als zweiter Lehrer wurde Herr Franz Anton Kautz ernannt.

(32) Der Garten hinter der Schule und den beiden Wohnung der Lehrer geh├Ârte zu der bei der Katholischen Kirche hierselbst bestehenden Anniversarien- oder Pr├Ąsens-Stiftung . Diesen hatte der Organist Bosmann in den letzten Jahren in Pacht gehabt. Der Garten hinter der Kaplanei und der K├╝sterei, welchen der K├╝ster in Pacht hatte, geh├Ârte der Kirche. Es wurden diese beiden G├Ąrten, nun dergestalt verteilt, da├č derjenige Teil, welcher hinter der K├╝sterei liegt, dem Kaplan und der andere Teil den beiden Lehrern in Benutzung gegeben wurde, ohne da├č die Kirche oder Anniversarienstiftung daf├╝r entsch├Ądigt wurde.

Im Jahre 1818 wurden die Geb├Ąulichkeiten der B├╝rgermeister neu nummeriert.

Im M├Ąrz und April 1818 stand das Wasser fast immer bei Nr. 15 des hiesigen Pegels und im Mai stieg es bis 17, die niedrig gelegenen Weiden am Kalflak und an der Len wurden zwar unter Wasser gesetzt, doch kam es zu keiner gr├Â├čeren Ueberschwemmung.

Am 5. Juli brannten drei den Kath. Armen geh├Ârige, in der Serviettenstege gelegene H├Ąuser ab.

Am 8. August 1818 starb Herr Theodor van Heek, letzter Pfarrer von Hanselaer. Derselbe hat bei der hiesigen Pfarrkirche zw├Âlf Bruderschaftsmessen gestiftet, wobei Brot an die der Messe beiwohnenden Armen aus Calcar, Altcalcar und Hanselaer gespendet werden mu├č. Da├č die Armen von Hanselaer hieran beteiligt sind, hat keinen Grund darin, da├č der Stifter selbst Pastor in Hanselaer und sein Bruder Pastor in Altcalcar gewesen ist.

Am 11. Dezember 1818 trat sehr heftiger Frost ein, der bis zum 8. Januar 1819 dauerte. Der Rhein war nahe daran, zuzufrieren, er stellte sich aber nicht.

Die Kornpreise waren im Jahre 1818 noch hoch. Es kostete ein Berliner Malter Weizen 24 ┬Ż  Reichstaler ( clevisch), Roggen 17, Gerste 11, Buchweizen 13, Hafer 8 Reichstaler.

Im Jahre 1818 betrug die Einwohnerzahl von Calcar 1537, von Altcalcar 521, zusammen die B├╝rgermeisterei Calcar 2058.

In der Nacht vom 15. zum 16. Januar 1819, also mitten im Winter, w├╝tete hier ein starker Sturm, der von Blitz und Donner begleitet war.

Im Jahre 1819 wurde Herr Stockfeld als Prediger bei der hiesigen evangelischen Gemeinde angestellt.
(33) Im selben Jahre wurde die Monrestra├če vom Markte bis zum Ende neu gepflastert. Die Kosten beliefen sich auf 515 Taler, 23 Sgr. 5.Pfg. Im gleichen Jahre wurde Herr Kaplan Coenders zum Pfarrer von Niederm├Ârmter ernannt und es kam an seine Stelle Herr Caspar Misbach.

Im Jahre 1819 hat die j├╝dische Gemeinde die evang. Kirche von der evang. Gemeinde angekauft, um sie als Synagoge einzurichten. Es lag dieses Geb├Ąude in der Hanselaerstra├če und war nur ein Kirchenhaus ohne Turm. (Es ist dies  die noch heute benutzte Synagoge.)

In diesem Jahre richteten die M├Ąuse in der Rheinniederung gro├čen Schaden an.

Ferner wurde im Jahre 1819 der neue Kanal bei Grieth angelegt; er hatte aber nur eine Breite von 10 Ruten.

Die Kornpreise, besonders der Weizenpreis, hatten eine Senkung erfahren. Es kostete: ein Berliner Malter Weizen 16 Reichstaler (clevisch), Roggen 15 ┬Ż Reichstaler, Gerste 12 ┬Ż  Reichstaler, Buchweizen 12 ┬Ż  Reichstaler, Hafer 6 ┬Ż Reichstaler.

Bei der neuen Organisation der Friedensgerichte im Jahre 1819 wurde das seit der ersten Organisation unter der franz├Âsischen Verfassung hier bestehende Friedensgericht aufgehoben. So verlor Calcar, das in vorigen preu├čischen Zeiten vor allen anderen St├Ądten in hiesiger Gegend das Privilegium hatte, einen eigenen Richter zu haben, das Gericht. Die Stadt hat sich zwar alle M├╝he um Beibehaltung des Friedensgerichts gegeben und sich dieserhalb zuerst an den damaligen Organisationskommissar Sethe zu K├Âln und sp├Ąter an das K├Ânigliche Ministerium in Berlin gewandt, aber alle Bem├╝hungen waren vergeblich. Calcar geh├Ârte seitdem zum Friedensgericht Goch.

Am 27. Dezember 1819 wurde Calcar sowie die B├╝rgermeistereien Appeldorn und Grieth ├╝berschwemmt. Nach 4 Tagen begann es zu fallen. Neujahr trat ein starker Frost ein, der bis zum 18 Januar 1820 dauerte.

Im Jahre 1820 wurde Herr Berchter an die Stelle des nach Budberg versetzten Herrn Martin als Schullehrer bei der hiesigen evangelischen Gemeinde angestellt. In demselben Jahre wurden die drei Ch├Âre der Katholischen Kirche mit neuen geschliffenen Steinen belegt und der Bodenbelag in der ganzen Kirche aufgenommen und neu verlegt. Im gleichen Jahre wurde noch ein zweiter H├╝lfsgeistlicher
(34) oder Kaplan bei der hiesigen kath. Kirche angestellt und Herr Mott dazu ernannt. Herr Pfarrer Wolff aus Altcalcar wurde nach Overzier versetzt.

Im Jahre 1820 wurde ein neues Spritzenh├Ąuschen an der Kath. Kirche auf Kosten der Stadt gebaut unter der Bedingung, da├č diese daraus kein Recht f├╝r sich folgern k├Ânne, sondern das Spritzenhaus,  wenn es von der Kirche verlangt werde, fortschaffen m├╝sse.

Am 9. Mai 1820 gegen 5 Uhr nachmittags sp├╝rte man l├Ąngst des Berges zu Altcalcar eine Art Wirbelwind, der so heftig war, da├č er eine Scheune auf Haus Horst nicht nur niederri├č, sondern das Dach noch mehrere Meter weit forttrug. Mehrere Glasscheiben am Gutshofe wurden durch den Druck zertr├╝mmert, 3 Schafe kamen bei dieser Gelegenheit zu Tode, eins wurde verwundet.

Am 13 Mai 1820 gegen 7 Uhr abends schlug der Blitz in eine Scheune an der Wallstra├če, die dem Goldarbeiter Franz  Buis geh├Ârte, ein; sie brannte ganz ab.

Schon am 17. November 1820 fiel sehr viel Schnee, der aber nach einigen Tagen wieder verschwand. Am 23. Dezember trat ein so starker Frost ein, da├č der Rhein in wenigen Tagen zugefroren war. Am 7. Januar 1821 stellt sich ein gelindes Tauwetter ein und das Eis im Rhein verschwand, ohne da├č es zu einer Ueberschwemmung gekommen ist.

Am 17. Dezember 1820, einem Sonntage, wurde der neue Kirchhof am Altcalcartore durch den Pfarrer Deboeur eingeweiht. Am 7. Januar 1821 wurde die erste Leiche darauf beerdigt. Der Verstorbene hie├č Gerard Scheepers, ein Weber und Tagel├Âhner, der noch wenige Tage vorher an der Einrichtung des neuen Friedhofes mitgeholfen hatte.

Am 26. Juli 1820 wurden 50 Morgen 293 ┬ż  Ruten von den Gemeindeweiden zur Tilgung der Gemeindeschulden verkauft. Es lagen diese Gr├╝nde zwischen dem Reeserwege und dem Wege von der Oybr├╝cke nach Appeldorn, nur die sogenannte Roermonds- und die Ferkesweide  behielt die Stadt f├╝r sich. Dieser Verkauf brachte ein 30932 Taler 15 Sgr. Die Schulden der Stadt beliefen sich zur Zeit auf 30927 Taler 29 Sgr. 3 Pfg., n├Ąmlich alte oder verzinsbare Schulden 23703.17,3 Thr., neue oder unverzinsbare  Schulden, welche bei Einzuge der Franzosen gemacht worden waren 2767,5 Thlr., Zinsen-R├╝ckst├Ąnde 4455,7 Thlr., Summe wie vor
 (35) 30927,29.3 Thlr., welche mittels der Einnahmen aus dem Verkaufe der vorbezeichneten Grundst├╝cke und der sonstigen au├čergew├Âhnlichen Einnahmen der Jahre 1821-1823 g├Ąnzlich getilgt wurden.

In Folge der von seiner Majest├Ąt dem K├Ânige am 23. Aug. 1821 sanktionierten Bulle d.d. Rom, 16.08.1621, die Einrichtung und Begrenzung der Erzbist├╝mer und Bist├╝mer der kath. Kirche im Preu├čischen Staate betreffend, wurde das Bistum Aachen aufgehoben und Calcar dem Bistum M├╝nster zugeteilt.

Im Jahre 1821 wurde das Schulhaus nebst der Schule der evangelischen Gemeinde neu gebaut. Die Baukosten sind durch freiwillige Gaben der Pfarrgenossen und durch Kollekten zum gr├Â├čten Teil gedeckt worden. Doch hat auch die Stadt 100 Taler beigesteuert. Von der Stiftung Herzbach erhielt die evang. Gemeinde  50 Taler geschenkt, welche zum Schulneubau verwendet worden sind.

 Der Winter 1821/22 war sehr gelinde. Im Dezember 1821 sah man B├Ąume in Knospen und Bl├╝ten stehen und es war keine Seltenheit, da├č man die Lerche wie im Fr├╝hling trillern h├Ârte.

Im Februar 1820 wurde der Stadt amtlich angezeigt, da├č seine Majest├Ąt der K├Ânig geruht habe, den Einwohnern von Pfalzdorf den sogenannten Calcarwald liegend zwischen Altcalcar, Moyland, Schneppenbaum, Keppeln und dem Wege von Calcar nach Goch in Erbpacht zu geben. Es hatten die Einwohner von Altcalcar, Schneppenbaum und Keppeln seit undenklichen Zeiten das Recht, in diesem Walde Heide zu hauen und ihr Rindvieh  zu weiden. Unter der franz├Âsischen Regierung wurde ihnen dieses Recht bestritten, weil sie sich durch keine Urkunde dar├╝ber ausweisen konnten. Indessen blieben sie fortw├Ąhrend im Genusse dieses Rechtes, bis sie endlich durch eine vom Ministerium genehmigten Pr├Ąfekturbeschlu├č gegen eine geringe j├Ąhrliche Abgabe in ihren uralten Rechte best├Ątigt wurden. Durch die Koloniesierung des Waldes ging das Recht des Weideganges und Heidehiebs verloren, weshalb die vorgenannten Gemeinden eine Entsch├Ądigung f├╝r den Verlust dieses Rechtes forderten. Die Bevollm├Ąchtigten Pfalzdorfs boten jeder der drei Gemeinden Altcalcar, Schneppenbaum und Keppeln je 50, also insgesamt 150 Holl. Morgen gegen eine j├Ąhrliche Rente von 1 Tlr. 15 Sgr. pro Morgen als Entsch├Ądigung an. Die Gemeinden waren hiermit aber nicht zufrieden und forderten eine durch
 (36) Sachverst├Ąndige nach der Gr├Â├če des erlittenen Verlustes festzustellende Entsch├Ądigung. Es entstand hier├╝ber ein Prozess zwischen ihnen und den Bevollm├Ąchtigten, der in den Jahren 1821-1823 gef├╝hrt wurde. Die Gemeinden gewannen diesen Rechtsstreit in erster Instanz zu Cleve, verloren ihn aber beim Appellhof in K├Âln. Sie suchten nun in Berlin Kassation und Revision nach. Ihr. Einspruch wurde aber verworfen, weil der Advokat da selbst vers├Ąumt hatte, den selben innerhalb der Einspruchsfrist einzulegen. W├Ąhrend dem dieser Rechtsstreit vor sich ging, waren die Kolonisten mit dem Ausroden des Waldes fortgeschritten und hatten Wohnh├Ąuser gebaut und in zwei bis drei Jahren war fast der ganze Wald kultiviert. In diesen Jahren wurden auch die meisten Wohnh├Ąuser gebaut. Zuerst gebaut und zwar im Jahre 1821 haben Martin Hohl, Jakob Hogstein und Bernhard K├Âter. So entstand das neue Dorf, welches nach der verstorbenen K├Ânigin Louise von Preu├čen Louisendorf benannt wurde. Im Jahre 1829 wurde die M├╝hle da selbst gebaut.

 

Im Jahre 1822 wurde die Stra├če hinter der Kirche von der Schule bis zur Monrestra├če neu gepflastert.

Im selben Jahre wurde ein Fu├čgestell zu einem Kreuze oder Kalvarienberg auf dem neuen Friedhof vor dem Altcalcartor erbaut. Die Kirche gab das steinerne Kreuz, welches fr├╝her auf dem Kirchhof bei der Kirche gestanden hatte. Die Stadt hat die Kosten des Gestells bezahlt.

Am 15. Februar 1822 errichteten die Geschwister Willemsen bei der hiesigen katholischen Kirche eine Stiftung f├╝r einen zweiten Curat-Geistlichen unter dem Namen  ÔÇ×Stiftung Willemsen“.

 

Vom 1. Januar 1822 an ward die K├Ânigliche Regierung zu Cleve, welche seit 1816 bestanden hatte, aufgehoben und der hiesigen Regierungsbezirk mit dem von D├╝sseldorf vereinigt.

Am 11. Dezember 1822 trat Frost ein, welcher anhaltend und so stark war, da├č Anfangs Januar 1823 der Rhein zufror. Ende des Monats trat Tauwetter ein und am 31. Januar setzt sich das Eis im Rheine oberhalb Grieth in Bewegung. Hier schob sich dasselbe aber aufeinander und bildete einen Eisdamm. Da er sich oberhalb Grieth wieder festsetzte, stieg das Wasser dergestalt, da├č es am 2. Februar in Niederm├Ârmter ├╝ber den Deich lief. Unweit der Kirche wurde dieser auf einer Strecke von etwa 250 Schritt durchbrochen. Calcar und Umgegend
 (37) wurden dadurch ├╝berschwemmt. Am 5. Februar trat wieder ziemlich starker Frost ein und das Wasser wurde mit einer solchen Eisdecke belegt, da├č kaum mit einem Rachen durchzukommen war. Durch einen Dammbruch bei Bislich kam eine Erleichterung und das Wasser fiel hier bedeutend.

Im Jahre 1823 wurde die 1818 erbaute kath. Schule vergr├Â├čert und ein Stock draufgesetzt, weil die Zahl der die Schule besuchenden Kinder sich so vergr├Â├čert hatte, da├č die Schule die Kinder nicht mehr fassen konnte. Der untere Raum wurde f├╝r die zweite Schule eingerichtet und die erste Schule nach oben verlegt. Zur teilweisen Deckung der durch den Umbau entstanden Kosten im Betrage von 460 Taler verkaufte die Stadt die alte Stadtmauer, welche im Pappelnkamp und bis zur Lohst├Ątte noch vorhanden war. Sie reservierte sich aber soviel Steine, als zum Schulbau erforderlich waren. So verschwand nach und nach die alte Stadtmauer.

Im Jahre 1823 wurde Herr Kaplan Motte als Pfarrer von Altcalcar angestellt. An seine Stelle kam Herr van Haag als Kaplan nach Calcar. Die Pfarrerstelle zu Altcalcar war seit der Versetzung des Herrn Wolff unbesetzt geblieben, nur auf einige Monate hatte Herr Wurstgens, der kurz nach seiner Ankunft in Altcalcar als Pfarrer von Kellen ernannt wurde, die Pfarre versehen.

Im selben Jahre wurde die Verwaltung der B├╝rgermeisterei Appeldorn dem B├╝rgermeister von Calcar ├╝bertragen und so die beiden B├╝rgermeistereien Calcar und Appeldorn gemeinsam verwaltet.

Im gleichen Jahre wurde der Querdamm bei Calcar erh├Âht und verl├Ąngert. Zuvor lief er nur bis zur Viehsteege, nun aber wurde er weiter durchgef├╝hrt und ├╝berall so viel erh├Âht, als die neuen Anlagen jenseits der Viehsteege h├Âher als die Grundfl├Ąche waren. Die Gefahren, welchen der Querdamm bei der letzten Ueberschwemmung ausgesetzt gewesen, hatten Veranlassung zu dieser Erh├Âhung und Verl├Ąngerung gegeben.

1823 wurde die Postexpedition vom Calcarberg nach Calcar verlegt. Calcar hatte jetzt, soweit bekannt, seine erste Postanstalt. Indessen blieb der Postlauf noch so lang ├╝ber die alte Landstra├če zu Calcarberg bestehen, bis die neue Landstra├če ├╝ber Calcar angelegt war. Bis dahin mu├čten Briefe und Pakete durch einen besonderen Boten t├Ąglich nach Calcarberg besorgt oder dort abgeholt werden. Der erste Postexpediteur war Herr Peter Hangkamer von hier.

(38) Im Jahre 1824 erhielt die erste katholische Schule neue Schreibpulte. Die Kosten wurden aus der Gemeindekasse bestritten.

Johann Schweinem  baute in der Kesselstra├če ein neues Haus, das zuerst mit Nr. 90 ┬Ż , sp├Ąter mit

Nr. 95 bezeichnet wurde. (Es ist dies die heutige Schenkwirtschaft des Conrad Jan├čen). Die Baustelle  war vorher ein leerer Platz.

Der Monat Oktober 1824 war sehr regnerisch und st├╝rmisch. Durch den anhaltenden Regen waren alle B├Ąche und Fl├╝sse aus den Ufern getreten. Da die im Jahre vorher in dem Rheindeiche zu Niederm├Ârmter entstandenen Durchbr├╝che nicht ausgebessert worden waren, wurden bei dem hohen Wasserstande die B├╝rgermeistereien Calcar, Appeldorn und Grieth ├╝berschwemmt. Das Wasser blieb in Calcar vom 2. bis zum 23. November, in den B├╝rgermeistereien Grieth und Appeldorn, aber bis anfangs Dezember, also 4 Wochen lang, stehen. Der durch die Ueberschwemmung verursachte Schaden war enorm. Eine gro├če Menge Kartoffeln und andere Bodenerzeugnisse, die ungeerntet auf den Feldern standen oder bereits in Mieten untergebracht waren, gingen verloren. Die Scheunen standen gr├Â├čtenteils tief im Wasser und die darin lagernden Fr├╝chte waren dem Verderben preisgegeben. Das gleiche Schicksal erlitt das noch drau├čen stehende Korn und Heu, das gr├Â├čtenteils durch die Wassermassen fortgerissen wurde. So sah der Landmann die Fr├╝chte der ganzen Ernte durch die Fluten gr├Â├čtenteils verloren gehen. Im Dezember trat eine zweite Ueberschwemmung ein, bei der die B├╝rgermeistereien Calcar, Appeldorn und Grieth von neuem ├╝berschwemmt wurden. Das Wasser blieb diesmal etwa 14 Tage lang stehen. Die Not und das Elend wurden durch diese zweite Ueberschwemmung noch bedeutend vermehrt.

Am 8. Januar 1825 starb der hiesige Kantonalpfarrer, Herr Philipp Jakob Joseph Deboeur an den Folgen von Engbr├╝stigkeit. Er war 1768 zu Aachen geboren, wo er seine Jugend und ersten Studienjahre verbrachte, trat 1785 in den Orden der Konventuellen, empfing 1791 die Priesterweihe und wurde bald darauf Lehrer der Philosophie und Theologie. Nach Aufhebung der Kl├Âster war er zuerst Pfarrer von Anholt, dann von Ramsdorf und zuletzt – seit 1815 – von Calcar. Er hinterlie├č ein sehr bedeutendes Verm├Âgen,  ├╝ber das er bei seinem Tode keine letztwillige Verf├╝gung getroffen hatte.
 (39) Wohl hatte er ├Âfter seinen Freunden gegen├╝ber ge├Ąu├čert, da├č er sein ganzes Verm├Âgen zu Gunsten der Calcarer Armen und zu Unterrichtszwecken verwenden wolle. Weil er aber keine diesbez├╝gliche Bestimmung von Todes wegen getroffen hatte, ging seine Hinterlassenschaft der Gemeinde Calcar verloren.

Er war ein durch Ordnungsliebe und strenger P├╝nktlichkeit in der Erf├╝llung seiner Amtspflichten

ausgezeichneter Mann. Seine Geschwister haben in der hiesigen Kirche ein Jahrged├Ąchtnis gestiftet und den kath. Armen zu Calcar 3000 Reichstaler vermacht, wof├╝r Korthaagshoff zu  Crayenveen angekauft worden ist. Als Nachfolger des Herrn Deboeur  wurde Herr Heinrich Hermann Langen zum Pfarrer ernannt und im M├Ąrz in sein Amt eingef├╝hrt.

 Im selben Jahre wurde Herr Kl├Ânne an Stelle des versetzten Herrn Stockfeld als Prediger der hiesigen evangelischen Gemeinde und Herr Christian Scheepers an Stelle des nach Broich berufenen Herrn Berchter als Lehrer bei derselben Gemeinde ernannt.

In diesem Jahre wurde das Pflaster von der Pastorat bis zur Altcalcarstra├če neu verlegt.

Im Jahre 1825 war das Obst vollst├Ąndig mi├čraten. Ursache war die Raupenplage. Es waren Raupen in solcher Menge vorhanden, da├č sie B├Ąume und Hecken kahl fra├čen.

Herr Hangkamer lie├č in diesem Jahre die H├Ąuser Nr. 14 und 15 am Markt ganz abbrechen und neue errichten. Es sind dies die heute noch stehenden und Filiale Beck.

Im Jahre 1826 wurde im Erdgescho├č des Rathauses und zwar an der S├╝dseite eine Wohnung und das Wagenlokal und an der Nordseite die Wache eingerichtet. Das Wagenlokal wurde nach Fertigstellung ├Âffentlich verpachtet.

In demselben Jahre wurde die 1819 angekaufte lutherische Kirche als Synagoge der j├╝dischen Gemeinde eingerichtet.

