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Mord in Niedermörmter

Tödliche Kugel verfing sich im Zopf der 18jähriges Marie Schmithausen aus Niedermörmter

Ein Tatsachenbericht aus den Urkunden des Kalkarer Stadtarchivs.
Berichterstatter Heinrich Wolff, veröffentlicht am 17.02.1954 durch die Neue Ruhr-Zeitung

 

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1762 ein Jahr vor Schluß des Siebenjährigen Krieges. Die Franzosen schlugen eine Zeitlang in Niedermörmter ihr Lager auf. Es herrschte ein gutes Einvernehmen zwischen der Bevölkerung und den Fremden. Besonders die Jugend fand schnell zueinander. Auf dem Hofe des Bauern Peter van de Kamp lag ein französischer Capitaine mit seinem Burschen. Sie fühlten sich wohl in der Soldat5Bauernfamilie.

Es blieb jedoch nicht lange verborgen, dass Saint Jan, der 18 jährige Bursche, der hübschen blonden Magd Marie nachstellte. Es ärgerte ihn, dass sie lieber mit den einheimischen Jungen tanzte; schließlich hatte er den Bauern van de Kamp um einen freien Abend für Marie gebeten. Immer wieder verstand sie es aber, ihm auszuweichen und ihn an der Nase herumzuführen, bis ihn kalter Zorn packte und er davonlief.

“Ich werde es ihr beibringen”, drohte er dann öfter. Seine Kameraden lachten ihn aus, sein Capitaine versuchte ihn zu beruhigen. Tatsächlich ging es einige Tage gut. Er sah Marie nur zur Essenszeit, und dann sprach er kein Wort. Die anderen merkten, es war kein gutes Schweigen und sehnten den Tag herbei, an dem das französische Regiment über den Rhein setzen würde.

 

Schroff abgelehnt

Am Abend vor dem Aufbruch der Franzosen wurde der größte Saal im Dorfe ausgeräumt. Das ganze Dorf feierte Abschied. Die Jugend tanzte bis in den frühen Morgen. Nur Marie war rechtzeitig mit der Familie van de Kamp heimgekehrt. Sie hatte die Bitte des Burschen Saint Jan, noch länger zu bleiben, schroff abgelehnt.

Vielleicht hätte ich nicht so schnippisch sein sollen, überlegte sie auf dem Heimweg. Ihr gruselte bei dem Gedanken an den Blick, mit dem Saint Jan sie zum Schluß angesehen hatte. Schließlich beschwichtigte sie sich selbst: “Ach was, um sieben Uhr verlassen die Franzosen das Dorf, ich werde gar nicht mehr mit ihm zusammenkommen”. Auf dem Hof legte sie sich gleich ins Bett.

Am 02. April 1762. Die Franzosen haben das Dorf verlassen. Es ist wieder still geworden. Nur der Regen strömt vom Himmel. Den ganzen Tag hält das Wetter an. Am Abend werden der Bauer und seine Frau zu einer schwerkranken Verwandten gerufen. Marie ist mit der Tochter Johanna allein im Wohnhaus. Draußen ist es bereits dunkel geworden. Es stürmt und regnet. Nur ab und zu wird das Dunkel jäh durch einen Blitz zerrissen. Es ist noch eine Stunde bis Mitternacht. Marie steht am Fenster und schaut sich das Wetterleuchten an.

 

Das Pferd holen

Wieder zuckt ein Blitz auf. Da sieht sie, wie sich eine dunkle Gestalt auf das Gebäude zu bewegt. “Da kommt Saint Jan”, sagt sie zu der spinnenden Johanna. Zusammen warten sie, bis eine Hand an das Fenster pocht und sich ein bleiches Gesicht an die Scheibe preßt. Nur einen kleinen Spalt öffnet Marie den Riegel.

“Ich möchte das Pferd meines Capitaines  holen, es steht hinten in der Scheune”, sagt der Bursche ohne einen Blick von Marie zu wenden,

“Möchte Er sich nicht zuerst ein wenig am Ofen trocknen?”, fordert ihn Johanna auf. ”Nein ich muß sofort zurückreiten”. “Gut Marie, dann leuchte du ihm mit der Laterne!” Nur widerstrebend tritt Marie ins Freie. Im schwachen Schein der Laterne sieht sie mitleidig, daß der Bursche vollkommen naß ist. Sie sieht aber auch mit erschrockenen Augen die Muskete, die er unter dem Umhang trägt. Der Regen klatscht ihr ins Gesicht. Schweigend gehen sie zur Scheune.

Im Hause wartet Johanna fast eine Stunde auf die Rückkehr von Marie. Eine unbestimmte Unruhe packt sie, während sie in das Dunkel der Nacht lauscht.

Mit einer zweiten Laterne begibt sie sich zur Scheune. Das Pferd des Capitaines wiehert bei ihrem Eintritt. Von Marie und dem Burschen ist nichts zu sehen. Sie geht etwas weiter und stößt plötzlich gegen Holzschuhe, die seltsam auf dem Boden liegen. Sie bückt sich und sieht Marie mit einer blutenden Schußwunde über dem rechten Auge liegen. Die Laterne liegt zersplittert neben ihr.

Mörder nie gefunden

Entsetzt stehen wenige Stunden später die Familienmitglieder und die Nachbarsleute vor der Leiche der blonden Marie. Ein Chirurg aus Rees untersucht die Wunde und bringt eine Kugel zum Vorschein, die sich in Maries blonden langen Zöpfen verfangen hatte. Der französische Capitaine wird benachrichtigt. Der Bursche ist dort nicht angekommen. Die Suche nach ihm verläuft ergebnislos.

Als Entschädigung zahlte das französische Militärgericht den Eltern der blonden Marie 150 Lire. Bei der Gerichtssitzung konnten nur die Zeugen verhört werden, der Mörder wurde nie gefunden.

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Aktenkundig im Archiv der Stadt Kalkar wo auch heute noch die Kugel, an der ein blondes  Haar haftet, aufbewahrt wird.

 

 

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