In dieses  Jahr f├Ąllt auch die Entdeckung des R├Âmerbrunnens auf dem Monreberg. Jahrhunderte hindurch hatte sich die Ueberlieferung erhalten, da├č sich auf dem Monreberg ein von den R├Âmern erbauter Brunnen befinde, der aber im Laufe der Zeiten versch├╝ttet sei. Die Stelle des Brunnens war niemanden mehr bekannt. Ein gewisser Bernhard
(40) Pastors aus Cleve hatte von dem Forstinspektor Heinzen und dem Revierf├Ârster Everts die Erlaubnis erhalten, auf dem Monreberg, damals dem Forstfiskus geh├Ârend, nach Altert├╝mern zu graben. Unverhofft fand er nun, vollst├Ąndig unter Schutt vergraben am 1. Juli 1826 den sagenhaft gewordenen R├Âmerbrunnen. Es wurden alsbald n├Âtige Ma├čnahmen zu seiner Erhaltung getroffen.

Im Jahre 1826 erging die Verordnung, sowohl im ├Âffentlichen wie im privaten Verkehr alles nach Berliner Taler, Silbergroschen und Pfennigen zu berechnen. Bis dahin war hier die Rechnung nur nach clevischen Reichstalern und St├╝bern ├╝blich. Ein Reichstaler, welcher zu 23 Groschen 1 Pfennig gerechnet wurde, hatte 60 St├╝ber. 1 St├╝ber waren 2 Fettm├Ąnnchen oder 4 Oertchen. In franz├Âsischen Zeiten wurde im gew├Âhnlichen Leben 1 St├╝ber zu 5 Centimen und 20 St├╝ber zu einem Franken gerechnet. Nach der genauen Reduktion war aber 1 St├╝ber nur 4 Centimen, 94 Millimen und 20 St├╝ber waren nur 98 Centimen, 77 Millimen.

In diesem Jahre wurde eine neue Schulordnung eingef├╝hrt, die sich gut bew├Ąhrte und dem Volksschulunterricht sehr f├Ârderlich war.

Am 17. Januar 1827 setzte ein Frostwetter ein und wenige Tage darauf stellte sich der Rhein. Am 26. Februar trat Tauwetter ein und am 2. M├Ąrz verschwand die Eisdecke im Rhein, ohne besonderen Schaden angerichtet zu haben.

Am 2. April starb Lambert Willemsen, der letztlebende seiner vier Geschwister, die im Jahre 1822 die Willemsen-Stiftung errichtet hatten. Die Kirche trat nunmehr in den Besitz und Genu├č der ihr vermachten G├╝ter.

In demselben Jahre wurde Herr Wolff als Offiziant dieser Stiftung ernannt, er hat sein Amt aber erst am 1. Januar 1828 angetreten.

Am 14. Januar nachmittags zwischen 5 und 6 Uhr w├╝tete hier ein starker Sturm, der B├Ąume entwurzelte, D├Ącher abdeckte und alte Geb├Ąude niederri├č.

In demselben Jahre wurde die erste Etage des Rathauses ganz ausgebessert und der Flur neu belegt.

Die Obsternte war in diesem Jahre ganz mi├čraten

Am 19. M├Ąrz 1828 wurde das von den drei Stadttoren, n├Ąmlich bei Altcalcar-, Kessel-, und
 (41) Hanselaertor noch stehengebliebene Mauerwerk auf Abbruch verkauft. Calcar blieb von nun an eine offene Stadt.

Am 15. Juli wurde zu Cleve auf dem Rathause die Ausf├╝hrung der Graben-, Damm-, und Planierarbeiten, die Lieferung von Kies und den Bau von 27 Br├╝cken und Durchl├Ąssen auf der von Cleve ├╝ber Calcar bis Kehrum anzulegenden  zu 4431 Ruten vermessenen Kunststra├če, abgesch├Ątzt zu 28721 Thr. 4 Sgr. 11 Pfg., ├Âffentlich verdungen. Diese Stra├če soll aber ungef├Ąhr 100000 Taler gekostet haben.

Im Jahre 1828 wurden die ├Ąu├čeren W├Ąnde des Rathauses verputzt, im s├╝dlichen Teile ein neuer Schornstein gebaut und T├╝ren und Fenster repariert. Die Kosten betrugen 331 Taler. Bis dahin waren die Schornsteine in den Seitenmauern des Rathauses, sie hatten hier aber bei ung├╝nstigem Winde keinen Zug und es war deshalb ihr Verlegung notwendig geworden.

Auf Antrag des Gemeinderats  wurde am 2. April 1828 regierungsseitig genehmigt, da├č der erste Flachsmarkt am 2. Oktober und der zweite am 29. desselben Monats stattfinden soll.

Am 4. Januar 1829 begann eine strenger K├Ąlte als bisher einzusetzen und vom 21. bis 23. des selben Monats erreichte der Frost einen so hohen Grad da├č der Rhein zufror. Am 27. Januar stellte sich Tauwetter ein, wodurch sich das Eis l├Âste. Es trieb rheinabw├Ąrts, schob sich aber bei Grieth aufeinander. Nach einigen Tagen fing es von neuem an zu frieren und der Rhein fror abermals fest zu. Als nun Mitte Februar die K├Ąlte nachlie├č und das Eis durch kurz darauf einsetzendes Tauwetter sich in Bewegung setzte, hegte die Bev├Âlkerung gro├če Bef├╝rchtungen wegen der gro├čen Eismassen im Rheine oberhalb Grieths. Doch trieben diese gl├╝cklich langsam stromabw├Ąrts, ohne da├č es zu Deichbesch├Ądigungen oder anderen Sch├Ąden gekommen w├Ąre.

Am 18., 19. und 20. Mai 1829 spendete der hochw├╝rdigste Bischof Caspar Maximilian von M├╝nster in der hiesigen Kirche die heilige Firmung. Aus der Pfarre Calcar wurden 441 Personen gefirmt.

Im Jahre 1829 wurde in der B├╝rgermeisterei Calcar mit der K├Ąseherstellung der Anfang gemacht. Sie wurde eingef├╝hrt von Gerhard Hagedorn und Gerhard Verweyen vom Gut Born in Altcalcar. Ersterer  hatte7, letzterer 18 K├╝he, der
(42) erste, der zur K├Ąsefabrikation hier zu Lande ├╝berging, war der Deichgraf Reymer, Landwirt zu Rindern, der durch seine Familie im Holl├Ąndischen auf die Wichtigkeit dieses Gewerbezweiges und auf die  Herstellung nach Holl├Ąndischer Art und Weise aufmerksam gemacht worden war.

Im selben Jahre wurde mit dem Neubau des Pfarrhauses der hiesigen evangelischen Gemeinde begonnen. Der Bau wurde aber erst im Jahre 1830 vollendet. Die Baukosten sind teils durch Kollekten, teils aus Kirchen- teils aus st├Ądtischen Mitteln gedeckt. Die Stadt hat dazu 800 Taler beigetragen.

Am 21. Mai brannten in der Kesselstra├če die H├Ąuser Nr. 86, 87 und 88 des Hermann Koimann, Jakob Degroot und der Witwe Gietjes ab, ohne da├č die Entstehungsursache des Brandes ermittelt worden ist.

Der Winter 1829/30 war ├Ąu├čerst strenger. Der Rhein war wiederum zugefroren. Nach Eintritt von Tauwetter Ende Februar stauten sich die Eisschollen in der N├Ąhe von Grieth und drohten gef├Ąhrlich zu werden. Der Rhein schwoll so stark an, da├č das Wasser zuerst bei H├Ânnepel  ├╝ber den Damm lief, bald darauf aber auch an anderen Stellen die Deiche ├╝berflutete und die B├╝rgermeistereien Grieth und Appeldorn und einen Teil der Stadt Calcar, unter Wasser setzte. Die Ueberschwemmung dauerte 8 Tage.

Im Jahre 1830 wurden die Stuben im ersten Stockwerk des Rathauses neu eingerichtet und ein neuer Schornstein daselbst gebaut.

Am 30 April w├╝tete den ganzen Tag ├╝ber ein starker Westwind, der gegen Abend in einen Orkan ├╝berging. Sonderbar aber gl├╝cklicher Weise richtete er keinen wesentlichen Schaden an.

Am 4. Oktober 1830 passierten zu Calcarberg die neuverm├Ąhlten J. R. Hoheit Prinz Albrecht und Prinzessin Marianne. Es war ihnen ein Ehrenbogen errichtet worden und bei ihrer Ankunft wurden sie von den geistlichen und weltlichen Beh├Ârden begr├╝├čt.

Der Monat Januar des Jahres 1831 war sehr kalt. Der Rhein f├╝hrte Treibeis, fror hier aber nicht zu, wohl dagegen weiter rheinaufw├Ąrts. Der Frost dauerte mit Unterbrechung bis zum 6. Februar. Anfang M├Ąrz stieg das Wasser bis Nr. 22 des hiesigen Pegels, trat am 7. ├╝ber die Deiche und ├╝berschwemmte die ganze Niederung. Auch die
(43) Stadt Calcar wurde teilweise unter Wasser gesetzt.

Im Jahre 1831 wurde die Kunststra├če von Cleve ├╝ber Calcar nach Kehrum vollendet; am 4. April fuhr der Schnell- (Eil-) wagen, der bis dahin noch ├╝ber die alte Landstra├če zum Calcarberg gefahren hatte, zum erstenmale durch Calcar.

In diesem Jahre hat Anton H├Âvels, das Haus Nr. 3 von Grund auf neu gebaut. Es hatte dort bisher nur ein kleines und bauf├Ąlliges H├Ąuschen gestanden.

Am 2. August brach in dem Hause des B├Ąckers Degroot in der Kesselstra├če Nr. 87 Feuer aus. Durch schnelles Eingreifen der Brandbetroffenen und der Nachbarn konnten die umliegenden H├Ąuser sowie auch teilweise das Haus des Degroot gerettet werden.

Der Sommer des Jahres 1831 war durchgehends na├č und kalt. Pr├Ąchtige Witterung herrschte jedoch im Monat Oktober.

Wegen der Unruhen, welche im Jahre 1830 in Frankreich und Belgien ausgebrochen waren, war die hiesige Gegend im Jahre 1831 mehr oder weniger mit preu├čischen Truppen belegt. Man bef├╝rchtete n├Ąmlich einen Krieg zwischen Holland und Belgien, weil sich letzteres unabh├Ąngig von Holland erkl├Ąrt hatte.

 Der Winter 1831/1832 war sehr gelinde. In den Monaten Januar und Februar trat zwar hin und wieder Frost ein, doch war derselbe nicht von langer Dauer. Schnee fiel sehr wenig.

Auf Antrag des Gemeinderates vom 14. Februar 1832 wurde regierungsseitig die 3 Tage dauernde Mai-Kirmes abgeschafft und in diesem Jahre zum ersten Male nicht mehr gehalten. Fr├╝her begann diese Kirmes am 1. Mai, seit mehreren Jahren war ihr Anfang aber auf den Sonntag, vor dem 1. Mai verlegt; war dieser aber ein Sonntag, so begann sie an diesem Tage.

Im Jahre 1832 erbaute der Landwirt Heinrich M├╝hlenhoff zu Altcalcar an der neuen Landstra├če zwischen dem Monretor und dem Berg ein neues massives Haus.

Am 31. Juni 1832 stie├čen Arbeiter, die einen Seitengraben der neuen Landstra├če in der N├Ąhe des Bornschen Feldes erbreiterten, in kaum 2 Fu├č Tiefe auf einen sehr gut erhaltenen aus zwei Teilen bestehenden r├Âmischen Grabstein. Der gr├Â├čere der beiden Steine, aus Sandstein gehauen war ├╝ber 6 Fu├č lang, hatte eine Breite von 2 Fu├č 3
 (44) Zoll und eine Dicke von 8 Zoll. In seinem oberen Teil war eine auf einem Ruhebett liegende, auf einen Arm sich st├╝tzende m├Ąnnliche Figur eingehauen. An deren F├╝├čen stand eine zweite m├Ąnnliche, aber trauernde Figur. Vor dem Bette auf einem Tische waren einige Trinkgef├Ąsse bemerkbar. Dann folgte die Inschrift:

                        C .  IVLIO  ADARI  .  F

                        PRIMO  .   TREVRO

                        EQ   .  ALAE   .  NORI  .   C

                       STATORI   .   AN  .     XXVII

                       STIP  .     VII   .   H  .  A  .  S  .  F  .  C  .

Unter dieser Inschrift war ein angeschirrtes, mutiges Pferd eingehauen, das von einer hinterher laufenden m├Ąnnlichen Person gef├╝hrt wurde.

Der Eigent├╝mer des Grundst├╝cks, Ackerer Johann Pastoors aus Appeldorn, machte Fundrechte an dem Stein geltend und verkaufte ihn am folgenden Tage f├╝r Friedrichsd┬┤or oder 11 Taler 10 Sgr. berliner Courant an den Notar Philipp Houben in Xanten. Der B├╝rgermeister Robbers von Calcar lie├č den Stein jedoch, weil er die Rechtm├Ą├čigkeit der Anspr├╝che des Pastoors bezweifelte, unter Billigung der landr├Ątlichen Beh├Ârde im Rathause zu Calcar sicherstellen. Er hegte n├Ąmlich die Vermutung, da├č  die Arbeiter, die den Stein gefunden hatten und die im Dienste der staatlichen Bauverwaltung standen, die Verpflichtung hatten, die etwa zu Tage gef├Ârderten Altert├╝mer dem Staat auszuliefern. Die Regierung zu D├╝sseldorf entschied indessen nach Vortrag des Sachverhalts, da├č der Grabstein dem Notar Houben auszuliefern sei, weil der Staat keinen rechtlichen Anspruch auf ihn habe, da es sich bei dem Fundgrundst├╝ck nicht um ein vom Staate gekauftes handele.

Am 14. Juli 1932 nachmittags ├╝berzog ein schweres Gewitter die Stadt und Umgegend. Es war von einem starken Orkan begleitet. Heu und Feldfr├╝chte, die gem├Ąht auf Feld und Wiese lagen, wurden fortgeschleudert und zerstreut. Es seien nur erw├Ąhnt das Hinterhaus des Peters am Bolk, das Hinterhaus des Peerenboom unweit davon, das Hinterhaus auf Rinzenhof, Vorder- und Hinterhaus sowie Scheune und Schuppen des van de Kamp auf der Gort zu Hanselaer, Hinterhaus und Scheune der Witwe L├Ârks auf der Waye und die Scheune des Gerhard van Bebber daselbst.

(45) Der Sommer des Jahres 1832 war durchgehend na├č und kalt, sonderbarerweise waren die Gewitter aber h├Ąufig und heftig.

In der Nacht vom 12. zum 13. November 1832 war eine seltsame, den Sternschnuppen ├Ąhnliche Lufterscheinung, welche von nachts 2 Uhr bis zum Anbruch des Tages dauerte und ein solches Licht verbreitete, da├č man h├Ątte glauben k├Ânnen es blitze; dabei schien der Mond au├čerordentlich hell. Die Erscheinung war schaurig sch├Ân anzusehen.

Durch Verf├╝gung des Ministeriums vom 2. M├Ąrz 1828 wurde die Kolonisierung und Verteilung des zwischen Altcalcar, Keppeln, Louisendorf und dem Rayerend liegenden Waldes verordnet. Die Verlosung fand am 4. Juni 1832 statt, der Wald wurde unter den Einwohnern von Pfalzdorf und mehreren Einwohnern von Altcalcar, Keppeln und Louisendorf verteilt gegen eine j├Ąhrliche Rente zu Eigentum ├╝berlassen. Im folgenden Jahre wurden die ersten H├Ąuser in der neuen Kolonie gebaut und zwar von Friedrich Reis, Heinrich Lauff und Theodor Prust. Die Seelenzahl betrug 18. Die Kolonie erhielt den Namen Neulouisendorf. Durch landr├Ątliche Verf├╝gung vom 26. Oktober 1833 wurde dem B├╝rgermeister von Calcar die Aufnahme der Personenstandsurkunden der neuen Gemeinde ├╝bertragen. Die Zuteilung Neulouisendorfs zur B├╝rgermeisterei Calcar erfolgte durch Verf├╝gung vom 14. November 1835. Die Rentenvertr├Ąge datieren vom 1. Mai 1834. Den Kolonisten wurden 10 Freijahre gew├Ąhrt, hatten danach aber eine j├Ąhrliche Renten von 15 Sgr. 5.Pfg. je preu├č. Morgen zu zahlen; sie war also zum ersten Male im Jahre 1842 f├Ąllig.

Weil sie ein Verkehrshindernis bildeten, mu├čten mehrere innerhalb der Stadt im Zuge der neuen Landstra├če stehenden Pumpen versetzt werden; so die vor dem Hause des Anton H├Âvels Hs. Nr.3 stehende Pumpe an die Seite des Hauses versetzt und die vor dem Hause der Witwe Kampmann Nr. 328 zum Markt hin stehende Pumpe an das Haus heranger├╝ckt. (Es sind dies die beiden noch heute bei Dr. Bartels und Schepers am Markt stehenden Pumpen.)

Der Winter des Jahres 1832/33 war im allgemeinen milde, doch brachte der Januar einige sehr kalte Tage und der Rhein trieb ziemlich stark mit Eis. Die K├Ąlte war jedoch ertr├Ąglich, weil es windstill war. Schnee war in dem Winter eine Seltenheit.

(46) Am 13. Oktober 1833 abends 10 Uhr starb an den Folgen der Wassersucht Herr Heinrich Hermann Langen, Kantonspfarrer zu Calcar, geboren daselbst  am 24. September 1762. Seine Jugend und ersten Studienjahre verbrachte er in Calcar und Kempen und besuchte darauf die damals bl├╝hende Universit├Ąt zu L├Âwen. Er empfing am 15. April 1786 die Priesterweihe und wurde an der Kirche seiner Vaterstadt als Vikar angestellt, wo er eifrig in der Seelsorge wirke, bis er 1812 als Pfarrer nach H├Ânnepel berufen wurde. Am 12. Januar 1825 wurde er als Kantonspfarrer nach Calcar versetzt.

 

Am 24. Oktober 1833, nachmittags gegen 4 ┬Ż  Uhr, kam Seine K├Ânigl. Hoheit der Kronprinz von Preu├čen - der nachmalige K├Ânig Friedrich Wilhelm IV. - von Wesel, wo er ├╝bernachtet hatte, in Begleitung des Gerneralleutnants von Pfuel und zweier Adjutanten (Oberst Graf von der Groeben und Hauptmann von Willisen) hier an und wurde von der B├╝rgerschaft mit gro├čem Jubel empfangen. In dem Hause des Rentners Frambach war alles zum festlichen  Empfang vorbereitet, doch ohne einzukehren ging der Kronprinz geraden Wegs zur kath. Kirche, um deren Kunstsch├Ątze zu besichtigen. Er tat dies nahezu eine Stunde lang mit gr├Â├čtem Interesse. Noch am selben Abend fuhr er nach Cleve, von wo aus er am anderen Tage seine Reise durch die Rheinlande fortsetzte.

Im Jahre 1833 wurde die Verwaltung der B├╝rgermeisterei Appeldorn von der B├╝rgermeisterei Calcar wieder getrennt, weil der B├╝rgermeister Robbers sich seiner sonstigen Gesch├Ąfte wegen nicht verbinden konnte, w├Âchentlich eine Sitzung in Appeldorn abzuhalten. Nachfolger des B├╝rgermeisters Robbers in der Verwaltung der B├╝rgermeisterei Appeldorn wurde der erst 25 Jahre alte Stadtsekret├Ąr von Calcar namens Johann Hermann Eduard Backer, ein geborener Calcarer.

In demselben Jahre wurde die Orgel in der kath. Kirche, die bis dahin ├╝ber dem S├╝deingang war, nach unten in die Kirche verlegt, gr├╝ndlich repariert und durch drei neue Register vergr├Â├čert. Die Arbeiten begannen am 6. M├Ąrz und dauerten 9 Monate;  sie sind durch den Orgelbauer Johann Peter Fabritius aus Grevenbroich ausgef├╝hrt worden und verursachten einen Kostenaufwand von 1025 Taler, bis ausschlie├člich von den Eheleuten Matthias Frambach und Margareta Tenback gespendet waren.

(47) Am 28. Dezember 1833 ertrank unweit der Manier, wo die Landstra├če unter Wasser stand, ein mit der Chaise von Xanten kommender Knecht durch Unvorsichtigkeit. In betrunkenem Zustande geriet er mit dem Gespann vom festen Wege ab in die zwischen dem Monreberge und der Landstra├če befindliche Mulde.

Am 29. Dezember  1833 wurde Herr Johann Heinrich Janssen aus Kevelaer als Kantonspfarrer an die Stelle des verstorbenen Pfarrers Langen nach hier versetzt.

Der Monat Dezember war sehr regnerisch und st├╝rmisch. Durch den anhaltenden Regen stieg das Wasser bedenklich und ├╝berflutete schlie├člich die B├╝rgermeistereien Grieth und Appeldorn und einen gro├čen Teil der Stadt Calcar. Am 31 Dezember w├╝tete fast den ganzen Tag hindurch ein heftiger Sturm, der bis gegen Mitternacht dauerte, und abends gegen 7 Uhr zu einer solchen St├Ąrke anwuchs, da├č er einem Orkan glich. Die Geb├Ąude, besonders die im Wasser stehenden, haben allenthalben viel Schaden gelitten.

Im Jahre 1833 waren Gewitter sehr selten.

Der Winter 1833/34 war sehr gelinde. Frost ist ├╝berhaupt nicht eingetreten und Schnee nicht gefallen, doch waren Sturm und Regen stets vorherrschend. Am 4. Januar tobte ein Sturm, der an St├Ąrke dem Orkan vom Silvestertage nicht nachstand.

Am 14. Mai 1834 starb zu Cleve, wohin er wegen seines kr├Ąnklichen Zustandes verzogen war, der Prediger der hiesigen evangelischen Gemeinde, Herr Kl├Ânne. Seine Leiche wurde aber nach hier ├╝berf├╝hrt und auf dem hiesigen Friedhof bestattet. Er war eifrig t├Ątig f├╝r seine Gemeinde und diese hat ihm viel zu verdanken.

Im Jahre 1834 hat Franz Kuypers das Haus Nr. 109 an der nordwestlichen Ecke des Martkplatzes, genannt ,,Sch├Âpken“, abgebrochen und durch ein neues Haus ersetzt.

Im selben Jahre wurde der Marktplatz neu gepflastert, nur ein schmaler Streifen vom Mittelgraben bis ungef├Ąhr zur Altcalcarstra├če blieb von der Neupflasterung ausgeschlossen. Die Kosten betrugen 529 Taler.

Der Sommer des Jahres 1834 war sehr gewitterreich und der Blitz ist oft eingeschlagen. Durch ein am 13. Juli niedergegangenes Gewitter mit sehr heftigem Hagelschlag wurden die Felder in der
(48) ganzen Umgegend verheert und die Fr├╝chte vernichtet.

Das  heftigste Gewitter des Jahres 1834 war das vom 1. August. Es w├Ąhrte volle 8 Stunden lang von 8 Uhr abends bis 4 Uhr morgens unter f├╝rchterlichem Blitzen.

Der Herbst des Jahres 1834 war so sch├Ân und sonnig, da├č der Sommer gar nicht weichen zu wollen schien. ├äpfel gab es in solcher Menge, da├č die geringeren Sorten f├╝r 8 und die besseren schon f├╝r 12 Silbergroschen sackweise zu haben waren. Seit Menschengedenken war kein derartiger Ueberflu├č an Obst gewesen. Als eine Merkw├╝rdigkeit verdient angef├╝hrt zu werden, da├č hier mehrere im Freien stehenden Apfel- und Birnb├Ąume zweimal gebl├╝ht und Fr├╝chte getragen haben. Einige ├äpfel und Birnen kamen zur normalen Entwickelung, die meisten aber bleiben nur klein und erreichten die Gr├Â├če eines Knickers. Der Wasserstand des Rheines war durchgehend so niedrig, wie es seit vielen Jahren nicht mehr beobachtet worden war.

Im September 1834 wurde die Kanzel in der katholische Kirche, die bis dahin am 3. Pfeiler gestanden hatte, an den ersten Pfeiler versetzt.

Der Winter von 1834/35 war sehr gelinde. Schnee ist fast gar nicht gefallen. Schon im Februar setzten ziemlich heftige Gewitter ein.

Im Jahre 1835 hat Josef Marcour vor dem Altcalcartore ein neues Haus erbaut.

Am 3. April 1835 morgens 7 Uhr wurde der von dem Assisenhof zu Cleve wegen Raubmordes zum Tode verurteilte Wilhelm Heinrich Lohmann, Schneider aus B├Ânninghardt, auf dem gro├čen Markte zu Cleve durch das Fallbeil hingerichtet. Er hatte am  19. M├Ąrz 1834 den Handelsmann Aron Esser aus Alpen, als dieser auf dem Wege zum Viehmarkte nach Bocholt war, und bei Lohmann  vorgesprochen hatte, um von ihm den Rest des Kaufpreises f├╝r eine Kuh zu erhalten, auf grausame Weise ermordet und ihn seines Geldes beraubt. Seit mehr als einem Menschenalter war hier in der Gegend kein Menschenblut durch das Schwert der Gerechtigkeit mehr vergossen worden, daher war die Wanderung nach Cleve, um der Hinrichtung beizuwohnen, au├čerordentlich gro├č. Die ganze Nacht hindurch str├Âmten die Menschen scharenweise auf Cleve zu.

(49) In demselben Jahre hat Peter Elbers das Haus Nr. 251 in der Monrestra├če an der Ecke der Spiegelstege von Grund auf neu gebaut.

Am 14. Oktober hat man hier in Calcar den Halleyschen Kometen zum ersten Male gesehen.  Er war aber kaum mit blo├čem Auge und nur kurze Zeit zu sehen.

Der Sommer des Jahres 1835 war sehr hei├č und trocken. Die Getreideernte war ziemlich gut, die Kartoffeln jedoch ganz mi├čraten, auch gab es  nur sehr wenig Obst.

Am 3. Dezember wurde mit h├Âherer Genehmigung von Notar Robbers der Kaufakt get├Ątigt, wonach Kammersekret├Ąr Schniewind sein an der Herrenstra├če gelegenes Haus nebst Zubeh├Âr an die katholische Kirche f├╝r 2200 Taler verkaufte. Es sollte als Pastorat eingerichtet werden. Die Stadt hat hierzu 1200 Taler gegeben, der Rest ist aus der Kirchkasse bestritten worden.

In diesem Jahre wurde h├Âheren Orts eine Neunummerierung s├Ąmtlicher Geb├Ąude angeordnet. Das desfallsige Register ist am 24. Dezember 1835 abgeschlossen, die Nummerierung selbst aber erst im Jahre 1836 durchgef├╝hrt.  Nach dieser waren in Calcar an Geb├Ąulichkeiten vorhanden: Kirchen und Gottesh├Ąuser 3, ├Âffentliche Geb├Ąude 5, Wohnh├Ąuser 306, Scheunen 69, Schuppen 23, Windm├╝hlen 2, Wasserm├╝hlen 2.

Am 3. Februar 1836 wurde Herr Hermann Heinr. Roshoff als Pfarrer an die hiesige evangelische Gemeinde als Nachfolger des verstorbenen Herrn Kl├Ânne versetzt.

Am 12. Februar wurde das alte kath. Pfarrhaus, das dem neuangekauften Schniewindschen Hause gegen├╝berlag, an den Tierarzt Siebert f├╝r 815 Taler ├Âffentlich verkauft.

Am selben Tage wurde Calcar von einem schweren Gewitter ├╝berzogen, das aber gl├╝cklicherweise keinen Schaden angerichtet hat. In Emmerich schlug der Blitz in die M├╝nsterkirche, in Wesel dreimal in den Turm der Mathenakirche ein. Hier z├╝ndete er, doch wurde der Brand sofort gel├Âscht. Auch der Kirchturm in Weeze wurde vom Blitz getroffen und brannte teilweise ab.

Am 2. Mai 1836 hat Pfarrer Janssen das neue Pfarrhaus bezogen.

Am 4. August 1836 entstand ein Brand in dem Hause des Fa├čbinders Gerhard Wellings in der Monrestra├če; das Haus brannte fast ganz nieder.

(50) Am 17. August war ein hier niedergegangenes Gewitter von einem derartig starken Regen begleitet, da├č  sich niemand erinnern konnte, einen Regen in solcher St├Ąrke je erlebt zu haben. Er fiel eine ganze Stunde lang in solchen G├╝ssen herab, da├č man in Niederungen, wo das Wasser sich sammelte, mit Nachen fahren konnte.

Am 3. Oktober 1836 vormittags gegen 10 Uhr traf seine K├Ânigliche Hoheit Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preu├čen auf seiner R├╝ckreise aus dem Haag hier ein und wurde von dem B├╝rgermeister, der Geistlichkeit und dem Gemeinderat bewillkommnet. W├Ąhrenddem auf dem Marktplatze die Pferde gewechselt wurden, unterhielt sich der Kronprinz mit dem B├╝rgermeister. Er stieg jedoch nicht aus, versprach aber, bei seiner n├Ąchsten Durchfahrt die Kirche nochmals zu besichtigen. ( Er hatte bereits vor 3 Jahren bei seiner ersten Durchfahrt durch Calcar die Kirche eingehend in Augenschein genommen.) Am gleichen Tage passierte auch Seine K├Ânigliche Hoheit Prinz Albrecht von Preu├čen unsere Stadt.

Am 18. Oktober 1836 wurde hier bei hell gestirntem Himmel ein prachtvolles Nordlicht beobachtet.

 

Am 29. November nachmittags gegen zwei Uhr erhob sich ein gewaltiger Sturm, der sich zu einem Orkan ausbildete und bis 7 Uhr abends anhielt. Gro├č waren die Verheerungen, die er anrichtete; D├Ącher wurden abgedeckt und viele andere Besch├Ądigungen an Geb├Ąulichkeiten verursacht. Gegen 6 Uhr wurden die Einwohner durch das L├Ąuten der Brandglocke in noch gr├Â├čere Unruhe und Verwirrung versetzt. Gl├╝cklicherweise war der Brand aber au├čerhalb der Stadt.

Im Jahre 1836 hat Bernhard Wenner ein neues Haus, bezeichnet mit Nr. 269 ┬Ż , im sogenannten Kalverbosch gebaut.

Am 17. und 18. Februar 1837 war hier wiederum ein ziemlich starkes Nordlicht sichtbar.

Am 4. August traf Seine Hochw├╝rden Caspar Maximilian Bischof von M├╝nster, von Uedem kommend, hier ein. In den ersten Tagen besuchte er die umliegenden Pfarreien und erteilte darauf in der hiesigen Kirche die hl. Firmung. Von hier aus reiste er nach Cleve weiter.

In diesem Jahre wurden die Dekanate eingerichtet. Der Oberpfarrer Janssen von hier war der erste Dechant des Dekanates Calcars.

(51) Heinrich Maritzen erbaute vor dem Monretor ein neues Haus, das mit der Nummer 225 ┬Ż  bezeichnet wurde.

Im Jahre 1837 wurden die blauen Dachziegel, mit denen die S├╝dseite das Daches des Rathauses belegt war, abgenommen und durch Schiefer ersetzt. Die Kosten betrugen etwa 230 Taler. Im folgenden Jahre wurden die gleichen Arbeiten auf der Nordseite ausgef├╝hrt.

Im Jahre 1838 hat Johann An der Heyden am Eingange der Altcalcarstra├če ein neues Haus gebaut, das die Nr. 331 erhielt. Es hatten dort fr├╝her zwei kleine, bauf├Ąllige H├Ąuschen gestanden.

Am 10. Dezember 1839 wurde Peter Hangkamer, der bereits seit 1803 Beigeordneter von Calcar war, f├╝r eine weitere 5j├Ąhrige Amtsperiode gew├Ąhlt und von der Regierung best├Ątigt.

Am 1. Oktober 1839 wurde Herr Christian Hub. Scholte erster Lehrer an der hiesigen kath. Schule, pensioniert; er war seit 1804 hier angestellt. Am 24. Oktober wurde er zum 2. Beigeordneten von Calcar ernannt.

In diesem Jahre trat der Maik├Ąfer massenhaft auf. Es erging eine Verordnung, die Maik├Ąfer zu fangen. F├╝r jedes abgelieferte Berliner Scheffel wurde aus der Gemeindekasse eine Verg├╝tung von 5 Silbergroschen gezahlt. In der Nachbarb├╝rgermeisterei Grieth wurden nahezu 200 Malter, hier aber nur 8 ┬Ż Malter abgeliefert.

Am 8. Juli 1840 wurde die neue Marktordnung genehmigt, nach der noch ein dritter Markttag und zwar der Freitagsmarkt eingelegt wurde. Der erste dieser M├Ąrkte war am Freitag, den 25. Oktober.

Am 13. August wurde dem Lambert V├Âlkers aus Oldensaal die Neupflasterung der Kesselstra├če ├╝bertragen. F├╝r jede wirkliche verarbeitete Rute erhielt er 1 Taler 18 Sgr., mu├čte aber alle Materialien selbst liefern. Die Arbeiten begannen am 14. Aug. und wurden im folgenden Monat beendet. Sie haben einen Kostenaufwand von 412 Taler verursacht.

Am 1. September 1840 wurde eine dritte Klasse an der hiesigen kath. Volksschule eingerichtet und Herr Johann Franz Haan als dritter Lehrer ernannt. Dieser versah gleichzeitig den Organistendienst in der Kirche.

Am 1. Oktober trat der zum ersten Lehrer ernannte Herr Heinrich Oeben sein Amt ein. Beide Lehrer bezogen au├čer ihrem Gehalt noch ein Schulgeld
 (52) von 3 Groschen pro Kind und Monat, indessen mu├čte Lehrer Oeben f├╝r ein besonderes Fixum, das er aus der Armenkasse behielt, die armen Kinder unentgeltlich unterrichten.

Im September wurde der Kalvarienberg auf dem Friedhof vor dem Altcalcarertor, der mit der Front nach Osten stand, abgebrochen und ein neuer, dem Eingang zum Friedhof gegen├╝ber, auf Kosten der kath. Kirche erbaut.

Schon im Jahre 1839 war seitens der Stadt ein Antrag auf Schiffbarmachung der Kalflak gestellt worden. Demzufolge erhielten im Oktober 1840 Bauf├╝hrer Keller aus Xanten und Geometer Rheindorff den Auftrag, den Wasserlauf zu nivellieren und einen Kostenanschlag aufzustellen. Wegen des hohen Wasserstandes und des fr├╝h eingetretenen Frostwetters konnten die Vorarbeiten jedoch nicht sofort aufgenommen werden.

Die durch die Eheleute Matthias Frambach der hiesigen katholischen Kirche vermachte Schenkung von ca. 6000 Talern ist im November 1840 Allerh├Âchst genehmigt worden; sie war f├╝r kirchliche und Armenzwecke bestimmt.

Der Winter des Jahres 1840/41 war durchgehends kalt und streng. Am 26. Dezember setzte sich das Eis im Rheine oberhalb Rees fest; von Rees bis Grieth blieb aber noch mehrere Tage lang blankes Wasser. Der Stand des Eises bei Rees war sehr gefahrdrohend, weil das Eis sich haushoch aufeinander geschoben hatte. Am 10. Januar 1841 setzte Tauwetter ein und am 15. und 16. Januar brach das Eis bei Rees, Grieth und Emmerich, setzte sich bei Bimmen und Lobith aber wieder fest, wodurch eine solche Stauung entstand, da├č das Wasser in weniger als 24 Stunden ├╝ber 21 Fu├č stieg und am 21. Januar eine H├Âhe von 22 Fu├č 1 ┬Ż  Zoll erreichte. Die Gemeinden Bylerward, Huisberden, Emmericher -Eyland und der Polder Bovenholt wurden ├╝berschwemmt. Das Wasser lief bereits ├╝ber den Deich von Gansenland und Grietherfeld. Zum Gl├╝ck begann es aber schnell zu fallen und so blieb die Stadt Calcar von einer Ueberschwemmung verschont. So drohend auch der Stand des Rheines oberhalb Rees war, so ging der Eisgang doch ohne Schaden anzurichten von statten. Die Deiche haben keine Besch├Ądigungen erlitten mit Ausnahme des Schaardeiches zu H├Ânnepel, in dem eine Senkung entstand. Es war gut, da├č diese erst nach dem Eisgang und dem hohen Wasserstande erfolgte, weil sonst ein Dammbruch
 (53) sehr wahrscheinlich gewesen w├Ąre. Im Februar fror der Rhein zum zweitenmale zu, aber auch jetzt sind gr├Â├čere Sch├Ąden an Deichen usw. nicht angerichtet worden. 

Die Bev├Âlkerung Calcars am Schlu├če des Jahres 1840 betrug 1669 Katholiken, 109 Protestanten und 91 Juden, zusammen 1869 Seelen. An Geb├Ąuden waren vorhanden: Gottesh├Ąuser: 3, Schulen: 2, Armenh├Ąuser: 2, sonstige kirchliche oder communale Geb├Ąude: 9, Wohnh├Ąuser: 307, Scheunen und Schuppen: 120, Wind- und Wasserm├╝hlen je 2.

Am 4. Januar  1841 wurde von der Regierung zu D├╝sseldorf der am 17. November 1840 vor Notar Thomae zu Cleve get├Ątigte Kaufakt, wonach die Eheleute Johann Schweinem und Petronella geb. Lapp das an der Grabenstra├če gelegene, fr├╝her einen Fl├╝gel des ehemaligen Brigittinerklosters bildende Haus Nr. 129 sowie einen Teil an der westlichen Seite dieses Hauses gelegenen Gartens an die katholischen Armen verkauft haben. Gem├Ą├č Contrakt  haben die Armen zwischen dem Garten der Verk├Ąufer und dem davon angekauften Teile und zwar auf dem Grund und Boden dieses Teiles eine Scheidemauer von 6 ┬Ż Fu├č errichtet, die Eigentum der Armen bleibt. Im Sommer wurden im unteren Teil dieses Klosterfl├╝gels 12 Wohnungen eingerichtet, die teilweise im Herbst von Armen bezogen wurden. Bei diesem Umbau wurden die Steine verwendet, die beim Abbruch des gro├čen Armenhofes gewonnen worden waren.

Die katholischen Armen Calcars hatten bis dahin zwei Armenh├Âfe, n├Ąmlich den gro├čen Armenhof mit 13 Wohnungen auf der Herrenstra├če, genannt Peter Huysenshoff, und den kleinen Armenhof mit 5 Wohnungen in der Kesselstra├če, genannt St. Laurentihof. Beide Armenh├Âfe waren aber sehr bauf├Ąllig und schlecht eingerichtet. Zuerst hatte man die Absicht, einen neuen Armenhof dort, wo der gro├če stand, zu bauen, da aber die Kosten auf 2500 Taler veranschlagt worden waren, wurde es vorteilhafter gefunden, den obengenannten Klosterfl├╝gel anzukaufen. Der Kaufpreis und die Einrichtungskosten sind teils aus dem Ertrage der Tannenholzverk├Ąufe auf Kohlenbrendershof zu Uedemerbruch, teils aus dem Erl├Âs f├╝r den kleinen Armenhof, der am 21. Mai 1841 an den Kleinh├Ąndler Heinrich Dellemann f├╝r 675 Taler verkauft wurde, gedeckt worden. Der gro├če Armenhof wurde abgebrochen und die Materialien teils verkauft, teils zum Ausbau des Klosterfl├╝gels,
 (54) wie bereits oben erw├Ąhnt, verbraucht. Der Platz, auf dem der gro├če Armenhof gestanden hat, ist der Stadt gegen eine Entsch├Ądigung ├╝berlassen und auf ihm eine Gemeindeschule (siehe unten) erbaut worden. Die Scheidemauer, die an der Nordseite diese Platzes steht, ist die alte Umfassungsmauer des Armenhauses, worauf das Dach ruhte, soda├č die Dachtraufe an der Nordseite dieser Mauer war. Die Stadt besetzt daher nicht nur die Mauer, sondern hat auch ein Recht auf die Dachtraufe in Breite von wenigstens neun Zoll au├čerhalb der Mauer.

Am 1. Mai wurde in Cleve das 25-j├Ąhrige  Amtsjubil├Ąum des Landrats von der Mosel gefeiert. Diese Feier war von den B├╝rgermeistern und Beigeordneten des Kreises arrangiert worden. Sie hatten einen kostbaren Pokal in Berlin anfertigen lassen und lie├čen ihn durch den B├╝rgermeister Robbers von Calcar als Senior unter den B├╝rgermeistern des Kreises ├╝berreichen.

Am 16. August 1841 wurde der Neubau der vorerw├Ąhnten Schule ├Âffentlich vergeben. Mit dem Unterricht in der ersten Klasse konnte am 8. November desselben Jahres begonnen werden. Der Bau hat mehr als 1200 Taler gekostet.

In diesem Jahre wurde eine Wohnung im Erdgescho├č an der Nordseite des Rathauses eingerichtet, in der Wachtstube ein neuer Fu├čboden gelegt und der Eingang zu derselben im n├Ârdlichen Giebel des Rathauses angebracht.

Im Jahre 1841 wurde die Hohe Stra├če bedeutend abgetragen und planiert, um die tiefe Wasserrinne  an der ├Âstlichen Seite der Stra├če verschwinden zu lassen. Es wurde bei dieser Arbeit ein altes Stra├čenpflaster 1 ┬Ż bis 2 Fu├č unter der Erde vorgefunden. An manchen Stellen war sogar noch ein darunterliegendes weiteres Pflaster nachweisbar. Zu beiden Seiten der Stra├če wurden Rinnen angelegt und die Stra├če selbst mit Grand befahren. Das auf dieser Stra├če stehende Seilerh├Ąuschen wurde abgebrochen und dem Eigent├╝mer, der eine Entsch├Ądigung von 20 Talern f├╝r den Abbruch erhielt, ein Platz zur Errichtung eines neuen Seilerh├Ąuschens vor dem Hanselaertore angewiesen.

 

Seitdem der F├Ąhrkopf, durch den die alte M├╝ndung des Kalflaks zuged├Ąmpft worden, der Stadt Emmerich gegen├╝ber angelegt ist, hatte die Schifffahrt auf dem Kalflak fast ganz aufgeh├Ârt; die Einfahrt
(55) in ihm war nur bei hohem Wasserstand m├Âglich.

Die Ernte des Jahres 1842 war im allgemeinen mittelm├Ą├čig; die Getreidepreise waren hoch, der Roggenpreis stieg auf 9 Taler pro Malter.

Die Lungenseuche, die seit einigen Jahren unter den Rindviehbest├Ąnden der hiesigen Gegend herrschte, ist in diesem Jahre nur vereinzelt aufgetreten, dagegen umso mehr die Zungen- und Klauenkrankheit (heute Maul- und Klauenseuche genannt). Sie trat indessen nicht heftig auf und es krepierte nur wenig Vieh.

In diesem Jahre ist die Grabenstra├če von der sogenannten Gasthauskirche bis an den Baumgarten des ehemaligen Dominikanerklosters neu gepflastert worden, ebenso die Herrenstra├če von der Pastorat bis an die neue katholische Schule. Von hier aus bis an die G├Ąrten wurde sie planiert und mit Grand belegt, ebenso der Schulhof und die Steege zur Monrestra├če hin. Auch wurden hier Wasserrinnen angelegt. Die Pumpe die in der N├Ąhe der Schule fast in der Mitte der Stra├če stand, wurde zur Seite nahe an die Gartenhecke versetzt und der alte Brunnen ged├Ąmpft. Dies geschah auf Kosten der Stadt, weil diese die Versetzung der Pumpe veranla├čt hatte, die fernere Unterhaltung der Pumpe fiel aber nach wie vor dem ÔÇ×Pumpenrott“ zur Last.

Im Jahre 1842 wurde der evangelische Pfarrer Roshoff nach Cronenberg und der katholische Pfarrer Horsten zu Altcalcar nach Veert versetzt. An die Stelle des ersteren wurde Herr Gr├Ąber und an die Stelle des letzteren Herr Steiner, bis dahin Kaplan zu Geldern ernannt. Am 1. Oktober hat Herr Kaplan R├╝tjes seine Stelle niedergelegt und eine Reise nach S├╝ddeutschland und Italien angetreten. An seine Stelle kam im November Herr Rudolf Wahl, bisher Kaplan in B├╝derich, nach hier.

Im selben Jahre hat Herr Steuereinnehmer Haal die beiden alten H├Ąuser Nr. 243 und 244 in der Monrestra├če abgebrochen und an deren Stelle ein neues Haus errichtet. Ferner hat Heinrich Knieriem in der Altcalcarstra├če zwischen den H├Ąusern Nr. 2 und 3 ein neues Wohnhaus erbaut; es war dort vorher ein freier Platz.

Der Winter 1842/43 war sehr gelinde. Es trat zwar ab und zu Frostwetter ein, die K├Ąlte war aber sehr gut ertr├Ąglich. Vom 11.Februar ab fiel sehr viel Schnee, der bis Ende des Monats liegen blieb.
 (56) Seit langer Zeit war Schnee nicht in solcher Menge gefallen.

Der alte Kirchhof an der katholischen Pfarrkirche wurde im Jahre 1843 angeh├Âht und planiert, wozu mehr als 1000 Karren Grand vom Bollwerk verwendet wurden. Ferner wurden neue Rinnen um die Kirche angelegt. Die Stra├če von der Wohnung des K├╝sters bis an die katholische Schule und von dieser bis an die Monrestra├če wurde neu gepflastert. Die aus Blei gearbeiteten Dachrinnen der kath. Kirche waren verschlissen und wurden in diesem Jahre durch eiserne ersetzt. An der evangelischen Kirche wurden umfangreiche Reparaturen vorgenommen, zu deren Kosten die Stadt 130 Taler beigesteuert hat.

An neuen H├Ąusern wurden in diesem Jahre au├čer den obenerw├Ąhnten gebaut von Wilhelm Becker die H├Ąuser Monrestra├če Nr. 245 und 246, von August van Gemmeren das Haus Nr. 247 und von Lambert Gossens das Haus Nr. 2 in der Altcalcarstra├če.

Auf den regierungsseitig genehmigten Antrag des Gemeinderates wurden Plan und Kostenanschlag zur Schiffbarmachung des Kalflaks von Calcar bis zur M├╝ndung in den Rhein angefertigt. Hiernach waren die Kosten berechnet worden auf rund 30000 Taler und die Anlage eines Hafens auf 12000 Taler, insgesamt also auf 42000 Taler. Von der Anlegung eines Hafens wurde aber vor der Hand Abstand genommen. Zur Deckung der Kosten f├╝r die Schiffbarmachung des Kalflaks wurde ein Zuschu├č  von 10000 Taler bei der Regierung beantragt, die noch verbleibenden Kosten von 20000 Talern wollte die Stadt ├╝bernehmen. Der Antrag wurde aber vom Ministerium abgelehnt, der Stadt jedoch freigestellt, den Bau auf eigene Rechnung auszuf├╝hren. Es wurde nun beantragt, da├č der Staat die M├╝ndung des Kalflaks in den Rhein wieder herstellen m├Âge, die Verhandlungen sollten alsdann von neuem aufgenommen werden.

Am 12. Dezember 1843 abends 11 Uhr starb im Alter von beinahe 79 Jahren an Altersschw├Ąche Gerhard Theodor Robbers, B├╝rgermeister und Notar zu Calcar und wurde am 15. desselben Monats beerdigt. Geboren im Tiergarten bei Cleve, hat er den gr├Â├čten Teil seines Lebens in Calcar verbracht. Er war zuerst Sekret├Ąr des Magistrats und des Stadtgerichts von Calcar, dann Kreiseinnehmer der Aemter Altcalcar und Grieth und zuletzt Notar und B├╝rgermeister von Calcar. Er geriet zwar leicht in
 (57) Eifer und Aufregung, war aber auch ebenso schnell wieder bes├Ąnftigt; er war im ├╝brigen offen, aufrichtig, rechtschaffen, mitleidig und wohlt├Ątig. Unter seiner Verwaltung ist hier viel Gutes geschehen.

Der Winter des Jahres 1843/1844 war bei vorherrschendem S├╝d- und S├╝dwestwind gelinde und na├č. Gegen Mitte Januar stellte sich ein kurzer, aber starker Frost ein, so da├č der Rhein bald mit Eis trieb. Er hat sich in der hiesigen Gegend aber nicht gestellt. Der Wasserstand war den ganzen Winter hindurch anhaltend niedrig. Am 2. M├Ąrz stieg das Wasser jedoch hier auf 22 Fu├č 4 Zoll Pegelh├Âhe, wodurch die B├╝rgermeistereien Grieth, Appeldorn und Calcar, darunter auch die Stadt Calcar, zum gr├Â├čten Teil ├╝berschwemmt wurden.

Seit einigen Jahren wurde Mittwochs, Freitags und Samstags jeder Woche auf dem Marktplatze zu Calcar Gem├╝semarkt abgehalten. In diesem Jahre wurde der Markttag von Samstag auf Montag verlegt. Auch fanden bisher im Oktober zwei Flachsm├Ąrkte statt und zwar am ersten und am letzten Donnerstag. Der Flachsmarkt am ersten Donnerstag im Oktober wurde ganz aufgehoben, weil er zu fr├╝h war und deshalb keine Bedeutung hatte. Der andere wurde vom letzten auf den vierten Donnerstag verlegt, weil der letzte Donnerstag im Oktober von Zeit zu Zeit auf den Tag vor Allerheiligen fiel und der Flachsmarkt dann wegen dieses f├╝r einen Markt ungeeigneten Tages wenig besucht wurde.

In diesem Jahre hat Hermann Knieriem sein Haus Nr. 1 in der Altcalcarstra├če abgebrochen und wieder neu aufgebaut.

Die Wallstra├če wurde von der Altcalcarstra├če bis zum Kesseltor ganz planiert und mit Grand und Kies befahren. Ein Teil des Gartens des Heinrich Becker wurde erworben, um der Stra├če beim Ausgang am Kesseltor eine gerade Richtung zu geben. Die Pflasterarbeiten haben etwa 74 und die Erdarbeiten 70 Taler gekostet.

Im Februar des Jahre 1844 hat Johann Baptist Lenz bis dahin Notar in Waldbroel, das Notariat in Calcar angetreten.

Der Winter 1844/45 war anhaltend strenge. Im Dezember herrschte eine derartige K├Ąlte, da├č fast alle Fl├╝sse in den Niederlanden zufroren. Mitte M├Ąrz wurden 15 bis 16 Grad K├Ąlte gemessen. Am 4. M├Ąrz setzt sich der Rhein in der hiesigen Gegend fest. Die ├Ąltesten Leute erinnerten sich nicht, da├č dies je so sp├Ąt geschehen. Am 22. M├Ąrz stellte sich
 (58) pl├Âtzlich starkes Tauwetter ein und am 24. M├Ąrz setzte sich der Rhein in Bewegung. Bei Grieth staute das Eis sich und schob sich bis zu einer H├Âhe  von 15 Fu├č ├╝bereinander. Einige Tage darauf kam wieder Bewegung in die Eismassen und bald darauf war der Rhein wieder gl├╝cklich eisfrei. So endete der Winter, nachdem mit kleinen Unterbrechungen stets eine gro├če K├Ąlte geherrscht hatte.

Es war hier eine allgemeine Sage, und man erz├Ąhlte es sich als eine Merkw├╝rdigkeit, da├č vor hundert Jahren – es wurde das Jahr 1740 genannt, - Ostereier auf dem Eise des Rheines gegessen worden seien. Dieses ist tats├Ąchlich auch in diesem Jahre geschehen. Am Ostertage, den 23. M├Ąrz, sind in der hiesigen Gegend vielerorts die Ostereier auf dem Rheineise gegessen und abends auf dem Eise Osterfeuer angez├╝ndet worden. Es geschah hierbei einigemale, da├č, w├Ąhrend man sich noch mit den Feuern besch├Ąftigte, das Eis sich in Bewegung setzte und die Eisschollen mit den hell brennenden Feuern den Rhein hinabtrieben. Es ist vorgekommen, da├č sich einzelne, die der Gefahr trotzdem und bis zum letzten Augenblick beim Feuer blieben, nur mit M├╝he das Ufer wieder erreichen konnten.

 

Durch den starken Andrang des Wassers vom Oberrhein  zeigte der Pegel am 30. und 31. M├Ąrz einen Wasserstand von 22 ┬Ż  Fu├č und am 4. April stieg das Wasser bis zu 23 Fu├č 11 Zoll. Es lief ├╝ber alle Sommerdeiche und die Stadt Calcar und Umgegend  standen vom 31. M├Ąrz bis 6. April ganz unter Wasser. Eines solch hohen Wasserstandes bei einem blanken Wasser wu├čte sich niemand zu erinnern. Au├čer einem  Durchbruch im Deiche bei Wissel erlitten die Deiche keine besonderen Besch├Ądigungen und sonstige Ungl├╝cke sind bei diesem Hochwasser hier nicht vorgekommen.

 

Die Grabenstra├če wurde von dem Markt liegenden Eckhause bis ├╝ber die Klostersteege hinaus neu gepflastert und weiterhin bis an die Serviettenstra├če planiert.

Herr Steuereinnehmer Haal lie├č das Haus Nr. 137 auf der Grabenstra├če abbrechen und ein neues an dessen Stelle aufbauen. (Jetzige Haus de Poel).

Die Ernte des Jahres 1845 war im allgemeinen gut, doch waren die Kartoffeln, obwohl sie anfangs viel versprachen , fast ganz mi├čraten. Schon fr├╝h im Sommer trat bei Utrecht in Holland eine b├Âsartige Kartoffelkrankheit auf, die sich immer mehr ausbreitete und auch in unserer Gegend ihren Einzug
(59) hielt. Die Kartoffeln bekamen ├Ąu├čerlich schwarze und innerlich r├Âtliche Flecken oder Ringe; gekocht hatten sie einen ├╝blen Geruch und Geschmack und waren f├╝r Menschen nicht genie├čbar. Doch wurden sie noch als Futter f├╝r das Vieh verwendet. Das Wasser, in dem Kartoffeln gekocht wurden, mu├čte mehrmals abgegossen und durch frisches ersetzt werden, weil der Gestank, den es verbreitete, unertr├Ąglich war. Am besten war es, die Kartoffeln in Dampf zu kochen. Kartoffeln auf schweren Boden wurden am st├Ąrksten von der Krankheit befallen. Die auf leichtem, sandigen Boden gewachsenen waren besser geraten und hielten sich in Sand gelagert, auch einigerma├čen. Die ├Ąltesten Leute erinnerten sich nicht des Auftretens dieser Kartoffelkrankheit. Die Ursache derselben war auch unbekannt und wurde nicht ermittelt. Der N├Ąsse des Jahres konnte sie nicht gut zugeschrieben  werden, weil diese in fr├╝heren Jahren mitunter bedeutend gr├Â├čer war und trotzdem sich diese Krankheit nicht gezeigt hatte. Da├č die Kartoffeln durch diese Mi├černte knapp und teuer wurden, braucht nicht besonders hervorgehoben werden; der Sack kostete 2 Taler und dar├╝ber.

 

Am 17. Februar starb Peter Reiner Wolff nach einem dreiw├Âchigen Leiden an der Wassersucht. Er war geboren zu Calcar am 26. Februar 1769, begann seine Studien an der hiesigen Rektoratsschule und beendete sie an der damaligen Hochschule in K├Âln. Am 13. November 1796 wurde er daselbst zum Priester geweiht, wurde Vikar an der hiesigen Pfarrkirche und Rektor der Rektoratsschule, welches Amt er mit gro├čem Eifer sieben Jahre inne hatte. Bei der Neuorganisation der Pfarreien im Jahre 1804 wurde er Pfarrer von Altcalcar. Zuletzt war er Vikar der Willemsen-Stiftung. Nachger├╝hmt wurde ihm seine Leutseligkeit, Herzensg├╝te und Mildt├Ątigkeit. Seine Stelle erhielt Herr Heinrich R├╝tjes, fr├╝her Kaplan an der hiesigen Kirche.

Im Fr├╝hjahr hat die Familie Schnapp damit begonnen, in einem vor dem Kesseltor neuerbauten Kalkofen Kalk zu brennen.

Am 5. August wurde Johann Hermann Eduard Backer als B├╝rgermeister seiner Heimatstadt von dem Landrat von der Mosel auf dem Ratshause vereidigt und in sein Amt eingef├╝hrt. Er war, wie bereits an anderer Stelle erw├Ąhnt, fr├╝her B├╝rgermeisterei-Sekret├Ąr von Calcar und seit 1833 B├╝rgermeister von Appeldorn. Seit dem Tode des B├╝rgermeisters Robbers leitete der erste Beigeordnete
(60) Hangkamer die Verwaltung der B├╝rgermeisterei Calcar.

Am 16. Dezember 1844 hat die katholische Kirchenverwaltung von den Eheleuten Johann Josef van der Heyden und Gerhard Verf├╝rden das an der Herrenstra├če gelegene Haus nebst Garten f├╝r 1400 preu├č. Talern erworben, um es als Wohnung f├╝r den zweiten Kaplan einzurichten. Nachdem die Genehmigung zu diesem Ankauf h├Âheren Orts erteilt worden war, wurde der Kaufakt vor dem Notar Lenz am 20. August 1845 get├Ątigt. Der zweite Kaplan, Herr Wahl, bewohnte dieses Haus bereits seit einiger Zeit zur Miete.

Am 14. Juli starb der Jubilark├╝ster an der hiesigen Pfarrkirche Theodor Scherder. Er war geboren zu Kessel am 18. Mai 1767 und K├╝ster hierselbst seit dem 6. Mai 1792. Ihm folgte im Amt sein Sohn Johann Scherder.

Im Herbst des Jahres 1845 stiegen alle Lebensmittel au├čerordentlich im Preise; u. a. Kostete ein  Brot von 10 Pfd. 8 bis 9 Groschen. Die Ursache dieser Preissteigerung war die Kartoffelmi├černte. Zur Linderung der Not wurden Listen in der hiesigen Stadt in Umlauf gesetzt, in denen Beg├╝terte Geldspenden eintragen konnten. Es kamen 225 Taler auf, f├╝r die Roggen zur Brotherstellung gekauft wurde. 124 bed├╝rftige Einwohner bzw. Familien erhielten Brotspenden und zwar in den Monaten Januar, Februar und M├Ąrz w├Âchentlich ein ganzes oder ein halbes Brot je nach der Gr├Â├če der Familie. Ein Brot von 10 Pfd. Wurde f├╝r 4 Groschen ausgegeben. Die notorisch Armen blieben aber von dieser Spende ausgeschlossen und fielen nach wie vor dem Armenfond zur Last.

Der Anfang des Jahres 1846 stand wieder unter dem Zeichen des Hochwassers. Den h├Âchsten Wasserstand verzeichnete der Pegel am 30. Jan.; das Wasser hatte an diesem Tage eine H├Âhe von 22 Fu├č 6 Zoll erreicht. Im Wisselschen Deiche entstand ein Durchbruch. Das Wasser lief ├╝ber die Deiche zwischen Calcar und Grieth und die Stadt Calcar und Umgegend wurden ├╝berschwemmt. Der Marktplatz stand 3 bis 4 Tage unter Wasser.

Im Monat Juni 1846 wurde der erste Kaplan Herr Theodor Langen von hier als Kaplan nach St. Hubert versetzt; an  seine Stelle trat Herr Kaplan Wahl. Als zweiter Kaplan wurde Herr Karl Jaspers aus Emmerich ernannt; derselbe hat seine Stelle im August angetreten.

(61) Am 31. Juli starb Dr. med. Peter Koenen, Mitglied des Kirchennrats. Als sein Nachfolger lie├č sich Herr Dr. Josef Hangkamer als Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer hier nieder.

In der Nacht vom 27. zum 28. September 1846 entschlummerte Herr Johann Heinrich Janssen Kantonpfarrer von Calcar, nach einem kurzen Leiden sanft zu einem besseren Jenseits. Am Morgen des 28. September 1846 wurde er tot in seinem Bett aufgefunden. Er lag, als wenn er schlief, keinerlei Anzeichen eines Todeskampfes waren an ihm wahrzunehmen. Solange er hier gewesen, war er schwach und kr├Ąnkelnd, er litt besonders an Verschleimung und Magenschw├Ąche. Am 10. Oktober 1789 zu Schierwaldenrath im Kreise Heinsberg geboren, begann er in seinem Heimatorte seine Studien und setzt sie sp├Ąter in K├Âln fort. Am 5. M├Ąrz 1814 wurde er  in M├╝nster zum Priester geweiht und am 12. desselben Monats vom Generalvikariat Aachen als Vikar der Muttergottes-Kapelle nach Kevelaer berufen. Am 28. Februar 1818 wurde er dann Rektor dieser Kapelle und zum Oeconom des ehemaligen Oratoriums daselbst ernannt. Hier erhielt er dann noch seine Ernennung als Ejaminator synodalis f├╝r die Kantone Geldern, Goch und Cranenburg. Am 30. Nov.  1833 wurde er als Kantonpfarrer von Calcar ernannt und am 30 Dezember feierlich eingef├╝hrt. Bei der Errichtung der Dekanate  im Jahre 1837 wurde er am 29. August desselben Jahres Landdechant  des Dekanates Calcar. Nach seinem Tode hat der erste Kaplan Herr Wahl die Pfarre bis Dezember verwaltet.

 

Am 3. Dezember 1846 wurde Herr Kaplan Stephan van Haag von dem Bistumsverweser Dr. Melchers vorl├Ąufig als Verwalter er verwaisten Pfarre ernannt. Er war f├╝r die definitive Besetzung der erledigten Pfarrstelle ausersehen, konnte aber als Pfarrer aus bestimmten Gr├╝nden nicht sofort ernannt werden. Er hat sein Amt als Pfarrverwalter am 1. Januar angetreten.

Herr van Haag war am 23. Juni 1799 zu Till geboren. Nachdem er einige Jahre bei dem Pfarrer Janssen zu Grieth Privatunterricht genossen hatte, ging er Herbst 1812 zum Gymnasium in Dorsten, wo er die drei oberen Klassen absolvierte. Im Herbst 1815 begab er sich nach M├╝nster, wo er bis Ostern 1820 Philosophie und Theologie h├Ârte, ging darauf nach Bonn und setzte auf der Universit├Ąt daselbst seine Studien noch 2 ┬Ż Jahre fort. Im Herbst 1822
(62) trat er in das Seminar zu K├Âln ein, als aber um Ostern 1823 die Clever Gegend mit dem Bistum M├╝nster vereinigt wurde, ging er von K├Âln wieder nach M├╝nster, wo er sofort zu den Examinas zugelassen und am 28. Juni zum Priester geweiht wurde. Im August desselben Jahres trat er die zweite Kaplanstelle in Calcar an, die er bis zum 1. November 1827 inne hatte. Alsdann kam er als j├╝ngerer Kaplan nach Rees. Als solcher hat er am 23. Dezember die neue Kirche zu Rees im bisch├Âflichen Auftrage benediciert. Als der erste Kaplan Wampach am 3. September 1839 starb, wurde Herr van Haag zu seinem Nachfolger ernannt. Diese Stelle bekleidete er bis zum  1. Januar 1847, dem Tage des Antritts seines neuen Amtes in Calcar.

 

Im Jahre 1846 hat Abraham Spier das Haus auf der Ecke der Wall- und Altcalcarstra├če abbrechen und ein neues errichten lassen. In der Serviettensteege wurden zwei neue Wohnungen f├╝r die katholischen Armen gebaut und im Kloster-Armenhof vier weitere Wohnstuben eingerichtet. Gr├Â├čere bauliche Aenderungen  wurden auch in dem  kath. Pastorat vorgenommen.

 Die Chaussierung des Gocherweges, soweit er im B├╝rgermeistereibezirk liegt, wurde in diesem Jahre vollendet.

Am 26. Juli 1846 wurden die am 15. Mai 1845 neu entworfenen Statuten der Hagenschen Studienstiftung  vom Ministerium auf Grund einer Allerh├Âchsten Kabinettsorder genehmigt und im hiesigen Pfarrarchiv hinterlegt.

Im Herbst 1846 waren die Herren Direktor Schadow und Professor B├╝sen  aus D├╝sseldorf und der Generaldirektor der Museen in Berlin, von Olfers, in dienstlichem Auftrage hier anwesend, um in der Kirche diejenigen Gem├Ąlde zu ermitteln, die auf Staatskosten restauriert werden sollten. Es wurden hierf├╝r nur die Gem├Ąlde des Hochaltars und die Kreuzigung Christi auf dem St. Joahnnischor aus ersehen.

Ende 1846 betrug die Bev├Âlkerung der B├╝rgermeisterei Calcar 2673 Katholiken, 479 Protestanten und 86 Juden, zusammen 3238 Seelen; davon entfielen auf die Stadt Calcar 1842 Katholiken, 116 Protestanten und 83 Juden, insgesamt 2041 Seelen.

Der Winter 1846/47 war anhaltend kalt; von Anfang Dezember 1846 bis Mitte M├Ąrz 1847 herrschte mit geringen Unterbrechungen Frost und es fiel viel Schnee.

(63) Der Roggen war im Jahre 1846, wie bereits erw├Ąhnt ganz mi├čraten. Durch diese Mi├černte entstand im Winter 1846/47 gro├če Not. Die Stadtverwaltung sah sich deshalb veranla├čt, besondere Ma├čnahmen zur Linderung derselben zu ergreifen. Sie richtete eine Suppenanstalt f├╝r gew├Âhnliche Arbeiter und kleinere Handwerker  ein. Die notorisch Armen hatten keinen Anteil hieran. Die Suppe wurde von Erbsen, Kartoffeln, Gerste und etwas Speck gekocht und vom 21. Januar 1847 bis zum 1. April t├Ąglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, insgesamt an 59 Tagen, verabreicht. W├Ąhrend dieser Zeit sind ausgegeben worden 28 Portionen zu 1 ┬Ż Quart oder 1652 Portionen und 68 Portionen zu 2 ┬Ż  Quart oder 4012 Portionen gegen Bezahlung und sp├Ąter im April noch 372 Portionen unentgeltlich. Jede Portion kostete etwa 12 Pfg.  Aus abgehaltenen Konzerten kamen der Suppenanstalt 9 Thl. Zugute und der Rest wurde aus Gemeindemitteln bestritten. Wie gro├č die Not war, l├Ą├čt sich  daraus ersehen, da├č im Winter ein Malter Roggen 12-14 Thl. Und ein Sack Kartoffeln von 2 Scheffeln 2 Thl. kostete. Im Mai und Juni stieg der Roggen auf 21. Thl. Pro Malter und die Kartoffeln auf 3-4 Thl. Pro Sack und doch konnte man bei den Kartoffeln nicht von einer Mi├černte sprechen. Die starke Ausfuhr nach dem nahen Holland wirkte aber preistreibend. Auf dem hiesigen Wochenmarkte kostete ein Viertel Spint oder Metz 4 Sgr. und mehr. Ein Brot im Gewichte von 10 Pfd. erreichte den Preis von 14. Sgr. 2 Pfg. Ohne Zufuhr aus Ru├čland und besonders aus Amerika w├Ąre ein g├Ąnzlicher Mangel an Getreide und wahrscheinlich ausgesprochene Hungersnot entstanden.

Die Auswanderungen nach Amerika, welche seit einigen Jahren stark zugenommen hatten und die schlechten Zeiten im Vaterlande brachten auch hier einige Familien auf den Gedanken, auszuwandern, durch dringendes Abraten gaben sie aber ihren Plan wieder auf.

Fr├╝hling und Sommer des Jahres 1847 waren sehr g├╝nstig f├╝r das Gedeihen der Fr├╝chte, auch war die Ernte gut ausgefallen. Der Buchweizen war jedoch mi├čraten, die Kartoffeln waren auch wieder von der Kartoffelkrankheit des Vorjahres befallen. Obst gab es in gro├čer Menge, ein Sack ├äpfel war f├╝r 10 Sgr. zu haben.

(64) In diesem Jahre wurde an Stelle des verstorbenen Landdechanten Janssen Herr Pfarrer Peter zu Niederm├Ârmter als Landdechant des Dekanates Calcar ernannt.

Am 17. Februar 1847 starb Gerhard Hagedorn in einem Alter von 89 Jahren. Er war ein Wohlt├Ąter der hiesigen Pfarrkirche. Vor mehreren Jahren hatte er ihr ein ansehnliches Kapital zur freien Verf├╝gung ├╝berwiesen, ferner hat er an der hiesigen Kirche 4 und zu Altcalcar 2 Anniversarien gestiftet.

In diesem Jahre wurde an der hiesigen katholische Schule noch eine vierte Klasse eingerichtet und der Hilfslehrer Anton Cornelius aus D├╝sseldorf als Lehrer nach hier berufen. Er starb aber bereits am 14. Juli. An seine Stelle wurde Friedrich Hartwich ernannt.

Der Friedhof f├╝r die katholischen Einwohner war zu klein geworden. Zu seiner Erweiterung wurde von der hiesigen Kirche ein Garten und vom Staate  ein ├Âder Platz angekauft. Der Garten kostete 80 und der Platz 30 Taler. Letzterer war bei Anlegung der neuen Landstra├če tief ausgegraben worden und glich einer Sandgrube. Die Stadt hatte ihn 1846 ausf├╝llen und planieren lassen. Am Wei├čen Sonntag nach dem Hochamte zog eine Prozession aus der Pfarrkirche nach dem Friedhofe, wo Herr Pfarrverwalter van Haag eine Ansprache hielt und alsdann  den neuen Teil des Friedhofes einweihte.

Am 13. November starb Witwe Matthias Frambach geborene Margareta Tenback, bekannt durch ihre und ihres Mannes Verm├Ąchtnisse an die hiesige Kirche. Mit ihrem Tode trat diese in den vollen Genu├č der Stiftungen, deren lebensl├Ąngliche Nutznie├čung sich die Eheleute Frambach vorbehalten hatten.

Seit langen Jahren bestand bei der hiesigen Kirche eine Rektoratschule, in der Sch├╝ler auf das Gymnasium vorbereitet wurden. Der Rektor dieser Schule war zugleich Vikar  bei der hiesigen Kirche. Letzter Rektor war Vikar Wolff, der bis 1804, wo er Pfarrer von Altcalcar wurde, der Schule vorstand. Der Unterricht unterblieb nun mehrere Jahre und zwar haupts├Ąchlich deshalb, weil es an einem Geistlichen fehlte, der sich mit der Schule befassen wollte. Es waren aber auch keine Mittel vorhanden, den Leiter der Schule ausreichend zu entsch├Ądigen. Indessen war es stets der Wunsch des Kirchenrats, die Rektoratschule wieder aufleben
 (65) zu lassen, weil sie f├╝r das Ansehen der Stadt von Bedeutung, dann aber auch in kultureller Hinsicht f├╝r die Stadt und Umgegend von Wichtigkeit war. Als daher Herr R├╝tjes im Jahre 1837 als zweiter Kaplan hier angestellt wurde, hat er auf Ersuchen des Kirchenrats die Schule wieder ├╝bernommen und als er im Jahre 1842 die Kaplaneistelle niederlegte, hat sein Nachfolger Herr Wahl den Unterricht fortgesetzt. Durch dessen Krankheit wurde Ostern 1847 der Unterricht abermals unterbrochen, bis schlie├člich am 1. Dezember desselben Jahres Herr Kaplan Jaspers und Herr Vikar Wolff sich den Unterricht teilten.

Bereits seit langer Zeit lag es in der Absicht des Kirchenrats , die Gem├Ąlde der hiesigen Nikolai-Pfarrkirche reinigen und restaurieren zu lassen, weil dieses, wie Sachverst├Ąndige behaupteten, not tat. Allein es fehlte  einerseits an Mitteln, die Kosten zu bestreiten, andererseits wu├čte man nicht so recht, wem man diese wichtige Arbeit anvertrauen sollte. Von mehreren Sachkennern wurde schlie├člich der Maler Groen aus Cleve als hierf├╝r geeignet in Vorschlag gebracht und infolgedessen beschlossen, mit ihm einen Versuch zu machen. Es wurde mit ihm 1845 das Uebereinkommen getroffen, das Gem├Ąlde, darstellend den Tod Marias, und die Fl├╝gel des St. Johannis-Altars f├╝r 75 preu├č. Taler zu restaurieren. Nach Verlauf von mehr als einem Jahre war Groen mit dem s├╝dlichen Fl├╝gel fertig und er war auch schon mit dem n├Ârdlichen Fl├╝gel vorgeschritten, als durch eine Verf├╝gung der Regierung zu D├╝sseldorf vom 22.Januar 1846 die Restauration bis auf weiteres eingestellt werden mu├čte. Die beiden Fl├╝gel wurden nun von Groen wieder abgeliefert und man fand sich f├╝r die geleistete Arbeit mit 27 Talern 20 Sgr. ,  mit ihm ab. Das Staatsministerium, das seit langer Zeit einen gro├čen Wert auf die Erhaltung der Gem├Ąlde der hiesigen Kirche legte, veranla├čte, wie bereits einmal erw├Ąhnt, da├č im Herbste 1846 Herr von Olfers, Direktor der Museen in Berlin, Herr von Schadow, Direktor der Kunstakademie zu D├╝sseldorf und Herr Prof. B├╝sen sich nach Calcar begaben um sich von dem Zustande der Gem├Ąlde zu vergewissern und gemeinschaftlich zu bestimmen, welche von ihnen auf Kosten des Staates zu restaurieren sei. Diese Herren sprachen sich dahin aus, da├č nur die Gem├Ąlde des Hochaltars und die Kreuzigung Christi als von ganz besonderem Werte auf Staatskosten
 (66) wiederherzustellen seien, die Kirche die Restauration der ├╝brigen Gem├Ąlde aber aus eigenen Mitteln bestreiten m├╝sse. Im April 1847 meldete sich Stanislaus de Pereira aus Amsterdam, wohnhaft in Neuwied, mit den besten Zeugnissen versehen, hier an und erbot sich, die Kirchengem├Ąlde sachgem├Ą├č zu reinigen. Man wurde mit ihm einig und er hat denn auch wirklich alle Gem├Ąlde der Kirche, mit Ausnahme der beiden von Groen restaurierten Fl├╝gel des Johannis-Altars, gereinigt. F├╝r diese Arbeit erhielt er 238 Taler. Au├čerdem hat er s├Ąmtliche Schnitzereien gereinigt, mit Ausnahme des vergoldeten Georgs-Altars, wof├╝r er 100 Taler erhielt.

Im Jahre 1847 wurde der Neubau des Hauses des Lambert Gossen in der Altcalcarstra├če vollendet; von der Ecke der Wallstra├če bis zum Altcalcartor war nunmehr eine geschlossene H├Ąuserreihe hergestellt. Bisher standen dort nur alte verfallene H├Ąuschen oder es waren leere Pl├Ątze vorhanden.

 

Der Winter des Jahres 1847/48 war bis zum 19. Dezember sehr milde. Dann aber setzt eine strenge K├Ąlte ein, so da├č der Rhein Mitte des Monats Januar zugefroren war. Am 5. Februar l├Âste sich das Eis aber auf und der Eisgang ging vor├╝ber, ohne da├č der Rhein aus seinen Ufern trat.

Fr├╝hling und Sommer des Jahres 1848 war hier im allgemeinen nicht viel zu sp├╝ren, es blieb alles ruhig.

Am 27. Juli 1848  starb der hier praktizierende Arzt Dr. Josef Hangkamer, betrauert von der ganzen Einwohnerschaft und der Umgegend. In der kurzen Zeit seiner T├Ątigkeit hat er sich durch seine Umsichtigkeit und T├╝chtigkeit, sowie gro├če Menschenfreundlichkeit die Achtung und Verehrung aller erworben. An seiner Stelle lie├č sich Herr Dr. Balduin M├Ânnig als Arzt hier nieder.

Der erste Kaplan, Herr Wahl von hier, wurde im Juli zum Pfarrer von Qualburg ernannt und im Monat September daselbst eingef├╝hrt. Die erste Kaplanstelle an der hiesigen Kirche wurde nun Herrn Kaplan Jaspers ├╝bertragen. Zweiter Kaplan wurde Herr Josef Frankeser, geboren zu Boisheim am 22. April 1825. Derselbe war um Ostern 1848

(67) in M├╝nster zum Priester geweiht; er hat die hiesige Stelle am 1. November 1848 angetreten.

Die Pfarrkirche war zuletzt im Jahre 1818 gek├Ąlkt (gewei├čt) worden; ein Neuanstrich war daher notwendig geworden. Viele waren der Ansicht, da├č das K├Ąlken (Wei├čen) bei einer alten Kirche wie der unsrigen nicht angebracht sei und da man unschl├╝ssig war, welche Farbe man ihr geben solle, wurde es f├╝r zweckm├Ą├čig gehalten, mit dem Dekorateur Stephani aus K├Âln, der gerade mit der Versch├Ânerung der Kirche in Cleve besch├Ąftigt war, R├╝cksprache zu nehmen. Dieser war ebenfalls nicht f├╝r das Wei├čen, sondern er schlug vor, der hiesigen Kirche einen ├Ąhnlichen Anstrich zu geben, wie ihm die Clever Kirche erhalten habe. Bei der dann von Herrn Stephani vorgenommenen Besichtigung der Kirche erkl├Ąrte er, da├č d die W├Ąnde und Pfeiler, welche sehr uneben waren, wenn nicht ganz, so doch zum gr├Â├čten Teil abgekratzt und neu verputzt werden m├╝├čten, wenn etwas Gutes geschaffen werden solle. Von den Proben, die er hier in der Kirche gemacht hatte, wurde eine in Gelbgr├╝nliche fallende Farbe angenommen, bestehend aus Umbra, Ocker und einem Gr├╝n, genannt ,,K├Âlnische Erde“.

Der Anstrich wurde, wie es sich von selbst versteht, mehr oder weniger dunkel, je nachdem mehr oder weniger Umbra, Ocker oder Gr├╝n (Tarvett) beigemischt war, daher erkl├Ąren sich auch die verschiedenen Farben der W├Ąnde, Pfeiler und der ,Gr├Ąten“ am Gew├Âlbe. Die vorgenannten Farben wurden mit Kalk vermischt und hiermit der Anstrich in der gew├Âhnlichen Art ausgef├╝hrt. Die Striche l├Ąngs der Gr├Ąten am Gew├Âlbe waren von Neurot, gemischt mit Leimwasser, dagegen die Verzierungen an den S├Ąulen, wozu mahagonierot und gelber Ocker gebraucht war, von Oelfarbe. Herr Stephan hat die Leitung und Beaufsichtigung der Arbeiten ├╝bernommen. Sp├Ąter unternahm er es auch noch, das Tabernakel auszubessern, das Fehlende zu ersetzen, das Ganze in den urspr├╝nglichen Zustand wiederherzustellen und nach dem alten Stil zu verzieren. Daf├╝r erhielt er 90 pr. Taler.

Mit den obenerw├Ąhnten Arbeiten wurde am 10. August begonnen. Am 16. Oktober war das Hochchor, mit dem der Anfang gemacht worden war, fertig. Alsdann wurde mit dem Johannischor begonnen und dieses binnen einem Monat fertiggestellt. Das Gew├Âlbe dieser Ch├Âre mu├čte oftmals ausgebessert
(68) und die W├Ąnde abgekratzt und neu verputzt werden.

Beim Abkratzen der W├Ąnde fand man, da├č urspr├╝nglich mehr Vertiefungen in den W├Ąnden der beiden Ch├Âre waren, die aber sp├Ąter zugemauert worden sind. Sie haben jedenfalls ganz bestimmten Zwecken gedient. Offen geblieben sind die Vertiefungen hinter dem Hochaltar und dem Johannisaltar.

Seit l├Ąngerer Zeit vermutete man, da├č hinter dem Hochaltar ehemals noch eine Altar gestanden habe, weil der Rand eines Tisches aus der Mauer hervorragte, der wie man meinte, als Altartisch gedient haben m├╝sse. Wirklich fand man nun in der Mauer eine Kapsel von etwa zwei Zoll Breite, L├Ąnge und H├Âhe mit einem frei aufliegenden Deckel. Sie enthielt mehrere Reliquien und ein Siegel aus Wachs, das einen Bischof darstellte mit der Umschrift: S. Conradi venecomponensis ep., das hei├čt: Sigillum Conradi venecomponensis Episcopi. Derselbe war Weihbischof von K├Âln und hat  am 24. Juni 1448 hier in der Kirche zwei Alt├Ąre konsekriert, n├Ąmlich den Hochaltar und aliud parvum altare conveniens temporibus necessitatis et interdicti. Dieser letztere ist ohne Zweifel derjenige Altar, aus dem jetzt, am 10. August 1848, die Reliquien genommen worden sind.(Anmerkung: Danach ist von Weihbischof Conradi au├čer dem Hochaltar noch ,,ein anderer kleiner Altar f├╝r Zeiten der Bedr├Ąngnis  und des Interdikts ÔÇ× geweiht worden. Interdict bedeutet kirchenrechtlich eine Unordnung (Zensur), welche an gewissen Orten  oder f├╝r gewisse Personen die Vornahme kirchlicher Funktionen oder Spendung gewisser Sakramente verbietet. Der vorerw├Ąhnte kleine Altar war also ein Notaltar, an dem der Priester, abgeschlossen von der Oeffentlichkeit, z. B. Die Messe lesen konnte.

Nachdem die beiden Ch├Âre vollendet waren, wurde beschlossen, im Laufe des Winters, soweit es die Witterung zulie├č, das Gew├Âlbe ausbessern und die W├Ąnde und Pfeiler abkratzen zu lassen. Diese Arbeiten wurden nach Allerheiligen, und zwar am 13. November, in Angriff genommen und konnten gegen Weihnachten als beendigt angesehen werden. Das Gew├Âlbe mu├čte an vielen Stellen mehr oder weniger ausgebessert werden, es war jedoch nicht erforderlich, dasselbe ganz abzukratzen, dagegen lie├č sich dieses bei den W├Ąnden und S├Ąulen nicht umgehen, weil sie zu sehr uneben und h├Âckerig waren und
(69) auch die Kalkschicht nicht mehr geh├Ârig hielt. Der Leiter der Arbeiten, Herr Stephan, war zwar anf├Ąnglich der Meinung, da├č die Kirche urspr├╝nglich unterhalb der Fenster bemalt gewesen sei, man hat jedoch keine Spur hiervon gefunden. Dagegen schien der Bogen ├╝ber dem Muttergottes-Chor ganz bemalt gewesen zu sein. Bruchst├╝cke eines Gem├Ąldes lie├čen vermuten, da├č dasselbe das j├╝ngste Gericht darstellte. ( Anmerkung: Die Vermutung war, wie wir wissen richtig.) Ebenso waren an dem Pfeiler westlich des Pfeilers, an dem sich jetzt die Kanzel befindet, sowie an dem Parallelpfeiler des n├Ârdlichen Seitenschiffes einige Malereien wahrzunehmen; sie waren jedoch sehr besch├Ądigt. Der vorerw├Ąhnte Bogen an dem Muttergottes-Chor wurde bei dieser Gelegenheit um 9 Fu├č 8 Zoll in der H├Âhe und um 1 Fu├č  4 Zoll in der Breite erweitert. Auch fand man neue Beweise, da├č dieses Chor fr├╝her als die Kirchenschiffe und das Hochchor, das S├╝dportal und die Sakristei aber sp├Ąter als die Kirche gebaut worden sind. Zur Erleichterung der Arbeiten am  Gew├Âlbe wurde ein fliegendes Ger├╝st von 14 Fu├č L├Ąnge und 6 Fu├č Breite nach Anweisung des Bauleiters Stephan hergestellt. Auf demselben konnten etwa 5 Personen zugleich arbeiten. Es war von allen Seiten zur Vermeidung der Absturzgefahr von einem Gel├Ąnder umgeben. Mittels zweier starker Seile und eine Flaschenzuges wurde das Ger├╝st in die H├Âhe gezogen und die Seile auf dem Gew├Âlbe an einem Balken oder an sonst geeigneter Stelle befestigt. Um das Ger├╝st zu verl├Ąngern, wurde erforderlichenfalls eine Br├╝cke hergestellt. Man zog zu diesem Zwecke einen waagerecht liegenden Balken bis zur H├Âhe des Ger├╝stes empor, befestigte die Seile, an denen der Balken emporgezogen war, auf dem Gew├Âlbe und legte Bretter in der Weise, da├č sie mit dem einen Ende auf dem Ger├╝st und mit dem anderen auf dem Balken ruhten. Fr├╝her waren im Gew├Âlbe mehrere Oeffnungen, nur drei lie├č man bestehen, die ├╝brigen wurden verdeckt.

In diesem Jahre wurde der untere Teil der Grabenstra├če an der Westseite des Mittelgrabens von der Serviettensteege bis unten planiert und die Ostseite von der Scheune des Friedrich Thei├čen bis zur Loge gepflastert.

Am 16. Oktober weilte Johann Georg M├╝ller, Bischof von M├╝nster, welcher in Cleve, Goch und Cranenburg die Firmung gespendet hatte, auf seiner R├╝ckreise einige Stunden in der hiesigen Stadt,
 (70 besichtigte die Kirche und bewunderte ihren sch├Ânen Bau; auch ├Ąu├čerte er seine Zufriedenheit mit den unternommenen Arbeiten. Von den Kunstwerken der Kirche hat er aber nur den Hochaltar gesehen, da wegen der Arbeiten alles andere zugedeckt war.

Im Laufe des Sommers hat Hermann Berendonk das Haus Nr. 271 in der Monrestra├če abgebrochen und an derselben Stelle ein neues Haus erbaut.

Von jeher war es hier Ueberlieferung, da├č Friedrich Wilhelm von Seydlitz, der ber├╝hmte Reitergeneral Friedrichs des Gro├čen, in Calcar und zwar in dem Hause 335 der Altcalcarstra├če geboren worden ist. Auch befinden sich im hiesigen Stadtarchiv einige von einem Rittmeister von Seydlitz ausgestellte Quittungen. Dieser hat einige Jahre hier in Garnison gestanden und ist der Vater des Generals von Seydlitz. Eine der Quittungen lautet: Laut Billettierungs- und Servisrolle der Stadt Calcar pro Oktobri, Novembri und Dezembri 1724 hei├čt es bei den Ausgaben Nr. 2 f├╝r jeden der genannten Monate: Laut Attest und Quittungen des Herrn Rittmeisters von Seydlitz ist denen Beweibten von seiner Kompagnie an Servis bezahlt 10 rt. Das Attest hat folgenden Wortlaut: ,,Da├č denen Beweibten von meiner Kompagnie ihr in jenen Winter-Monaten zugelegter Servis, als

                                                        

                                                 dem Trompeter Luckou,
                                                denen Leuthen Sartorius, Muller,

                                                 Schirr, Moddenberg, Eggert, Hauer,

                                                Polmann, Rautzenberg und Steedig

jedem ein Rt. Monatlich als in Summa vor dem Monat October a.c. Auf zehn Mann zehn rt. richtig bezahlt worden, bescheinigt hiermit quittierend

Calcar, den 24 October 1724.

                                                                                                          F.v. Seydlitz.

In Calcar bestand fr├╝her eine lutherische Gemeinde, die aber keinen eigenen Prediger hatte, sondern von den Predigern der benachbarten Gemeinden mitbedient wurde. Da sich nun in den hiesigen Kirchenb├╝chern nicht fand, da├č Wilhelm v. Seydlitz hier getauft worden, so hat sich nach eingehenden Nachforschungen ergeben, da├č er laut Taufbuch von dem lutherischen Prediger zu Rees, von dem um die gleiche Zeit mehrere Kinder von in Calcar garnisonierenden Milit├Ąrpersonen getauft worden sind, getauft wurde. Im allgemeinen Nationalkalender f├╝r das Schaltjahr 1836 findet

(71) sich folgende Lebensbeschreibung des Generals Freiherrn von Seydlitz:

,, Friedrich Wilhelm von Seydlitz wurde am 3. Februar 1721 zu Calcar im Herzogtum Cleve geboren, wo sein Vater als Rittmeister im Dragoner-Regiment ,,Sonsfeld“  stand. Ebenfalls zum Kriegsdienste bestimmt, erhielt der Knabe eine seinem dereinstigen Berufe entsprechende Erziehung. Im 7. Jahre sa├č er schon zu Pferde, ritt bald mit Erwachsenen um die Wette und scheute keine Gefahr. Der Vater, der inzwischen als Eskadronschef in das K├╝rassierregiment des Markgrafen Friedrich Wilhelm nach Schwedt versetzt worden war, freute sich des mutigen Knaben und erz├Ąhle dem Markgrafen von demselben, der an Wagnissen jeder Art gro├čen Gefallen hatte. Bevor jedoch der Sohn das 8. Jahr erreicht hatte, starb der Vater und die Erziehung fiel der Mutter anheim, die nur wenig f├╝r ihn tun konnte, aber ihn doch zu Freienwalde in der Neumark in die Schule schickte, in der jedoch sein Lernen so wenig zunahm als seine Wildheit abnahm. Der Markgraf blieb fortw├Ąhrend aufmerksam auf den Knaben und w├Ąhlte ihn, als er noch nicht 14 Jahre alt war, zu seinem Pagen. Dieser Markgraf hatte die Ausgelassenheit seiner Jugend mit ins Mannesalter hin├╝bergenommen und vollf├╝hrte fortw├Ąhrend die tollk├╝hnsten Streiche und den gewaltigsten Uebermut. Die wildesten Pferde wurden bestiegen, die halsbrecherischsten Spr├╝nge gewagt und jeder Gefahr und Schwierigkeit getrotzt. Einem solchen Herrn und einer solchen Lebensweise war der 14j├Ąhrige Knabe ├╝berlassen, aber diese Schule, die sein Verderben zu werden drohte, hat seine gr├Â├čten F├Ąhigkeiten entwickelt. So ritten die beiden ├Âfter zwischen den laufenden Fl├╝geln einer gro├čen Windm├╝hle hindurch. Dieses Wagest├╝ck wurde von Seydlitz in sp├Ąteren Jahren als er schon General der Reiterei war, in Wei├čenfels bei  Grottkau vor vielen Zeugen wiederholt. Vier Jahre vollf├╝hrte Seydlitz dieses Leben  bei dem Markgrafen, der ihn im 17. Jahre als Cornet in seinem Regiment anstellte, das zu Belgard in Pommern garnisonierte. Hier stand Seydlitz nur wenig ├╝ber ein Jahr, als der erste schlesische Krieg ausbrach. Das Regiment, das an diesem Kriege teilnahm, hielt das St├Ądtchen Kranowitz bei Ratibor besetzt. Von Rochow, Oberst des Regiments, der Seydlitz abhold war, weil er ihn f├╝r einen Spion des Markgrafen hielt, hatte vernommen, da├č 5000
 (72) bis 6000 Ungarn gegen ihn in Anmarsch seien, weshalb er Seydlitz Befehl gab, einen gef├Ąhrlichen Posten in einem naheliegenden Dorfe mit 30 K├╝rassiren zu besetzen und sich dort zu halten, bis Fu├čvolk zu seiner Unterst├╝tzung ankomme. Seydlitz hielt sich mehrere Stunden lang gegen diese ├ťbermacht und erst als ein Teil seiner Leute verwundet, das Feuer wegen Mangel an Munition nicht fortgesetzt werden konnte und nirgends ein Ausweg mit dem Degen m├Âglich war, ergab er sich mit seiner Mannschaft, jedoch unter ehrenvollen Bedingungen, als Kriegsgefangener. Der K├Ânig, der den Hergang des Gefechts genau vernommen, beklagte den armen Cornet, befahl, ihn auszutauschen und, wenn es nicht anders sei, einen ├Âsterreichischen Rittmeister gegen ihn loszugeben. Als Seydlitz im preu├čischen Lager wieder angelangt war, wurde er sogleich zum K├Ânig gef├╝hrt, dem er den Hergang des Gefechts ausf├╝hrlich erz├Ąhlen mu├čte. Er fand ihn der Aufmunterung und Belohnung w├╝rdig und fragte ihn, was er lieber wolle, der erste zu ernennende Leutnant in einem K├╝rassierregiment  oder Rittmeister und Befehlshaber einer Eskadron Husaren zu sein. Seydlitz w├Ąhlte das letztere. Im zweiten schlesischen Kriege unmittelbar nach dem gro├čen Siege bei Hohenfriedberg am 5. Juni 1745, wo er den s├Ąchsischen General von Schlichting pers├Ânlich gefangen nahm, wurde Seydlitz erst 24 Jahre alt, zum  Major ernannt, im Herbst 1752 wurde er zum Oberstleutnant bef├Ârdert und als Befehlshaber zum Dragoner-Regiment Prinz Friedrich von W├╝rttemberg nach Treptow und anfangs des Jahres 1753 als Kommandeur zum K├╝rassierregiment von Rochow versetzt. Im Sommer 1755 wurde er Oberst dieses Regiments und auf dieser Stufe fand der im folgenden Jahre ausbrechende siebenj├Ąhrige Krieg den jungen Held. In diesem Kriege stieg Seydlitz nach und nach bis zu den h├Âchsten milit├Ąrischen Ehren.“

Der Regierungspr├Ąsident von Spiegel ging mit dem Gedanken um, Seydlitz ein Denkmal auf dem Marktplatze seiner Geburtsstadt zu errichten und hoffte durch eine Subscription bei der Armee die Mittel zu erhalten, seinen Plan zur Ausf├╝hrung zu bringen. Nachdem von Spiegel, der sich deshalb sehr f├╝r Calcar interessierte, von der Verwaltung zur├╝ckgetreten war, war von dem Plane keine Rede mehr. Indessen wurde auf seine Anregung hin eine Inschrift am Hause des Josef Velthuysen, des Besitzers 
(73) des Geburtshauses Seydlitz, durch die Stadtverwaltung angebracht, die anzeigte, da├č Seydlitz hier geboren sei. Auf Veranlassung der Milit├Ąrbeh├Ârden wurde dann am 5. November 1848 am Geburtshause  eine metallene Gedenktafel angebracht, die heute noch vorhanden ist.

Die Stadtverwaltung hatte die Vorbereitungen zu der Feier der Enth├╝llung der Ged├Ąchtnistafel am Geburtstage Seydlitz┬┤s  mit Sorgfalt und Umsicht getroffen, Quartiere f├╝r die eintreffenden Offiziere und sonstigen Milit├Ąrpersonen bereitgestellt und alles getan, die Feier w├╝rdig zu gestalten. Am Vorabend des Festtages wurde das Musikkorps des 17. Infanterie-Regiments, f├╝r das die B├╝rgerschaft freies Quartier stellte, durch die B├╝rgerwehr am Stadttore empfangen. Das Musikkorps stellte sich an die Spitze der Wehr, marschierte unter dem Donner der B├Âller in die Stadt hinein und nahm vor dem Rathause Aufstellung. Am selben Abend trafen auch der Generalleutnant und kommandierender General des VII. Armeekorps Graf von der Gr├Âben, Exzellenz, in Begleitung des Hauptmanns im Generalstabe des VII. U. R. Von Seydlitz, ein Nachkomme des Reitergenerals von Seydlitz, Generalmajor von Niesewand, Kommandeur der 14. Landwehr-Brigade, Bonsac, Oberst und Kommandeur des 17. Inf.-Reg. Von Westarp, Major und Kommandeur des 5. Ulanenregiments, von Sulicki, Major und Bataillonschef im 17. Inf-Regt., von L├╝tzow, Major und Kommandeur des Weseler Landwehr-Bataillons und andere Offiziere ein, denen sofort von den st├Ądtischen Beh├Ârden Aufwartung gemacht wurde. Am anderen Morgen (5. Nov.) nach Abhaltung des Gottesdienstes, dem alle Offiziere beigewohnt hatten und nach eingehender Besichtigung der Kunstsch├Ątze der kath. Pfarrkirche, begann das Fest um 11 Uhr. Die B├╝rgerwehr zog mit der Regimentsmusik unter klingendem Spiel vor dem Geburtshause auf. Der kommandierende General und s├Ąmtliche Offiziere wurden durch den B├╝rgermeister, den Gemeinderat und viele Honoratioren, an der Spitze der Clever Landrat von Haeften, abgeholt. Die Herren begaben sich ebenfalls im Zuge zum Geburtshause, das von den Anwohnern der Altcalcarstra├če freiwillig durch Schmuckgr├╝n und Blumen festlich geschm├╝ckt war. Hier hielt Exzellenz von der Gr├Âben vor der B├╝rgerwehr und einer gro├čen Menge Volkes eine kraftvolle Rede, in der er besonders hervorhob, da├č in
 (74) der gegenw├Ąrtigen sturmbewegten Zeit Entschlossenheit und Einigkeit dem Vaterlande not tue. Er sprach: ,,Meine teuern Waffenbr├╝der! Meine werten Mitb├╝rger! Wir stehen hier vor dem Hause, in dem vor 127 Jahren die Wiege eines gro├čen Mannes stand. Den Bem├╝hungen edler Einwohner dieser Stadt ist es gelungen, diese St├Ątte zu ermitteln. Die k├Ânigl. 14 Division erfuhr dies und beschlo├č sofort, das Haus durch eine einfache Tafel von Erz zu bezeichnen. Wir sind gekommen, um dieses anspruchslose Denkmal zu enth├╝llen, an einem Tage, an dem heute vor 91 Jahren in jener ewig denkw├╝rdigen Schlacht unser Seydlitz, der gr├Â├čte Kavalleriegeneral neuerer Zeit, ein Blitz in den Schlachtengewittern unseres gro├čen K├Ânigs Friedrich, mit seinen Reiterscharen kam, sah und siegte, wie einst C├Ąsar. Merkw├╝rdig, da├č diese Gegend in einem kleinen Umkreise die Geburt sah von drei Reiterhelden. Dort in Xanten erblickte Siegfried das Licht der Welt, den das altdeutsche Lied der Nibelungen besingt, die herrlichste Heldengestalt deutscher Vorzeit; dort bei Wachtendonk: Jan van Werth, in der Jugend ein schlichter Ackermann, dann im Umschwung der Zeit ein hochber├╝hmter Reiterf├╝hrer; und hier nun endlich Seydlitz, die Zierde der preu├čischen Armee, der Gegenstand h├Âchster Bewunderung seiner Gegner, wie der Glanzpunkt der neueren Kriegsgeschichte. Was aber machte ihn gro├č? Er tat mit Wenigen viel und was er tat, das tat er zur rechten Zeit. Ganz der Mann seiner Waffe ward er seinen Kampfgenossen, seinem K├Ânige in h├Âchster Kampfesgefahr mit Sturmseile stets ein rettender Helfer mit leuchtendem Schwert!

Kameraden! Mitb├╝rger! Ist unser Held nicht ein Vorbild des wahren Soldaten? Nicht aber auch das jedes wackeren Staatsb├╝rgers in seinem Berufe? Denn sind wir nicht alle, ein jeder an seiner Stelle, verpflichtet, unsern treuen Mitbr├╝dern zu dienen mit den uns verliehenen Gaben? Sind wir nicht berufen, die Wohltat des Staates zu f├Ârdern mit Gut und Blut, mit unserer ganzen Tatkraft? Unser heldenm├╝tiger Seydlitz f├╝hrt uns in eine Zeit zur├╝ck, in der Preu├čen, damals ein sehr kleiner Staat, in der Ueberf├╝lle deutscher Kraft, unter den Adlerschwingen seines gro├čen K├Ânigs in einem Riesenkampfe halb Europa siegreich gegen├╝berstand. Dies vermochte schon ein kleiner Teil des deutschen Vaterlandes, was w├Ąre dem
 (75) ungeteilten nicht m├Âglich. Wenn aber Preu├čen in jenem Riesenkampfe einen gl├Ąnzenden Sieg gewann, so war es doch kein ungetr├╝bter , denn – Br├╝der standen gegen Br├╝der! Als nun im Verlaufe unseliger Zeiten innere Trennung zu tiefem Falle f├╝hrte, als die Schmach der Knechtschaft auf Deutschland lastete, da war es Preu├čen das zuerst in die Schranken trat. Seinem Beispiele folgten nach und nach alle deutschen Gauen und in drei glorreichen Feldz├╝gen ward die Fremdherrschaft gebrochen. Noch heute weht jene Zeit uns an wie ein Fr├╝hlingshauch der Wiedergeburt. K├Ânnen wir aber jetzt noch fragen, was die Zeit mit ihren schwankenden Wogen eigentlich will, was wir in ihr erstreben sollen? Die unaufl├Âsliche Einheit des Vaterlandes ist das Ziel, die Eintracht in Haupt und Gliedern der Weg. Wer hat dies aber mehr erkannt, mehr gewollt, als unser edler K├Ânig? Sein Herz schl├Ągt gleich warm f├╝r die ihm anvertrauten Millionen, wie f├╝r Deutschland Ehre, f├╝r Deutschland Gr├Â├če, Kraft und Herrlichkeit. Und wollen wir alle dies nicht auch mit deutschem Herzen? Sind wir nicht alle Br├╝der, alle S├Âhne einer edlen Mutter? Da lassen Sie uns denn Hand in Hand und Herz in Herz diesem gro├čen Ziele entgegengehen und indem wir in dieser ernsten Stunde des K├Ânigs und des Vaterlandes in alter deutscher unersch├╝tterlicher Treue gedenken, bringen Sie mit mir Ihm dieses Lebehoch. Es lebe der K├Ânig und das Vaterland hoch!“

Dieses Hoch hallte aus tausend Kehlen freudig und begeistert unter dem Donner der B├Âller und T├╝cherwinken aus allen Fenstern wider. Der Menge hatte sich eine sichtlich freudig-feierliche Erregung bem├Ąchtigt. Alsdann wurde die Gedenktafel enth├╝llt und hierbei das Lied: Heil Dir im Siegerkranz! Mit st├╝rmischer Begeisterung gesungen.

Hierauf nahm der kommandierende General die Parade der B├╝rgerwehr ab, die Liedertafel sang mehrere patriotische Lieder und die Musik spielte zuletzt eine Reiter-Fanfare. Auf den General von der Gr├Âben wurde ein brausendes Hoch ausgebracht. S├Ąmtliche G├Ąste und die Beh├Ârden begaben sich sodann in das Geburtshaus Seydlitz┬┤s, wo der Besitzer, Herr Velthuysen, sie festlich bewirtete. W├Ąhrend des Mahles wurden mehrere patriotische Reden auf den Ruhm der Armee gehalten; Landrat von Haesten feierte besonders die 14. Division.
 (76) Bis sp├Ąt abends fand man ├╝berall in der Stadt frohe Gesellschaften, die manches Glas auf die Gesundheit Sr. Majest├Ąt  des K├Ânigs leerten. Ein Festball beschlo├č f├╝r Calcar denkw├╝rdige und ehrenvolle Feier.

(Anmerkung: In einem Briefe vom 16. Nov. 1848 an den B├╝rgermeister Backer von Calcar spricht Hauptmann von Seydlitz, der zugleich als Repr├Ąsentant der Familie von Seydlitz zum Feste erschienen war, seinen herzlichsten Dank aus f├╝r die gastliche Aufnahme und Liebe und Verehrung, die ihm in Calcar zuteil geworden und versprach der Stadt als Andenken eine getreue Kopie des Bildnisses seines ber├╝hmten Vorfahren, das er eigens zu dem Feste nach hier gesandt hatte, aber leider erst am Tage nach diesem hier eintraf. Als Nachschrift hei├čt es in dem Briefe:

,,Soeben tr├Ągt mir noch Seine Exzellenz, der Herr Kommandierende General auf, Ihnen, verehrtester Herr B├╝rgermeister, mitzuteilen, welche h├Âchst angenehme Erinnerung das Fest auf ihn durch seine einfache, w├╝rdige Gestaltung, durch die Freundlichkeit der Einwohner der Stadt und besonders des Eigent├╝mers des Geburtshauses zur├╝ck gelassen habe.“

Der Winter des Jahres 1848/49 brachte erhebliche K├Ąlte. Am 5. Januar stellte sich das Eis im Rheine oberhalb Rees und in wenigen Tagen war der Rhein in hiesiger Gegend zugefroren. Am 14. Januar setzte aber schon Tauwetter eine und der Eisgang vollzog sich ohne Gefahr.

Am 7. April 1849 schlug der Blitz in das an der Herrenstra├če liegende Wohnhaus des Tagel├Âhners Krebbers ein und ├Ąscherte es fast vollst├Ąndig ein.

Am 18. Juli spendete der Hochw. Bischof Johann Georg M├╝ller von M├╝nster in der hiesigen Kirche etwa 600 Firmlingen aus den Pfarreien Calcar, Alt-Calcar und Till-Moyland die hl. Firmung. Paten waren B├╝rgermeister Eduard Backer und Frau Peter Hangkamer geb. Hagendorn. Abends wurde in der Stadt illuminiert und zu Ehren des Bischofs ein Fackelzug veranstaltet.

Nachdem die W├Ąnde und S├Ąulen in der hiesigen Pfarrkirche abgekratzt worden waren, wurden sie im Monat M├Ąrz von neuem mit M├Ârtel glatt verputzt und, wie bereits fr├╝her erw├Ąhnt, mit einer bestimmten Farbe angestrichen. Diese Arbeiten erforderten besonders bei den S├Ąulen viel Zeit. Drei Mann arbeiteten gew├Âhnlich eine Woche und
 (77)  mehr an einer S├Ąule. Ende Oktober waren die Arbeiten vollendet. Durchschnittlich sind t├Ąglich 10 Arbeiter besch├Ąftigt gewesen; an Kalk wurden etwa 55 Berliner Malter verbraucht. Die Kosten der im Jahre 1848 ausgef├╝hrten Arbeiten belaufen sich auf 529 Taler und die des Jahres 1849 auf 1175 Taler, insgesamt also auf 1704 Taler.

Die Ernte des Jahres 1849 war sehr gut. Halmfrucht war seit langer Zeit nicht so gut geraten.

Im Jahre 1849 wurde der Sitzungsaal im Rathause restauriert; die W├Ąnde wurden abgekratzt und neu verputzt, ferner wurde ein neuer Fu├čboden gelegt und das alte besch├Ądigte Plafond durch ein neues ersetzt. Letzteres sowie die ├Âstliche Wand wurden durch den Maler Heinrich Umbach aus Calcar bemalt, wof├╝r er 40 Taler erhielt.

Seit einiger Zeit nahm die Auswanderung nach Amerika in Deutschland einen immer gr├Â├čeren Umfang an. Im September 1849 wanderten von hier aus: Leineweber Gerhard Gr├Âting mit Frau und zwei Kindern, Zimmermann Heinrich Rahmann, B├Ącker Peter M├Âlders und Buchbinder Heinrich Reichmann. Es waren dies die ersten, die in fernem Lande eine neue Heimat suchten.

Im Jahre 1849 hat der Schiffer Peter Engels das Haus Nr. 39 in der Kesselstra├če umgebaut. Dieses Haus sowie die beiden nebenliegenden H├Ąuser bildeten vordem die Wirtschaftsgeb├Ąude des ehemaligen Augustinessen-Klosters.

Die Bev├Âlkerung betrug in diesem Jahre: in Calcar 1868 Katholiken, 133 Evangelische und 78 Juden  Sa 20.79,  in Altcalcar 726 Katholiken, 51 Evangelische  Sa. 777,  in Neuluisendorf 140 Katholiken, 313 Evangelische Sa. 453,  zusammen 2734 Katholiken, 497 Evangelische 78 Juden Sa. 3309.

Der Winter des Jahres 1849/50 war von sehr ver├Ąnderlicher Witterung. Ende November setzte Frostwetter ein. Der Dezember brachte Schnee und Frost, Tauwetter und milde Witterung in stetem Wechsel. Schnee ist besonders  im Januar au├čerordentlich viel gefallen. Anfangs Januar setzte sich in unserer Gegend das Eis im Rheine fest, Ende des Monats trat Tauwetter ein und das Eis setzte sich in einigen Tagen in Bewegung. Am 30. Januar lief das Wasser bei einer Pegelh├Âhe von 20 Fu├č 1 Zoll bei Wissel und an anderen Stellen ├╝ber
 (78)  den Deich und ├╝berschwemmte die Niederung. Tags darauf wurde die Stadt Calcar unter Wasser gesetzt; fast der ganze Marktplatz war ├╝berschwemmt. Am 3. Februar fiel es stark, innerhalb eins Tages war der Markt wieder frei. Zwei Tage darauf brachte der Rhein wieder neue Eismassen vom Oberrhein, wodurch das Wasser wieder stieg und eine H├Âhe erreichte, die die vorige noch ├╝berstieg. Am 9. Februar begann es sehr langsam zu fallen und erst sechs Tage sp├Ąter war die Stadt wasserfrei.

Am 17. Januar 1850 starb Herr Greeber, Pfarrer der hiesigen evangelischen Gemeinde.

Im Jahre 1846 hat die barmherzige Schwester Angela geb. Johanna Hoffmann aus Hanselaer durch Akt vor Notar Herkerath in Geldern, woselbst sie zu der Zeit Vorsteherin der Barmherzigen Anstalt war, der Stadt Calcar ein Kapital von 4000 Talern pr. zur Einrichtung einer Anstalt f├╝r barmherzige Schwestern unter der Bedingung geschenkt, da├č diese Anstalt binnen f├╝nf Jahren ins Leben treten m├╝sse. Demgem├Ą├č wurde durch Kaufvertrag von Notar Lenz von hier das an der Grabenstra├če  liegende Haus nebst Garten des Rudolph Schroeder f├╝r 2800 Taler k├Ąuflich erworben. Hierauf mu├čten sofort nach erfolgter h├Âherer Genehmigung 1000 Taler angezahlt werden, zu welchem Zwecke aus den vorhandenen Geldern der Anstalt 400 Taler, die von den seit 1847 aufgenommenen Zinsen des Kapitals herr├╝hrten, genommen wurden; die ├╝brigen 600 Taler wurden von der Stadt gegeben. Die Restkaufsumme von 1800 Talern blieb vorl├Ąufig als Hypothek auf dem angekauften Grundst├╝ck stehen. Die Anstalt erhielt den Namen ,,St. Nikolaus-Hospital“. Die f├╝r sie erlassenen Statuen erhielten im Oktober 1850 Genehmigung der Regierung, wodurch ihr Korporationsrechte verliehen wurden.

Am 4. Dezember kam die f├╝r hier bestimmte Oberin mit zwei Schwestern hier an und stieg an dem f├╝r ihre Aufnahme eingerichteten Hause ab. Am folgenden Tage erfolgte die Einf├╝hrung. In der Pfarrkirche wurde ein feierliches Hochamt gehalten, in dem Herr Pfarrer van Haag die Festpredigt hielt ├╝ber den Text:,, Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“ Nach beendigter Feier wurde eine Prozession veranstaltet, an der selbstverst├Ąndlich die Schwestern teilnahmen. Sie zog von der Kirche nach der Stiftungswohnung, woselbst Herr B├╝rgermeister Backer
 (79) eine kurze Ansprache an die versammelte Volksmenge hielt. Das Haus wurde darauf von Herrn Pfarrer van Haag eingeweiht, womit die Feier geschlossen war.

Zur Bestreitung der Kosten der ersten Einrichtung des neuen Krankenhauses haben die Einwohner Calcars und der Umgegend, wenn auch letztere in geringerem Ma├če, durch freiwillige Haussammlungen, die von B├╝rgert├Âchtern von November 1849 bis dahin 1850 abgehalten worden waren, wesentlich beigetragen. Auch waren diese das ganze Jahr hindurch an einem bestimmten Wochentage damit besch├Ąftigt, W├Ąschest├╝cke f├╝r das Krankenhaus herzustellen, wozu das erforderliche Leinen usw. teils geschenkt , teils gekauft wurde. So waren die Einwohner Calcars st├Ąndig bem├╝ht, den barmherzigen Schwestern und den Insassen das Wirken und Leben im Hospital m├Âglichst angenehm zu gestalten.

Im Jahre 1850 wurde durch den Dekorateur Stephan aus K├Âln der altdeutsche Kronleuchter in der hiesigen Pfarrkirche restauriert. Jeder Arm dieses Leuchters war nur f├╝r eine Kerze eingerichtet. Zur besseren Beleuchtung der Kirche wurde er so ge├Ąndert, da├č nunmehr jeder Arm mit f├╝nf Kerzen versehen werden konnte. Die Kosten der Restaurierung  und der Um├Ąnderung betrugen 150 Taler und wurden von den an der Kirche angestellten Geistlichen ├╝bernommen. Von Stephan wurden auch Orgel und Kanzel instand gesetzt.

Im selben Jahre wurden s├Ąmtliche B├Ąnke in der Pfarrkirche, die Kommunionbank und das Gest├╝hl auf dem St. Johannischor angestrichen. Die Anstreicher Hermann und Johann Janssen hatten dies Arbeiten f├╝r 15 Sgr. je Bank ├╝bernommen. Soweit die B├Ąnke verpachtet waren, wurden die durch den Neuanstrich entstehenden Kosten gr├Â├čtenteils von den P├Ąchtern, im ├╝brigen von der Kirche getragen. F├╝r letztere entstanden, da auch noch freiwillige Gaben gespendet worden waren, keine erheblichen Kosten. 

Bereits im Dezember 1849 waren die Gem├Ąlde des Hochaltars sowie das Altarblatt des Johannes-Altars, den Tod Mariens darstellend nebst den dazu geh├Ârigen Fl├╝geln nach D├╝sseldorf gesandt, woselbst sie von dem Maler Professor B├╝sen gereinigt und restauriert wurden. Nach vollendeter Arbeit kamen erstere im August, letztere im Oktober 1850 nach hier zur├╝ck. Die Kosten der Reinigung usw. 
(80) der Gem├Ąlde des Hochaltars beliefen sich auf 400  Taler und wurden vom Staat getragen. Auf die Kirche entfielen f├╝r die sonstigen Arbeiten 45 Taler. F├╝r die Instandsetzung und Vergoldung des Rahmens des den Tod Mariens darstellenden Gem├Ąldes erhielt Stephan 21 Taler.

Am 26. Juli 1850 wurde der erste Stein zur Schule und Lehrerwohnung in Altcalcar gelegt und am 21. Oktober desselben Jahres konnte der Unterricht in der Schule aufgenommen werden.  Der erste Lehrer in Altcalcar war August Friedrich Hartwich, der seit August 1847 als Hilfslehrer an der kath. Volksschule in Calcar angestellt war.

Bis dahin hatte Altcalcar keine eigene Schule gehabt, die Kinder besuchten vielmehr die Schule in Calcar. Seit 1839 bestanden hier drei Schulen mit drei ordentlichen Lehrern. Wegen der Zunahme der Zahl der schulpflichtigen Kinder wurde, wie bereits erw├Ąhnt, im Jahre 1847 noch eine vierte Klasse errichtet, die von einem Hilfslehrer verwaltet wurde. Da aber seitdem die Zahl der Schulkinder noch merklich gr├Â├čer geworden war, mu├čte daran gedacht werden, noch eine f├╝nfte Klasse einzurichten oder aber Altcalcar vom Schulbezirk Calcar zu trennen. Die Gemeinde Calcar hatte die hier vorhandenen drei Schulen in fr├╝heren Jahren auf eigene Kosten erbaut und bisher aus eigenen Mitteln unterhalten und da diese Schulen f├╝r die Calcarer Kinder ausreichend waren, war hier wenig Stimmung vorhanden, der Altcalcarer Schulkinder wegen noch ein weiteres Schullokal zu bauen. Dieses w├Ąre aber nicht zu umgehen gewesen, wenn Altcalcar mit Calcar hinsichtlich des Schulunterrichts vereinigt geblieben w├Ąre. Schon im Jahre 1816 hatten mehrere Gemeindeeingesessene von Altcalcar den Neubau einer eigenen Schule beantragt und diesen Antrag sp├Ąter mehrmals wiederholt. Es war darin die Rede, die Schule auf dem Calcarerberg zu errichten, ein Vorschlag, der begreiflicherweise Widerspruch erregen mu├čte. Die Lage auf dem Altcalcarerberg wurde als in jeder Hinsicht ungeeignet bezeichnet. Denen, die die Schule bei der Kirche errichtet haben wollten, wurde entgegengehalten, da├č die Kinder in diesem Falle gerade so gut wie bisher die Schule in Calcar besuchen k├Ânnten. Infolge dieses Wiederstreitens der Meinungen, nicht zuletzt aber auch der Kosten wegen, unterblieb der Bau, bis nun endlich durch den Umstand, da├č die Calcarer Schulen ├╝berf├╝llt waren, die
(81) Frage des Neubaues einer eigenen Schule wieder akut wurde.

Die Schule nebst Lehrerwohnung sind auf einem Grundst├╝ck erbaut worden, das die Gemeinde Altcalcar von der Stadt Calcar f├╝r 112 Taler k├Ąuflich erworben hatte; die Baukosten betrugen insgesamt 1713 Taler.

Am 7. Dezember 1850 wurden die ersten Kranken und zwar 4 Personen, im neugegr├╝ndeten St. Nikolaushospital aufgenommen; von diesen starb bereits eine am 14. Dezember. Es war dies der erste Sterbefall, der im neuen Krankenhause vorkam.

Der Winter des Jahres 1850/51 war ├Ąu├čerst milde. Schnee und Frost waren eine Seltenheit.

Die ├Ąltesten Leute erinnerten sich nicht eines solch angenehmen Winters.

Am 27. Februar 1851 wurde Herr Johann David Nacken als Pfarrer der hiesigen evangelischen Gemeinde eingef├╝hrt.

Herr Kaplan Jaspers, der sich durch seine sehr eifrige seelsorgerische T├Ątigkeit die Liebe und Wertsch├Ątzung aller Pfarreingesessenen erworben hatte, wurde vom Bischof in M├╝nster mit der Leitung des neugegr├╝ndeten Klosters und Pensionats in Aspel bei Rees beauftragt und zum Direktor desselben ernannt. Im April siedelte er nach Aspel ├╝ber. An seine Stelle r├╝ckte der bisherige zweite Kaplan Herr Frankeser. In die freigewordene Stelle des zweiten Kaplans wurde Herr Gerhard Siebers, geb├╝rtig aus Rindern, der seit etwa zwei Jahren Kaplan  in Hartefeld bei Geldern war, berufen, Es wurde ihm die Verpflichtung auferlegt, am Mittwoch jeder Woche eine hl. Messe in Hanselaer zu lesen. Seit der Vereinigung der Kirchengemeinde Hanselaer mit Calcar wurde dort nur bei Beerdigung eine Messe gelesen. Es war der Wunsch der Hanselaerer Einwohner, da├č wenigstens allw├Âchentlich einmal in ihrer Ortskirche eine Messe gelesen werden m├Âge. Diesem Wunsche wurde nun mehr entsprochen.

Im Mai 1851 hat der Goldarbeiter Samans das Haus an der Ecke Markt-Altcalcarstra├če, ,,Trompet“ genannt, abbrechen und ein neues errichten lassen. Beim Wiederaufbau mu├čte er zur Erbreiterung der Altcalcarstra├če 22 Zoll mit der s├╝dlichen Giebelwand zur├╝cktreten. Als Entsch├Ądigung erhielt er daf├╝r vom Staat etwas ├╝ber 80 Taler. Beim Abbruch des alten Hauses entdeckte man ├╝ber der T├╝r folgende Jahreszahl: Anno MDXXX. Es ist also
 (82) anzunehmen, da├č dasselbe im Jahre 1530 erbaut worden war. 

Ehemals flo├č der Leybach in fast gerader Richtung in den sogenannten Mittelgraben, der die Stadt der L├Ąnge nach durchzog. Durch die Anlegung der Festungswerke wurde aber der Lauf gesperrt und das Wasser mu├čte dem Laufe des Leyflusses folgen und am sogenannten halben Mond eine r├╝ckg├Ąngige Bewegung machen, um in den Mittelgraben zu gelangen. Letzterer  hatte damit seine Bedeutung verloren und alle Versuche, die seitdem gemacht wurden, das Wasser der Ley durch die Stadt zu leiten, waren vergebens. Seit langer Zeit war der Wunsch laut geworden, den Mittelgraben zuzusch├╝tten, weil die Bogen, die an mehreren Stellen ├╝ber ihn f├╝hrten immer mehr Unterhaltungskosten verursachten. Doch fehlte es auch nicht an Stimmen, die gegen die Zusch├╝ttung des Grabens waren. Manche vertraten die Meinung, da├č es doch wohl m├Âglich sei, das Leywasser durch den Mittelgraben zu leiten. Indessen beschlo├č der Gemeinderat, den dem Rathause gegen├╝ber befindlichen Teil des Grabens zuzusch├╝tten, wodurch zur Erhaltung der Fundamente des Rathauses, die besonders in den letzten Jahren sehr reparaturbed├╝rftig geworden waren, wesentlich beigetragen werde. Der B├╝rgerschaft wurde anheimgestellt, allen Schutt und Schrot dorthin zu bringen und sie machte hiervon in  so ausgiebiger Weise Gebrauch, da├č in verh├Ąltnism├Ą├čig kurzer Zeit und ohne gro├če Kosten der Teil des Grabens angef├╝llt war.

Am 14. April 1852 wurde der Altartisch des Hochaltars abgebrochen und um etwa 3 Fu├č zur├╝ckverlegt. Am 14. Mai war er wieder aufgebaut. Beim Abbruch des Altartisches  fand man einen Reliquienbeh├Ąlter, der u. a. Das Siegel des bereits fr├╝her erw├Ąhnten Weihbischofs Conradi von K├Âln enthielt. Neben einer Zur├╝cklegung des Hochaltars erfolgte auch eine Erh├Âhung und zwar von zwei holl├Ąndischen Steinhauern aus Venlo, die die Fliesen in Venlo kauften und die Arbeiten in der Zeit vom 13. bis 25. Juni ausf├╝hrten. Der Kostenaufwand hierf├╝r betrug insgesamt 323 Taler.

Die Kapit├Ąle der S├Ąulen wurden durch die Anstreicher Hermann und Johann Janssen und Johann Josef van der-Heyden von hier vergoldet. Die Kosten hierf├╝r betrugen je S├Ąule 10 Taler; sie wurden
 (83) fast ausschlie├člich durch freiwillige Spenden aufgebracht.

Die Bev├Âlkerungszahl Calcars betrug im Jahre 1852 2151. Es waren vorhanden 1923 Katholiken, 146 Protestanten und 82 Juden.

Am 25. April 1853, vormittags 11 Uhr, wurde dem B├╝rgermeister Eduard Backer im Beisein des Gemeinderats und vieler anderer B├╝rger vom Kreislandrat von Haeften der Rote Adlerorden 4. Klasse ├╝berreicht. Mittags war im Gasthof Kuypers ein Festessen; abends wurde unter allgemeiner Beteiligung der B├╝rgerschaft ein Fackelzug veranstaltet, bei dem besonders der Calcarer Musik- und Gesangsverein mitwirkte.

Im Jahre 1848 ist bekanntlich in eindrucksvoller Weise das Seydlitzfest hier gefeiert worden. Damals herrschten fast ├╝berall in Deutschland Unruhen. Vor dem Fest schrieb daher der Kommandierende General des VII. U.-K. Generalleutnant von der Gr├Âben an die Stadtverwaltung in Calcar, da├č er wegen der bewegten Zeit Bedenken trage, das Fest zu feiern. Der B├╝rgermeister Backer erwiderte ihm aber umgehend, er stehe daf├╝r ein, da├č das Fest durch keinerlei Unruhen gest├Ârt werde. Und so war es auch. An dem Festtage hatte der General Gelegenheit, sich von dem guten vaterl├Ąndischen Geiste der Calcarer B├╝rgerschaft zu ├╝berzeugen und er hat diese Wahrnehmung dem B├╝rgermeister auch nicht verhehlt. Das pr├Ąchtig verlaufene Seydlitzfest ist wohl die Hauptursache gewesen, da├č dem B├╝rgermeister auf besondere Empfehlung des Generals von der Gr├Âben die Dekoration verliehen worden ist.

Im Monat Mai 1853 wurde in der hiesigen Pfarrkirche die Maiandacht eingef├╝hrt. Am 29. desselben Monats erhielt die Kirche ein in M├╝nster verfertigtes Muttergottes-Bild. Die 100 Taler betragenden Kosten wurden durch freiwillige Gaben aufgebracht. Das Bild erhielt seinen Platz auf dem Muttergottesch├Ârchen.

Am 1. Juli 1853 wurde Hermann Cloos als Schullehrer der hiesigen evangelischen Gemeinde gew├Ąhlt. Er hat die Stelle im Oktober angetreten; vorher war er Lehrer in Luisendorf.

Am 31 August wurde der Hochaltar der hiesigen Pfarrkirche, der im Jahre vorher einen anderen Platz erhalten hatte, durch den hochw. Herrn Bischof Johann Georg M├╝ller von M├╝nster eingeweiht. Nach der Einweihung hielt der Bischof die Festpredigt und hierauf begann das Hochamt, das
 (84)  mit einem feierlichen Tedeum endete. Die Feier begann morgens um 8 Uhr und war erst gegen ┬Ż 1 Uhr beendigt.

Im August wurden umfangreiche Reparaturen an der Kirche in Hanselaer sowie an der Pfarrkirche in Calcar vorgenommen. An dem Gew├Âlbe unserer Kirche fehlten fast alle Rosetten. Auf Betreiben des Pfarrers van Haag wurden deren 112 neue angefertigt, angestrichen und vergoldet. Die Kosten hierf├╝r betrugen 130 Taler 24 Sgr. und wurden durch freiwillige Gaben gedeckt. Bemerkenswerte Geldmittel erhielten die Kirche und das neue Krankenhaus durch Stiftungen des Steuereinnehmers Haal und der Eheleute Gerhard Aanstoot und Katharina Margareta geb. Hagedorn. Das Krankenhaus konnte infolgedessen wesentlich erweitert werden.

Am 19. Juni 1854 abends schlug der Blitz in die Turmspitze der Nikolai-Pfarrkirche, z├╝ndete zum Gl├╝cke aber nicht. Geringere Besch├Ądigungen des Daches und des Mauerwerkes konnten mit unerheblichen Kosten beseitigt werden.

In der Nacht vom 11. zum 12. Juli entstand in der K├╝sterei in Altcalcar Feuer, durch das das ganze Geb├Ąude einge├Ąschert wurde. Es wurde im selben Jahre aber wieder aufgebaut.

Der Winter des Jahres 1854/55 war sehr kalt. Bis Mitte Januar herrschte allerdings eine verh├Ąltnism├Ą├čig milde Witterung, dann aber setzte die K├Ąlte mit aller Macht ein und in 14 Tagen war der Rhein zugefroren. Im Kanal und im alten Rhein bei Grieth hatte sich ein sehr starker Eisdamm festgesetzt, wodurch das Wasser so gestaut wurde, da├č es oberhalb Grieth bis zu einer Hohe von 26 Fu├č stieg und der Strom sein altes Bett von Rees zwischen Grietherbusch und dem rechten Rheinufer     verfolgte.  Die K├Ąlte war grimmig und dauerte mit geringen Unterbrechungen bis zum 25. Februar, wo Tauwetter eintrat. In der Nacht vom 2. zum 3. M├Ąrz entstanden bedeutende Deichdurchbr├╝che bei Xanten, Wardt und Vynen, wodurch die ganze Gegend von Xanten bis Calcar noch in derselben Nacht ├╝berschwemmt wurde. Das Wasser erreichte hier eine solche H├Âhe, da├č nur wenige H├Ąuser frei blieben. In der Kirche stand es etwa 3 Zoll hoch auf dem Johannischor und dem Muttergottesch├Ârchen; auf dem Markte verschwand beinahe das Mauerwerk der Treppe unter dem Wasser. Immerhin blieb es hinter dem Hochwasser des
 (85) Jahres 1809 zur├╝ck, das ungef├Ąhr die 4. Stufe der inneren Treppe des Rathauses erreichte. In der Nacht vom 4. zum 5. fing das Wasser an stark zu fallen, was auf einem Dammri├č in Bislich zur├╝ckzuf├╝hren war. Vom 6. ab fiel es aber nur langsam und so kam es, da├č ein Teil der Stadt mehr als acht Tage lang unter Wasser stand. Durch die Deichbr├╝che oberhalb Xantens war die Gegend von Uerdingen Rheinberg bis nach Xanten schon einige Tage fr├╝her als die hiesige Gegend ├╝berschwemmt worden. Ebenso waren der Rhein und die Maas in den Niederlanden ausgetreten, wodurch auch dort gro├če Ueberschwemmungen entstanden. Am 4. M├Ąrz versuchte ein mit 12 Personen besetzter Nachen von Altcalcar nach Calcar zu fahren. Zwischen dem Hause Marcour (jetzt Brauhaus) und der Stadt geriet er aber in den starken Strom und der Besatzung ging die Gewalt ├╝ber ihn verloren. Er schlug um und die Insassen gerieten in h├Âchste Gefahr. Nach gr├Â├čten Anstrengungen gelang es beherzten M├Ąnnern unter eigener Lebensgefahr, 11 Insassen vom Tode des Ertrinkens zu erretten, ein 12 j├Ąhriger Knabe kam aber leider in den Fluten um.

Tags darauf entstand ein Brand in einem Hause in der Hanselaerstra├če, der einen gr├Â├čeren Umfang anzunehmen drohte, da er bereits auf Nachbarh├Ąuser ├╝bergegriffen hatte. Wegen des hohen Wasserstandes konnten die Spritzen nicht die w├╝nschenswerte und notwendige Wirksamkeit entfalten und nur dadurch, da├č das brennende Geb├Ąude kurzer Hand eingesto├čen wurde, konnte dem Feuer Einhalt getan werden. Die L├Âschenden hatten einen schweren Stand, mu├čten sie doch bis an den H├╝ften im Wasser stehend, aushalten.

Im allgemeinen hat das Hochwasser an den Geb├Ąuden der Stadt keinen allzugro├čen Schaden angerichtet. Anderw├Ąrts waren ganze H├Ąuser von den Fluten fortgerissen und vernichtet oder schwer besch├Ądigt worden, viele Menschenleben waren zu beklagen. In Niederm├Ârmter wurde eine Familie bestehend aus Vater, Mutter und drei Kindern aufgefischt und auf dem Kirchhof daselbst  beerdigt. Allenthalben trieb eine Menge Mobilien und Hausger├Ąte in den Fluten. Durch Versandungen weiter Landstriche wurde durch das Hochwasser ein au├čerordentlich hoher Schaden angerichtet.

In der Nacht vom 23. zum 24. August 1855 ging eine schreckliches Unwetter ├╝ber unsere Gegend nieder.
 (86) Gegen 11 Uhr abends begann ein Wetterleuchten, das gegen 1 Uhr in ein furchtbares Gewitter mit Sturm und Hagel ├╝berging. Die Wirkung war verheerend. Nachdem das Unwetter sich gegen 2 Uhr gelegt hatte, entlud sich eine Stunde sp├Ąter ein zweites, noch schrecklicheres Gewitter, das dazu bestimmt schien, das von dem ersten begonnene Zerst├Ârungswerk ganz zu vollenden. Auch dieses war wieder von einem massigen Hagel begleitet. G├Ąrten und Felder waren verw├╝stet, alle Frucht war vernichtet. Das Obst lag abgeschlagen am Boden, die B├Ąume waren fast ganz entlaubt und boten  einen trostlosen Anblick; viele lagen entwurzelt am Boden. Selbstverst├Ąndlich waren auch die H├Ąuser, besonders die D├Ącher, von dem Unwetter arg mitgenommen worden. Zertr├╝mmerte Fensterscheiben gab es allenthalben. Noch lange Jahre danach wurde dieses Unwetter als eins der schlimmsten genannt. 

Die Bev├Âlkerung betrug Ende des Jahres 1855: Calcar 1968 Katholiken, 157 Protestanten, 92 Juden, zusammen 2217;  Altcalcar 680 Katholiken, 70 Protestanten, zusammen 750;  Neulouisendorf 146 Katholiken, 303 Protestanten, zusammen 449. In den Gemeinden Calcar, Altcalcar und Neulouisendorf zusammen 2794 Katholiken, 530 Protestanten und 92 Juden; insgesamt die B├╝rgermeisterei Calcar 3416.

An Geb├Ąuden waren vorhanden: in Calcar 324 Wohnh├Ąuser, 147 Scheunen und Schuppen,  in Altcalcar 105 Wohnh├Ąuser, 57 Scheunen und Schuppen,  in Neulouisendorf 71 Wohnh├Ąuser, 5 Scheunen und Schuppen. In Calcar, Altcalcar und Neulouisendorf zusammen 500 Wohnh├Ąuser und 209 Scheunen und Schuppen.

Am 25. Juni 1856 starb Schwester Lucia, die letzte der Schwestern des von der franz├Âsischen Republik aufgehobenen ehemaligen Augustinessenklosters im Alter von 88 Jahren. Sie war eine geborene Hermine Lemmen und aus Keppeln geb├╝rtig. Das ihr eigent├╝mlich geh├Ârige Haus in der Kesselstra├če hat sie der kath. Pfarrkirche vermacht.

Nachdem die Chaussee von Calcar nach Goch fertig gestellt war, wurden im August zwei Barrieren zu Altcalcar und am Gocherberg errichtet zum Vorteil
 (87) der betreffenden Gemeinden. Jede Barriere erhob das halbe Barrieregeld.

In der Nacht vom 6. zum 7. September wurde ein Einbruch in die Nikolai-Pfarrkirche ver├╝bt und die Opferst├Âcke erbrochen und geleert. (Vor einigen Jahren geschah ein Einbruch an derselben Stelle.)

Durch Verf├╝gung der k├Âniglichen Regierung in D├╝sseldorf vom 18. 10. 1856 wurde der Kaufmann Heinrich Jakob Kuypers auf eine 6j├Ąhrige Amtsdauer zum 2. Beigeordneten der B├╝rgermeisterei Calcar ernannt.

Der Sommer des Jahres 1857 war au├čerordentlich hei├č und trocken. Infolge der anhaltenden D├╝rre entstand ein allgemeiner Wassermangel in den Brunnen und Weiden. Der Wasserstand des Rheines war so niedrig, da├č sich die ├Ąltesten Leute nicht eines gleich niedrigen Wasserstandes erinnerten. In Calcar war der Wassermangel noch ertr├Ąglich, was wohl auf den quellenreichen Boden zur├╝ckzuf├╝hren ist.  Brandungl├╝cke waren so h├Ąufig, das man fast jeden Tag von einer neuen Feuersbrunst h├Ârte. Hier in der Stadt brannten drei H├Ąuser in der Kesselstra├če ab.

Durch Verf├╝gung der k├Âniglichen Regierung in D├╝sseldorf vom 9. 9. 1857 wurde der Rentner Lambert Verwayen zum ersten Beigeordneten der B├╝rgermeisterei Calcar ernannt.

Die ehemalige Gasthauskirche auf der Grabenstra├če hinter dem Rathause, die bisher als Scheune benutzt worden war, wurde durch ihren jetzigen Eigent├╝mer, den Schiffer und Kohlenh├Ąndler Viktor Ludwig Leeuw zu einem Wohnhause umgebaut.

Die allgemeine Bev├Âlkerungsaufnahme am 3. Dezember 1858 ergab in Calcar eine Seelenzahl von 2192, darunter 1927 Katholiken, 165 Protestanten und 100 Juden; die Gesamteinwohnerzahl der B├╝rgermeisterei Calcar betrug 3378. Wohngeb├Ąude wurden insgesamt gez├Ąhlt in Calcar 341 und ferner 130 Scheunen und Nebengeb├Ąude. Der Fl├Ącheninhalt der B├╝rgermeisterei Calcar ist berechnet worden auf 7138 Morgen, davon entfallen auf Calcar 863 Morgen,  auf Altcalcar 3741 Morgen  und auf Neulouisendorf 2534 Morgen.

Am 26. September starb der Beigeordnete Christian Scholte, ein Mann, der sich durch langj├Ąhrige T├Ątigkeit in der Verwaltung fast aller Corporationen der Stadt Calcar, namentlich des kath. Kirchen und Armenverm├Âgens, die gr├Â├čten Verdienste erworben
 (88) hatte. Durch sein schlichtes, einfaches Wesen erfreute er sich ├╝berall gro├čer Beliebtheit.

Am 24. Mai 1859 wurde der zum Pfarrer von Altcalcar ernannte seitherige Kaplan von Niederm├Ârmter, Herr Albert Passens, in sein Amt eingef├╝hrt.

Am 15. November 1859 wurden in Altcalcar in der N├Ąhe des Gutes Born, wo sich das r├Âmische Lager Burginatium befunden hat und zwar in dem Talrande einer Bergschlucht in der Gegend, wo der Verbindungsweg  zwischen jenem Lager und der Maas sich hinzog, auf dem Eigentum eines Fr├Ąulein Fonck aus Goch wiederum zwei r├Âmische Gr├Ąber gefunden. Dieselben bestanden aus einem Sandstein- oder Tuffsteinw├╝rfel von etwa 2 Fu├č L├Ąnge und Breite und 1 Fu├č 8 Zoll H├Âhe. Das Grab war viereckig darin ausgehauen. In dem einen Grabe befanden sich drei oben enge Aschenkr├╝ge und ein kleinerer Topf, ein Teller von terra sigillata und eine aus Bronze gegossene Lampe, welche an drei Kettchen aufgeh├Ąngt werden konnte. Bei der Lampe befand sich ein Stocher. Das Grab enthielt Asche und nach einer vom prakt. Arzt Dr. M├Ânnig vorgenommenen Untersuchung Gebeine eines Kindes. Es war mit einem zu drei Viertel durchgeschnittenen Steine bedeckt. Die bronzene Lampe hatte die Form eines platt gedr├╝ckten Karpfens und war meisterhaft gearbeitet. Das andere Grab, von gleicher Gr├Â├če, enthielt zwei oben enge Kr├╝ge, ein T├Âpfchen und einen Teller ebenfalls von terra sigillata und eine Lampe aus Ton. Es war nicht mit einem Stein bedeckt und mit Erde und Asche angef├╝llt. Die Gebeine darin waren vermodert. Professor Otto Jahn vom Universit├Ątsmuseum in Bonn bem├╝hte sich auf Anregung der Regierung in D├╝sseldorf um die Erwerbung der Fundgegenst├Ąnde f├╝r das Universit├Ątsmuseum; die Eigent├╝merin des Fundgrundst├╝ckes war jedoch nicht zu ihrer Herausgabe zu bewegen. 

Am 3. August 1860 fand die feierliche Grundsteinlegung zum Seydlitz-Denkmal statt. Das Programm hierf├╝r lautete:

9,30 Uhr: Versammlung des Denkmals-Komitees, des Gemeinderates und der ├╝brigen Festteilnehmer im Rathause, Aufstellung der Sch├╝ler der oberen Klassen, der Veteranen und Wehrm├Ąnner im Kreise um die Grube.

10 Uhr: Zug der Festteilnehmer vom Rathause  zum Denkmalsplatz. Voran tragen vier Wertgesellen
 (89) den Grundstein. Der Baumeister tr├Ągt die bereits vorher auf dem Rathause unterzeichnete Urkunde. Bei Austritt des Zuges aus dem Rathause beginnt die Musik das Lied ,, Heil dir im Siegerkranz.“ Die Festteilnehmer ordnen sich um die Grube. Anrede des Regierungspr├Ąsidenten, Verlesen der Urkunde durch den B├╝rgermeister, Verschlu├č derselben in den Grundstein, Legung desselben unter den ├╝blichen drei Hammerschl├Ągen. W├Ąhrenddessen das Preu├čenlied durch die Musik.  Festrede durch den Oberstleutnant Wittich. Hoch ! Heil dir im Siegerkranz.“

Die in den Grundstein eingeschlossene Urkunde, die sich auch in zweiter Originalausfertigung auf dem Sitzungssaale des Rathauses befindet hat folgenden Wortlaut:

,,Zum dauernden Ged├Ąchtnis f├╝r die Nachwelt. In dankbarer Erinnerung an eine gro├če Vergangenheit errichtet die Stadt Calcar, mit ihr der Kreis Cleve, unter reicher Beteiligung Preu├čischer Krieger und treuer B├╝rger dieses Denkmal
                                 dem k├Âniglich Preu├čischen General der
                                                              Reiterei
                              Friedrich Wilhelm, Freiherrn von Seydlitz,

                                   geboren am 3. Februar 1721 zu Calcar.

Angeh├Ârend dem Kriegsheere des gro├čen K├Ânigs Friedrich des II. half Seydlitz die Siege Dessen zu Preu├čens sp├Ątem Ruhm und Ehre erfechten, leuchtend vor Allen in der Geschichte durch die gewonnenen ruhmreichen Schlachten von Ro├čbach und Zorndorf.

Die Geburtsst├Ątte des Helden gibt durch die Errichtung dieses Denkmals Zeugnis des Macht haltenden Stolzes auf ihre glorreichen Ahnen, mahnend zum Nacheifer f├╝r lebende und kommende Geschlechter, auf da├č in gottesf├╝rchtigem Herzen nimmer erl├Âsche die Liebe f├╝r Preu├čens K├Ânigshaus und f├╝r das theuere Vaterland.

Auf Befehl des Allerdurchlauchtigsten F├╝rsten und Herrn des Regenten Prinzen von Preu├čen K├Ânigliche Hoheit, soll am Gedenktage der Schlacht bei Zorndorf am 25. August d. J. dieses Denkmal enth├╝llt werden, zu dessen Errichtung heut der Grundstein gelegt worden ist.

De├č zu Urkund ist gegenw├Ąrtige Schrift vollzogen und in den Grundstein eingeschlossen worden.

(90) Gott der Allm├Ąchtige und Dreieinige segne dieses Werk zum Heil des K├Âniglichen Hauses von Preu├čen und der gesammten K├Âniglichen Lande fort und fort. Amen.

So geschehen zu Calcar am 3. August 1860, im ein und zwanzigsten Jahre seit dem Regierungsantritte des K├Ânigs Wilhelm des IV. Majest├Ąt. Die mit des Werkes Ausf├╝hrung Betrauten :

Backer,
B├╝rgermeister von Calcar,
Kr├╝ger,
Regierungs-und Baurath in D├╝sseldorf,
Freiherr von Loe,
Landrath des Kreises Cleve,
von Massenbach,
Regierungspr├Ąsident zu D├╝sseldorf.
Von Schaumburg,
Cavallerie-Oberst a.D.  Wittich,
Oberstleutnant u. Cd. Des 1. B. 8 Westf Inf.- Rgts. Nr 57.
Bayerle,
Bildhauer des Denkmals in D├╝sseldorf.
Fr. Velthuysen,
fr├╝herer Besitzer des Geburtshauses.
Fr. Sch├Ąfer, jetziger Besitzer des Geburtshauses.

Die feierliche Enth├╝llung fand am 25. August statt. Seit mehreren Jahren war ein Komitee t├Ątig gewesen, die umfangreichen Vorbereitungen f├╝r einen glanzvollen Verlauf des Festes zu treffen. Zu gegebener Zeit ergingen Einladungen an hohe und h├Âchste Personen zur Teilnahme an der Enth├╝llungsfeier u. a. an Seine K├Ânigliche Hoheit den Prinzregenten, s├Ąmtliche K├Âniglichen  Prinzen des Hohenzollernhauses und an den F├╝rsten von Hohenzollern. Unterm 15. M├Ąrz 1859 teilte Staatsminister Auerswald aus Berlin mit, da├č Seine K├Ânigliche Hoheit der Prinzregent sich mit der Enth├╝llung des Denkmals am 25. August 1860 einverstanden erkl├Ąrt habe und geneigt sei, der Feier pers├Ânlich beizuwohnen, wenn die Verh├Ąltnisse es gestatteten. Drei Tage vor dem Feste ging jedoch  eine Depesche ein des Inhalts, da├č Seine K├Ânigliche Hoheit der Prinzregent wegen noch nicht beendeter Kur leider nicht teilnehmen k├Ânne.

Zu der Enth├╝llungsfeier waren viele hohe Milit├Ąr- und Standespersonen erschienen. Sie vollzog (91) sich programmgem├Ą├č. Nachher fand ein gro├čes Diner statt.

Das Standbild stellt den gro├čen Reitergeneral in vollem Waffenschmucke auf dem Schlachtfelde dar, wie er dieses mit pr├╝fendem Blicke ├╝bersieht, das blo├če Schwer in der Rechten, die Linke geballt beim Anblicke des Feindes, den richtigen Moment abwartend, auch ohne Befehl sich auf den Feind zu st├╝rzen.

Das Fu├čgestell tr├Ągt folgende Inschriften: auf der Frontseite (Westseite): Friedrich Wilhelm, Freiherr von Seydlitz, K├Ânigl. Preu├č. General der Reiterei, geboren den 3. Februar 1721 zu Calcar, gestorben den 7. November 1773, auf der Nordseite: ,,Sein Anblicke wecke gleichen Heldengeist“, auf der Ostseite: Hohenfriedberg, Zorndorf, Lobositz, Kolin, Kunersdorf, Ro├čbach, Freiberg; auf der S├╝dseite: ,,Sich selbst zu ehren, ehrt die Stadt des Helden erste Spur.“

Im Jahre 1863 wurde das Denkmal mit einem Umfassungsgitter versehen.

Am 25. September 1860, morgens fr├╝h, kam ein orkanartiger Sturmwind auf, der bis mittags 1 Uhr andauerte und viel Schaden, besonders an den H├Ąusern, anrichtete.

Am 29. September beschlo├č der Gemeinderat, zur Verbesserung der Stra├čenbeleuchtung der Gemeinde von der Stadt Emmerich gebrauchte, aber gut erhaltene Oellaternen zu ├╝bernehmen, die in Emmerich wegen Einf├╝hrung der Gasbeleuchtung entbehrlich geworden und zum Kauf angeboten worden waren. Der B├╝rgermeister nahm sie an Ort und Stelle in Augenschein und lie├č sie durch einen Fachmann pr├╝fen, wobei sie in gutem Zustande befunden wurden. Der Kauf kam darauf zustande. Mitgeliefert wurden eiserne Ketten, Stangen und das gesamte Tauwerk.

Das am Leydeich gelegene sogenannte Tiggelwerk (Ziegelwerk) sollte am 4. Januar 1861 zum ├Âffentlichen Verkaufe gestellt werden. Der Gemeinderat beschlo├č, dieses zwei Morgen 149 Ruten 30 Fu├č gro├če Grundst├╝ck, auf dem ein Haus stand, f├╝r die Stadt anzukaufen. Es lag in der Stadtwiese ,,Ledewinkel“ und war von ihr umschlossen. In alten Zeiten war es von der Stadt in Erbpacht vergeben und zugunsten desselben mit einer Rente von 30 Talern 17 Sgr. belastet. Bestimmend f├╝r den Gemeinderat war, da├č das Ziegelwerk, wie schon erw├Ąhnt von der Stadtweide eingeschlossen war
 (92) und beim Verkauf an einen Privaten die Gefahr bestand, da├č das weidende eingescharte Vieh nicht ganz sicher sei, dazu k├Ânnten mit der von dem Grundst├╝ck zu gewinnenden sehr guten Erde die niedrigliegenden Grundst├╝cke der Stadt erheblich verbessert werden. Es wurde f├╝r die Summe von 1485 Talern angekauft. Der Kauf erhielt die Genehmigung der Regierung. Das Grundst├╝ck wurde in die Stadtweide einbezogen, der dazu geh├Ârige Garten mit Gras und Kleesamen einges├Ąt und das Wohnhaus auf Abbruch verkauft.

Nachdem am 18. Dezember 1860 Frost mit Schneefall eingetreten war und ununterbrochen angehalten hatte, bildete sich im Rheine Eis, das sich Mitte Januar zu einer Eisdecke setzte, die bald darauf mit Fuhren passiert werden konnte. Eingedenk der Gefahren des Jahres 1855 und in der Voraussicht, da├č bei dem bedeutenden Schneefall ein au├čerordentlich hoher Wasserstand zu bef├╝rchten sei, waren auf dem Banndeiche die umfassendsten Vorsichtsma├čregeln getroffen. Am 16. Januar trat Tauwetter ein und am 23. desselben Monats setzt sich die Eisdecke bei Homberg zum ersten Male in Bewegung; unterhalb stand sie noch fest, kam aber bei der anhaltend milden Witterung kurz darauf ebenfalls in Bewegung und trieb am 27. Januar ohne Gefahr ab. Da indessen Waal und Rhein in den Niederlanden fest blieben, so staute sich das Wasser derart, da├č es am 28. Januar die R├╝cklaufdeiche von Calcar bis Grieth ├╝berstr├Âmte und diese an mehreren Stellen durchbrach. Die Stadt Calcar sowie die B├╝rgermeistereien Appeldorn und Grieth wurden hierdurch ├╝berschwemmt. Man glaubte schon aller gr├Â├čeren Gefahr einer Eisstauung und eines Banndeichbruches enthoben zu sein, als abermals eine gro├če Eisdecke, die noch bei Duisburg zur├╝ckgeblieben war, rheinabw├Ąrts trieb und sich auf jene an der preu├čisch-holl├Ąndischen Grenze war. Da diese nicht weichen wollte, so stellte sich das Eis wieder bei Niederm├Ârmter und das Wasser stieg zu solcher H├Âhe, da├č es am 29. Januar Die Banndeiche von Grieth bis H├Ânnepel mit Gewalt ├╝berstr├Âmte. Das St├Ądtchen Grieth hat hierbei viel gelitten. Die Sperrh├Âlzer usw. in dem Wassertor des Deiches wurden von dem Wasser herausgerissen und die Fluten str├Âmten mit solcher Gewalt in das St├Ądtchen, da├č das Stra├čenpflaster tief aufgerissen wurde. Mit knapper Not konnte das Vieh gerettet werden. Durch die Stauung unterhalb Emmerich wurde auch
 (93) der Till-Moylandsche Deich ├╝berflutet und es w├Ąre wahrscheinlich zu einem Deichbruch gekommen, wenn nicht von Seiten der Deichverteidigung alles zur Erhaltung des Deiches aufgeboten worden w├Ąre. Am 3. Februar war die Stadt Calcar, die nur zu einem kleinen Teile vom Wasser verschont geblieben war, wieder frei. In der ziemlich hoch liegenden katholischen Kirche hatte das Wasser 6 Zoll hoch gestanden.

Nach der Volksz├Ąhlung vom 3. Dezember 1861 waren Einwohner vorhanden in Calcar 2183, in Altcalcar 753 und in Neulouisendorf 423, insgesamt in der B├╝rgermeisterei Calcar 3359.

Die Vorteile der Blitzschutzanlagen (Blitzableiter) w├╝rdigend, plante die kath. Kirchenverwaltung die Anlage von Blitzableitern auf der Kirche. Diesem Vorgehen schlo├č sich die Stadt an und beschlo├č, auch das Rathaus mit einer Blitzschutzanlage versehen zu lassen. Die von Milit├Ąr- und Staatsbeh├Ârden empfohlene Firma Bongard in Wesel offerierte eine fachgem├Ą├če und einwandfreie Anlage f├╝r rund 100 Taler und erhielt den Zuschlag.

Auf Anregungen aus Kreisen der B├╝rgerschaft befa├čte sich der Gemeinderat am 25. April 1862 mit der Frage der Verlegung der St. Jakob-Kirmes. Eine Verlegung wurde jedoch mit 7 gegen 5 Stimmen abgelehnt.

Am 8. Juli 1863 wurden die Schulschwestern Maria Lemloh (Schwester Maria Laurentia) zur Lehrerin an der 1. Klasse der kath. Elementar-M├Ądchenschule und Klara Lohhoff (Schwester Maria Raphaele) zur Lehrerin an der 2. Klasse dieser Schule provisorisch ernannt.

Der erste Beigeordnete Rentner Lambert Verwayen wurde am 17. Sept. 1863 f├╝r eine weitere sechsj├Ąhrige Amtsdauer ernannt.

Am 24. Februar 1864 legte der Kommunalempf├Ąnger Hermann Josef Haal, der l├Ąnger als 50 Jahre die Gemeindekasse pflichttreu verwaltet hatte, wegen seines hohen Alters sein Amt nieder. Die Kasse wurde vorl├Ąufig dem Steuerempf├Ąnger Schuylen ├╝bertragen. Am 29. September desselben Jahres ging sie auf Heinrich Jakob Kuypers ├╝ber.

Im Jahre 1863 war der kath. Kirche zur Unterhaltung der kath. Privat- Rektoratsschule ein st├Ądtischer Zuschu├č von 100 Talern bewilligt worden, der nach Ablauf dieses Jahres auch f├╝r das neue Etatsjahr beantragt wurde. Der Gemeinderat lehnte jedoch die Bewilligung eines laufenden Zuschusses
(94) ab. Dechant van Haag regte an, die Schule auf die Stadt zu ├╝bernehmen und als ├Âffentliche h├Âhere Knabenschule fortbestehen zu lassen. Dieser Gedanke fand Anklang beim Gemeinderat und es wurde beschlossen, mit dem Kirchvorstand in Verhandlungen  ├╝ber die Uebernahme der Schule einzutreten. Es wurde zu diesem Zwecke eine Kommission, bestehend aus dem B├╝rgermeister Backer und den Gemeinderatsmitgliedern Notar Lauff und Heinrich Kuypers gew├Ąhlt. Inzwischen hatte auch der Kirchenvorstand sein Einverst├Ąndnis zu dem Vorhaben erteilt. Der Entwurf zu den Statuten f├╝r die Schule wurde in der Gemeinderatssitzung vom 21. Juli 1864 durchberaten und angenommen. Als Mitglied des Kuratoriums der Rektoratsschule wurde aus der Mitte des Gemeinderats Notar Lauff

 gew├Ąhlt.

Die Beleuchtung der Stra├čen der Stadt geschah bisher durch 14 Oellaternen. Im Winter 1863/64 war der Versuch mit Petroleumbeleuchtung gemacht worden, der ├╝ber Erwarten gut ausgefallen war. Wie der B├╝rgermeister Backer in der Gemeinderatssitzung vom 16. August 1864 ausf├╝hrte, war eine weitere Laterne angebracht worden eigens zu dem Zwecke, das Petroleum auszuprobieren. Jene Probe sei ganz vorz├╝glich ausgefallen, indem  die 15. Laterne ,,nicht allein mehr als doppeltes Licht gegen die Oelbrenner gegeben, sondern auch im heftigsten Winde ruhig fortgebrannt habe, dabei sei eine wesentliche Brennstoffersparnis festzustellen.“ Die Vorz├╝ge der Petroleumbeleuchtung lagen zu offen auf der Hand, als da├č der Gemeinderat dem Antrage, die Oelbeleuchtung durch Petroleumbeleuchtung zu ersetzten ablehnend gegen├╝berstand. Und so bekam Calcar seine Petroleumlaternen und glaubte damit die idealste Beleuchtung zu besitzen, die es nur geben k├Ânne.

Im Jahre 1865 wurde die Fortbildungsschule gegr├╝ndet. In der Sitzung vom 28. Dezember 1865 bewilligte der Gemeinderat zu den Kosten der ersten Einrichtung der Schule aus Gemeindemitteln einen Zuschu├č von 30 Talern.

Die heute vorherrschende und von berufenen M├Ąnnern der Denkmalspflege geteilte Ansicht, da├č es der kath. Pfarrkirche nur zum Vorteil gereicht, wenn die H├Ąuserreihe Sicking bis zu dem neuerdings errichteten neuen Gesch├Ąftshaus bestehen bleibt, die Kirche nach der Nordseite also nicht freigelegt wird, hat nicht immer bestanden. Schon vor mehr als 60 Jahren wurde ernstlich erwogen
(95) H├Ąuser abzubrechen. Der Gemeinderat hatte sich am 26. April 1866 mit der Frage zu befassen und beschlo├č nach eingehender Beratung mit 8 gegen 1 Stimme, die H├Ąuser nach und nach anzukaufen, um sie bei Gelegenheit abzubrechen. Der Kauf des Eckhauses an der Altcalcarer- Herrenstra├če, dem Schuster Heyming geh├Ârend, das nur 7 Fu├č von der Kirche lag und subhaftiert war, wurde endg├╝ltig beschlossen. Es kam jedoch noch nicht zum Abbruch. Die Stadt hatte f├╝r das Nikolaus- Spital eine Scheune von Bronsgeest angekauft und darin vorl├Ąufig die Feuerl├Âschger├Ąte untergebracht. Es zeigte sich jedoch bald, da├č diese Scheune wegen ihrer tiefen Lage und der Hochwassergefahr als Aufbewahrungsraum f├╝r die Spritzen  h├Âchst ungeeignet war und letztere unbedingt anderweitig untergestellt werden mu├čten. Das neuerworbene Heymingsche Haus wurde hier wegen seiner Hochwasserfreien Lage ausersehen. Der Gemeinderat beschlo├č, das Haus umzubauen und im Erdgescho├č einen Raum f├╝r die Unterbringung der Spritzen zu schaffen, den oberen Teil aber als Schulraum f├╝r die st├Ądtisch gewordene Rektoratschule auszubauen. Der Umbau kam bekanntlich zustande und das Geb├Ąude hat bis zur Jetztzeit als Spritzenhaus und Grabenstra├če auch als Rektoratschule gedient.

Am 3. April 1865 wurde der Kaplan Gerhard Sieber als Pfarrer nach Alpen, Kreis M├Ârs, versetzt. In die freigewordene Kaplanstelle wurde Kaplan Joseph Schlo├čmacher aus Kranenburg berufen.

Am 8. Juni 1865 wurde der prakt. Arzt Dr. M├Ânnig von der Regierung in D├╝sseldorf zum zweiten Beigeordneten der B├╝rgermeisterei Calcar ernannt; seine Vereidigung fand am 28. Juni statt.

Am 6. Oktober wurde die seitherige Lehrerin an der ersten Klasse der kath. M├Ądchenschule, Schulschwester Maria Lemloh, als Lehrerin der neugebildeten h├Âheren M├Ądchenschule (T├Âchterschule) ernannt. Am gleichen Tage wurde die Lehrerin Gertud Laakmann (Schwester M. Jren├Ąa) provisorisch auf zwei Jahre f├╝r die zweite Klasse der kath. M├Ądchenschule ernannt.

Im Oktober 1865 wurde die Telegraphenlinie l├Ąngs der Cleve-Xantener Chaussee errichtet. Im Januar 1866 war die Telegraphenstation beim hiesigen Postamt fertiggestellt. Die ersten Depeschen wurden am 25. Januar, vormittags 8 Uhr, aufgegeben, und zwar je eine an die K├Ânigliche Telegraphendirektion
(96)   in Berlin und an den K├Âniglichen Telegrapheninspektor Ludewig in K├Âln, denen damit die Er├Âffnung der neuen Telegraphenstation amtlich angezeigt wurde.

Infolge der Mobilmachung gegen Oesterreich  wurden im Mai 1866 aus der B├╝rgermeisterei Calcar 41 Reserve- und Landwehr-Mannschaften zur Fahne einberufen. Am 14. Mai fand auf dem Marktplatze eine Pferdeaushebung statt. Der Kreis Cleve hatte 131 Pferde zu stellen.

 

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